Wird Italiener der Hitzfeld-Nachfolger?: Bayern wollen bei Lippi anfragen
zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 - 18:51München (RPO). Nach der Ankündigung von Ottmar Hitzfeld, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bei Bayern München nicht zu verlängern, schießen die Spekulationen um seine Nachfolge ins Kraut. Der Italiener Marcello Lippi steht auf dem Wunschzettel des Rekordmeisters offenbar weit oben.
Mehr als 20 vermeintliche Kandidaten tauchen in den Medien auf, die tatsächliche Liste der Verantwortlichen beim deutschen Isar-Klub dürfte allerdings deutlich kürzer ausfallen.
Das Anforderungsprofil der Bayern gleicht der Suche nach einem Super-Trainer: Möglichst deutschsprachig, international erfahren und im Umgang mit Stars geübt - viele Fußball-Lehrer erfüllen diese Forderungen nicht. Und Hitzfeld will sich im Sommer nicht mehr dem Kreuzfeuer der Kritik aussetzen.
Als deutsche Namen werden nun Meister-Macher Armin Veh vom VfB Stuttgart, Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der Mainzer Jürgen Klopp gehandelt, daneben tauchen auch Spaniens Trainer des Jahres, Bernd Schuster von Real Madrid, und der derzeit vereinslose Rekordnationalspieler Lothar Matthäus auf. Zudem werden die drei Niederländer Marco van Basten, der nach der EM 2008 in Österreich und der Schweiz seinen Posten als Bondscoach aufgeben wird, sowie Frank Rijkaard vom FC Barcelona und Guus Hiddink (Russland) genannt.
Jose Mourinho (vereinslos/zuvor FC Chelsea), Arsene Wenger (Arsenal London) und Rafael Benitez (FC Liverpool) gelten als vermeintliche Alternativen aus der englischen Premier League, hinzu kommt der Italiener Marcello Lippi, der nach dem Titelgewinn bei der WM 2006 als Nationalcoach aufhörte und seither pausiert.
Bei allen Kandidaten werden die Chancen und Vorzüge nun medial ausgeleuchtet. Aus Italien ist bereits zu vernehmen, dass die Bayern sondieren sollen, ob sich Lippi ein Engagement in München vorstellen kann. "Bevor man eine Verhandlung in die Wege leitet, wollen die Bayern-Verantwortlichen sicher sein, dass sie von Lippi nicht sofort eine Absage erhalten. Sie überprüfen die Bereitschaft Lippis zu einer Erfahrung in einem Land, von dem er die Sprache nicht kennt", schrieb die Turnier Tageszeitung La Stampa am Donnerstag.
Aus der Bundesliga schaltete sich der niederländische Trainer Huub Stevens vom Hamburger SV in die Diskussion ein: "Ich denke, van Basten passt besser zu Ajax als zu den Bayern. Er hat die Erfahrung nicht." Da habe Rijkaard schon mehr zu bieten. "Aber wenn ich Bayern München wäre, würde ich einen erfahrenen Trainer nehmen. Bei Bayern ist mehr Druck als in Holland. Ein Guus Hiddink käme damit besser klar", sagte Stevens zur Münchner tz.
Van Basten, einer der vermeintlichen Top-Kandidaten der Bayern, ist auch bei Ajax Amsterdam im Gespräch. Allerdings hat der 43-Jährige abgesehen von einem Ajax-Jugendteam noch nie eine Vereinsmannschaft trainiert.
Während die Spekulationen um die Hitzfeld-Nachfolge gerade erst in Schwung kommen, wirbt der Delegierte des Schweizer Verbandes, Ernst Lämmli, weiter intensiv um seinen langjährigen Weggefährten Hitzfeld als Nachfolger von Jakob "Köbi" Kuhn, der sein Amt als Nationaltrainer nach der EM niederlegen wird.
"Sollte er zu uns wollen, sind es noch große Schritte. Auch materiell gesehen. Aber es gäbe für ihn keinen günstigeren Zeitpunkt, unser Nationaltrainer zu werden, als nach der EM", sagte Lämmli der tz und fügte hinzu: "Hier würde er Respekt in der Form bekommen, wie es sich gehört und wie er ihn verdient."
Hitzfeld hatte am Mittwoch gegenüber dem sid eine Entscheidung über seine Zukunft nach den Bayern für das Frühjahr angekündigt. Schweizer Nationalcoach oder TV-Experte seien seine beiden Optionen. Beim Pay-TV-Sender Premiere, für den er bereits vor seiner zweiten Amtzeit bei den Bayern tätig war, würde man ihn genauso wie in der Schweiz mit offenen Armen empfangen. Er sei "einer der besten Fußball-Experten in Deutschland. Selbstverständlich stehen ihm die Türen bei Premiere offen", sagte Sender-Sprecher Torsten Fricke der Münchner Abendzeitung.
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