Bayer Leverkusen: Bayer 04 will Frühjahrs-Bilanz aufpolieren
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.01.2013Leverkusen (RP). Das mit dem Vizekusen-Klischee haben sie bei Bayer 04 längst zur eigenen Zufriedenheit in den Griff bekommen. Die Patentierung des Begriffs ging in den vergangenen Jahren mit der bis heute offensiv vorgetragenen Meinung der Verantwortlichen einher, dass ein zweiter Platz heutzutage schon lange keine Strafe mehr sei. Er garantiert eben genauso die monetäre Barmherzigkeit der Champions League. Ein anderes, des öfteren mit der Werkself in Verbindung gebrachtes Klischee ist das von der Mannschaft, der nach einer guten Hinrunde im Frühjahr punktemäßig meist die Puste ausgeht.
Die Statistik stützt dabei diese Auffassung: Seit dem Aufstieg in die erste Liga 1979 sammelte Bayer 04 nur in zehn von 33 Spielzeiten in der Rückrunde mehr Punkte als in der vorangegangenen Hinserie. Mehr als doppelt so oft (22 Mal) gelang eben dies nicht. Besonders frappierend war der Einbruch unter Bruno Labbadia, als man 2008/2009 32 Hinrundenzählern nur noch 17 weitere folgen ließ und alle Europacup-Träume zerplatzten. 2009/2010 unter Jupp Heynckes kosteten nur 24 Rückrundenpunkte den Herbstmeister Bayer 04 (35 Zähler) am Ende noch die Teilnahme an der Champions League. 1995/96 unter Erich Ribbeck spielte man schon im Herbst (25 Punkte) nicht berauschend, aber die 13 Zähler im Frühjahr bedeuteten einen Absturz von Rang sechs auf Rang 14.
Mut, dass es 2013 anders laufen wird, macht aus statistischer Sicht die jüngere Vergangenheit. Sowohl in der Vorsaison (28 Punkte in der Rückserie nach 26 in der Vorrunde) als auch im Jahr davor (35/33) konnte sich die Werkself in der zweiten Saisonhälfte steigern. Die größte Punktausbeute in einer Rückserie verzeichneten die Leverkusener übrigens 1999/2000 mit 39 Punkten.
An einen solchen Wert würden sie unter dem Bayer-Kreuz nur allzu gerne anknüpfen. "Es hat sicher schon schlechtere Ausgangspositionen für unsere Werkself gegeben als zu Beginn dieser Rückrunde", teilte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Vorfeld der heutigen Partie mit. Für eine breite Brust bei den Beteiligten sorgt vor allem die imponierende Heimstärke in der Amtszeit des Duos Lewandowski/Hyypiä. In saisonübergreifend elf Bundesligaheimspielen gewann Bayer achtmal, hinzu kommen drei Remis. Die Werkself ist in dieser Spielzeit als einziges Team zu Hause noch ungeschlagen. Und weil das Trainingslager harmonisch verlief und die Mehrzahl der Rekonvaleszenten wieder zur Verfügung steht, ist die Zuversicht groß. Der ehemals kleine Kader ist zur "Qual-der-Wahl"-Gruppe mutiert, so dass aus den im Herbst vom Trainerteam erbetenen, mehreren Neuzugängen bis dato eine Winter-Transferbilanz von minus eins (Milik als Zugang stehen Carlinhos und Renato Augusto als Abgänge gegenüber) werden konnte, ohne dass sich jemand beklagt. "Weitere Verpflichtungen stehen aus heutiger Sicht nicht ins Haus", stellt Holzhäuser klar.
Die, die da sind, sollen und können es richten – und das Klischee der ausgehenden Puste weiter verdrängen.
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