Erstes Interview nach Rausschmiss: Klinsmanns Abrechnung mit dem FC Bayern
VON DENIS CANALP UND STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 01:37Düsseldorf (RPO). Jürgen Klinsmann sah nach Freizeit aus. Der gefeuerte Bayern-Trainer erschien extrem lässig gekleidet zu seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Scheidung vom Rekordmeister. Über der weitgeschnittenen, grauen Hose trug der 44-Jährige ein schwarzes Oberhemd, dazu braune Turnschuhe. Fehlte eigentlich nur noch, dass der frühere Wahl-Kalifornier mit einem Skateboard unter dem Arm RTL-Moderator Günther Jauch begrüßte.
Beim Hinsetzen änderte sich das Bild. Klinsmann wirkte neben Jauch wie ein kleiner Junge, wibbelte nervös mit den Füßen. Noch vor der ersten Frage faltete der Schwabe die Hände symbolisch zum Gebet, signalisierte seinem Gegenüber damit: "Bitte tu mir nichts!" - Jauch tat ihm den Gefallen, spielte ihm die Bälle gekonnt zu. Der frühere Mittelstürmer wurde zusehends souveräner. Der Medienprofi kam zum Vorschein, leierte sicher Altbekanntes herunter.
Doch dann nahm das Gespräch plötzlich Fahrt auf. Angesprochen auf seine Fehler, sprudelte es aus dem gelernten Bäcker nur so heraus. "Ich habe mich auf Kompromisse eingelassen, die ich als Bundestrainer nie zugelassen hätte!" Das saß. Und es ging weiter. Der Kader, der (fehlende) Torwart, die Stars, die Führungsetage, die Medien, Kritiker wie Udo Lattek und Günter Netzer: Klinsmann ließ bei seinem verbalen Rundumschlag niemanden aus.
Klinsmanns Abrechnung - die wichtigsten Zitate finden Sie hier.
Klinsmann verteidigte seine amerikanische Philosophie und wirkte dabei authentisch. Er ist von seinem Weg überzeugt und will dabei weiter "andere Wege gehen, Risiken eingehen". "Sonst kommt man irgendwann nicht weiter - dann ist Stillstand", erklärte Klinsmann.
Doch vorerst stehen die Räder beim rastlosen Globetrotter still, seine nähere Zukunft sieht er in Deutschland. "Es war ein großer Schritt, nach zehn Jahren USA wieder deutsche Wurzeln zu bekommen. Wir fühlen uns hier sehr wohl und der Prozess wird weitergehen. Doch irgendwann kommt eine neue Aufgabe", sagte Klinsmann und lächelte dabei, den Blick nach oben gerichtet. Wann und wo, das ließ er offen. Jetzt hat er noch Freizeit.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







