Rummenigge als Auslöser: Hitzfeld zum zweiten Mal gescheitert
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 - 07:13Düsseldorf (RP). Der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld hat - wie erwartet - seinen Abschied vom FC Bayern München zum Saisonende bestätigt. Er habe die Entscheidung dem deutschen Rekordmeister schon vor drei Wochen mitgeteilt, erklärte er. Gründe für seinen Entschluss, die Arbeit beim FC Bayern über die laufende Saison hinaus nicht fortzusetzen, will Ottmar Hitzfeld nicht nennen.
Da bleibt er sich wohl wieder einmal selbst treu, denn Nachkarten ist seine Sache nicht. Doch der Tag, ab dem das Ende der zweiten "Ehe" Bayern/Hitzfeld eingeläutet war, ist exakt festzumachen. Es war der 8. November. Es waren die Minuten nach dem enttäuschenden 2:2 im Uefa-Cup-Heimspiel gegen die Bolton Wanderers.
Und es waren acht Wörter: „Fußball ist keine Mathematik, die man berechnen kann.“ Ausgesprochen von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als offene Kritik an der personellen Rotation des Mathematiklehrers Hitzfeld.
Hitzfeld sprach von einer „Vehemenz der Kritik“, einem „heftigen Schlag“ und einer „gefährlichen Entwicklung, wenn die Spieler sehen, dass der Trainer vom Vorstand gerügt wird“. Zwar stufte Manager Uli Hoeneß das Vorgehen Rummenigges als Fehler ein, doch betonte er zugleich, dass er inhaltlich bei Rummenigge sei, und bezeichnete den Fußballlehrer als „Rotationsweltmeister“.
Der Bruch war nicht mehr zu kitten. Auch nicht durch den 6:0-Kantersieg gegen Aris Saloniki, mit dem die Münchner im Dezember die Gruppenspiele des Uefa-Cups beendeten. Außerdem ist zu vermuten, dass der Klub keinen Wert auf eine Zusammenarbeit in der kommenden Saison gelegt und Hitzfeld schon aus diesem Grund die Trennung selbst ins Auge gefasst hat.
Rummenigges öffentliche Kritik traf Hitzfeld, der am 12.Januar seinen 59. Geburtstag feiert, brutal. Der Coach, einer der erfolgreichsten noch tätigen Fußballtrainer Europas, hat Bayern viermal zur Meisterschaft geführt, zweimal zum DFB-Pokalsieg und - das absolute Highlight - zum Champions-League-Triumph 2001. Nach so viel Glanz mutete das öffentliche Abkanzeln durch den Vorstandschef wie eine Diffamierung an. Wie eine böse Entgleisung.
Wer als Cheftrainer einen Vertrag an der Säbener Straße unterschreibt, der weiß genau, was ihn erwartet: Dass er es in der Führung des Klubs nicht mit Müller, Meier, Schmitz zu tun hat, sondern mit Rummenigge, Beckenbauer, Hoeneß. Hochdekorierten Herren des Münchner und des deutschen Fußballs, die sich nicht den Mund verbieten lassen, wenn sie glauben, Leistungen ihres Starensembles kommentieren zu müssen.
Als Hitzfeld im Februar 2007 nach München zurückkehrte, rechnete er aber gewiss nicht damit, dass ihn bei seiner immensen Erfahrung und nach all den großen Erfolgen noch einmal eine solche Breitseite treffen könnte. Doch nachdem der Klub im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Euro in die Verpflichtung neuer Spieler investiert hatte, wuchs in seiner Chefetage nicht nur die Anspruchshaltung, sondern auch die Nervosität, als der Sechs-Punkte-Vorsprung des hohen Titelfavoriten gegenüber seinem ersten Verfolger (Werder Bremen) auf null schrumpfte und die Münchner sich nur noch durch das bessere Torkonto auf Rang eins halten konnten.
Hitzfeld, nach außen stets ruhig, gefasst, souverän, frisst offenbar nahezu jeden Ärger in sich hinein. Miene und Körpersprache scheinen jedoch darauf hinzudeuten, dass er innerlich unter Stress und Frust der ersten Saisonhälfte sehr gelitten hat. Er musste sich gegen den FCBayern entscheiden.
Die Suche nach Hitzfelds Nachfolger dürften die Verantwortlichen beim DFB mit Gelassenheit verfolgen. Jedenfalls waren sie gut beraten, den Vertrag mit Bundestrainer Joachim Löw früh genug bis zum Jahr 2010 zu verlängern.
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