Bundesliga: Bayern: Neue Baustellen und enormer Druck
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 12.06.2007 - 08:59Düsseldorf (RPO). Bayern München hat seine Personalplanungen weitgehend abgeschlossen. Nach den spektakulären Transfers von Luca Toni und Franck Ribery fehlen dem Rekordmeister noch zwei Mosaiksteinchen im Kader. Ze Robertos Rückkehr steht unmittelbar bevor und auch beim Thema Miroslav Klose glaubt sich der FCB am Ziel. Doch gerade der Wechsel des Bremers birgt Gefahren.
Kommt der Nationalstürmer, geht Roy Makaay. Was wochenlang spekuliert wurde, steht nun fest. "Roy Makaay hat den Wunsch nach einem Wechsel geäußert, falls Klose kommt. Das ist okay", bestätigte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz-Rummenigge im Gespräch mit dem "Münchner Merkur".
Wohin es den Niederländer mit der eingebauten Tor-Garantie zieht, ist indes nicht geklärt. Neben Feyenoord Rotterdam und PSV Eindhoven soll sich auch der türkische Meister Fenerbahce Istanbul um den Angreifer bemühen.
Für den deutschen Rekordmeister bedeutet dies, dass der Angriff in Zukunft aus dem italienischen Weltmeister Toni und WM-Torschützenkönig Klose besteht. In der Hinterhand hat Trainer Ottmar Hitzfeld noch die Nationalspieler Jan Schlaudraff und Lukas Podolski. Paraguays Roque Santa Cruz sucht trotz Vertrag händeringend nach einem neuen Arbeitgeber. Nach der Copa America (27. Juni bis 15. Juli) dürfte sich in dieser Personalie noch etwas tun.
Die Bayern gehen also mit einem komplett neuen Sturm-Duo in die Saison. Trainer Ottmar Hitzfeld plant in der kommenden Spielzeit ein flügelorientiertes Spielsystem mit zwei kopfballstarken Stürmern, die mit hohen Flanken gefüttert werden sollen. Dafür gibt es kaum bessere Angreifer als Toni und Klose. Doch beide müssen sich erst finden und aufeinander einstellen. Da Klose auch auf die Flügel ausweicht und ein laufintensiveres Spiel als Makaay und Podolski pflegt, könnte dies jedoch schnell klappen.
Dennoch stellt sich die Frage, warum die Bayern auf einen Transfer von Klose noch in diesem Sommer pochen. Trotz aller Kritik an seinem Stil war Makaay in den vergangenen vier Spielzeiten Bayerns bester Torjäger. 78 Tore in 129 Bundesligaspielen sind der Beweis. Sollten Toni und Klose nicht sofort treffen, wäre Ärger an der Säbener Straße programmiert.
Da auch die potenziellen Vorbereiter Franck Ribery, Jose Ernesto Sosa, Jan Schlaudraff in ihre erste Saison beim Rekordmeister gehen und der Gesundheitszustand von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, auf dem linken Flügel beheimatet, unklar ist, ist es gut möglich, dass die Offensivabteilung in der kommenden Saison nicht sofort ins Rollen kommt.
Aber die Bayern, die in Person von Manager Uli Hoeneß der Konkurrenz bereits ausrichten ließen, dass sie in der kommenden Spielzeit ein Fernglas brauchen wird, um sie in der Tabelle zu sehen, haben noch andere Baustellen im Kader. So wurde das Mittelfeld und der Angriff komplett renoviert, die löchrige Abwehr aber nicht verstärkt.
Das Innenverteidiger-Duo Lucio und Daniel van Buyten muss sich gewaltig steigern und das Zusammenspiel enorm verbessern, um international höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Hinter den beiden lauern der Argentinier Martin Demichelis, der Franzose Valerien Ismael und die beiden Eigengewächse Mats Hummels und Andreas Ottl auf ihre Chance, aber eine Verstärkung wie der Ex-Hamburger Khalid Boulahrouz hätte den Bayern gut zu Gesicht gestanden.
Die wichtigste Frage bei den Münchnern ist aber, ob das neu konstruierte zentrale Mittelfeld mit Mark van Bommel und Ze Roberto funktioniert. In Hitzfelds Wunschvorstellungen bekleidet der Niederländer künftig die Position der klassischen "Nummer sechs", des Abräumers vor der Abwehr, während der Brasilianer etwas offensiver den Spielaufbau einleiten soll.
Der zweikampfstarke van Bommel kann diese Rolle sicherlich ausfüllen, sieht sich selbst jedoch offensiver. In der abgelaufenen Spielzeit avancierte er mit sechs Treffern zum torgefährlichsten Mittelfeldspieler des FCB. Und Ze Roberto, früher in der Bundesliga durch seine Tempo-Dribblings und zahlreichen Übersteiger auf dem linken Flügel bekannt, muss erst beweisen, dass er auf Dauer auch die nötige taktische Disziplin und Zweikampfstärke in der Defensive für seine neue Rolle bei den Bayern mitbringt.
Der Erfolgsdruck erreicht bei den verwöhnten Bajuwaren jedenfalls nach den immensen Investionen von rund 60 Millionen Euro (den Klose-Wechsel noch nicht mitgerechnet) einen neuen Höhepunkt. Die Bayern gehen in allen Wettbewerben, Bundesliga, DFB-Pokal und Uefa-Cup als Top-Favorit an Start. Es kommt viel Arbeit auf Ottmar Hitzfeld zu.
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