Jahreshauptversammlung beim Rekordmeister: Beckenbauer tritt wieder an: FCB vor vierter "Kaiserzeit"
zuletzt aktualisiert: 05.11.2003 - 13:18München (rpo). Die Bayern stehen vor der vierten "Kaiserzeit": Bei der Jahreshauptversammlung in der kommenden Woche steht Franz Beckenbauer als Präsident des größten deutschen Sportvereins wieder zur Wahl. Doch Beckenbauer hat den Bayern sein Ja-Wort erst nach längerem Zögern gegeben.
Er hat kaum noch Zeit für den Posten. Und doch wird er mit der bis 2006 dauernden vierten Amtszeit einer der "dienstältesten" Präsidenten in der Bayern-Geschichte.
"Er ist der vielleicht beste Präsident, den der FC Bayern jemals hatte", hat Karl-Heinz Rummenigge einmal über den Erfolgsmenschen gesagt, für den mittlerweile der Posten als Chef des Organisationskomitees (OK) der Weltmeisterschaft 2006 die wichtigste Aufgabe geworden ist. Beckenbauer hatte seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur für weitere drei Jahre begründet, wie er es früher bei Job-Offerten schon manchmal getan hatte: "Ich habe mich überreden lassen. Alle haben mich gebeten, ich soll weiter machen."
Am Freitag kommender Woche darf er bei der Jahreshauptversammlung - nach den überwältigenden Mehrheiten bei den letzten Wahlen zu schließen - wohl wieder riesige Zustimmung der Mitglieder erwarten. Nur Wilhelm Neudecker (1962-1979), einst Präsident zu Zeiten des Bayern-Spielers Beckenbauer, war länger im Amt als der Mann, der in seiner Karriere alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt.
Beckenbauer macht keinen Hehl aus seinem Zeitproblem beim Spagat zwischen seinen vielen Aufgaben. Die vierte Amtszeit als Clubpräsident kollidiert mit der WM und der heißen Phase der Vorbereitung darauf. Seit der Umstrukturierung des FC Bayern hat er sich aus dem Tagesgeschäft beim Rekordmeister praktisch zurückgezogen. Als Vereinspräsident ist er aber zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG und kontrolliert so unter anderem die Vorstände Rummenigge und Uli Hoeneß.
Nicht immer war die Außendarstellung des prominenten Münchner Führungstrios so harmonisch. Vor einem Jahr war es auch wegen der zum Teil mit dem Verein konkurrierenden Verpflichtungen Beckenbauers zu Verstimmungen gekommen, ehe man sich zum klärenden Gespräch traf und den "totalen Schulterschluss" (Rummenigge) verkündete.
Öffentlichkeitswirksame Integrationsfigur
Obwohl nun Rummenigge und Hoeneß die Geschicke leiten und die Zeit Aufsehen erregender Reden des "Kaisers" bei Champions-League-Auswärtsspielen vorbei ist, bleibt Beckenbauer eine öffentlichkeitswirksame Integrationsfigur. Vorstandschef Rummenigge nannte ihn "wahrscheinlich den wichtigsten Mann, der jemals in diesem Club war".
Gerade widmete die ARD der "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" in der Reihe "Legenden" eine Sendung. Der Mann, der 1974 als Spieler und 1990 als Teamchef Weltmeister wurde, ist ausgebuchter und engagierter denn je. Ständig auf Reisen als OK-Chef, als Medienmann im Einsatz für ZDF, Premiere und Bild sowie als Werbe-Partner großer Unternehmen. Beckenbauer hat einen neuen Lebensabschnitt begonnen, wurde gerade zum fünften Mal Vater. Aber Zeit für einen Rückzug ins Private ist noch nicht. Die WM im eigenen Land zu haben, sei "unbezahlbar", so Beckenbauer in der ARD. Für diese Aufgabe müsse vieles hintan stehen. Aber danach, so hoffe er, "bin ich befreit von allen Fesseln und kann tun, was ich gerne tue".
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