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Vor genau zehn Jahren: Trapattonis legendäre "Flasche-leer"-Wutrede

zuletzt aktualisiert: 10.03.2008 - 08:00

München (RPO). Es war ein bis heute unvergessener Moment: Als am 10. März 1998 die Tür zum Pressestüberl bei Rekordmeister Bayern München aufging, ahnte noch niemand, dass die berühmteste Ansprache der Bundesliga-Geschichte folgen sollte.

Mit sieben Zetteln bewaffnet betrat der damalige Trainer Giovanni Trapattoni zwei Tage nach einer 0:1-Niederlage des deutschen Rekordmeisters bei Schalke 04 den kleinen und überfüllten Raum an der Säbener Straße - und startete seine zur Legende gewordene "Flasche-leer"-Brandrede.

Eine Minute und 56 Sekunden dauerte der emotionale Ausbruch des italienischen "Maestro". Was blieb, waren Sprüche, die längst Geschichte sind. "Was erlauben Strunz", "schwach wie eine Flasche leer" oder "ich habe fertig" gehören bis heute, genau zehn Jahre danach, zum deutschen Allgemeingut.

"Egal, wo ich heute noch hinkomme: Ich werde immer auf diese Geschichte angesprochen. Heute muss ich selbst darüber schmunzeln", sagt "Jubilar" Trapattoni im Rückblick. Er sei einfach sauer auf die Mannschaft gewesen, "ich wollte mit dieser Rede wachrütteln" - was dem "Mister" eindrucksvoll gelungen ist.

Vor allem Thomas Strunz dürfte der Weckruf seines damaligen Trainers noch heute in den Ohren klingeln. "Strunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt. Was erlauben Strunz?", brüllte Trapattoni sichtlich erregt in die Mikrofone.

Er wollte aber keineswegs einen einzelnen Spieler an den Pranger stellen, auch nicht "diese Mehmet (Scholl, d.Red.) oder Basler", meint der Italiener heute: Er habe oft mit Strunz über diese Rede gesprochen, "wir müssen heute noch darüber lachen". Trotzdem wollte Strunz "diesen Schwachsinn" auf sid-Anfrage nicht kommentieren.

Gemischte Gefühle hatte damals Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick. "Was tun? Den Ausbruch des Vesuvs bremsen? Unmöglich! In diesem Moment musste man die Sache laufen lassen. Und ganz ehrlich: Ich wusste selbst auch nicht so genau, ob ich dieses Feuerwerk mit einem Lächeln oder ernst verfolgen sollte", erzählte Hörwick dem Bundesliga-Magazin.

Vor allem aber verhinderte Hörwick eine Fortsetzung der Rede. Denn nach "ich habe fertig" wollte Trapattoni auf dem Weg in die Kabine eigentlich noch einmal umdrehen: "Habe noch etwas vergessen", sagte er, doch Hörwick drängte den Italiener in sein Büro und konnte ihn schließlich mit der kleinen Notlüge besänftigen, dass keiner mehr im Presseraum sei - doch dort herrschte helle Aufregung.

Als Hörwick gleich danach Präsident Franz Beckenbauer sowie den Vorstand mit Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner, die nebenan getagt hatten, über die Wut-Rede des Trainers informierte, meinten die nur lapidar: "Du übertreibst." Doch Hörwick hatte keineswegs übertrieben. Am Abend jenes 10. März war der Ausbruch des Bayern-Trainers Aufmacher der diversen TV-Nachrichten-Sendungen - und heute ist die Wutrede von Trapattoni längst Legende und hat auf dem Video-Portal "YouTube" mehrere hunderttausend Klicks.

Quelle: sid

 
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