Bundesliga: BVB setzt auf Lehrer Klopp
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.01.2009 - 07:21Dortmund/Düsseldorf (RP). Bundesligist Dortmund vertraut auf die pädagogischen Fähigkeiten seines Trainers. Klopp soll nun auch den als schwierig geltenden Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng zurück in die Erfolgsspur führen.
Zu den grauen Mäusen hat er sich noch nie gerechnet. Schon als junger Profi bei Hertha BSC Berlin liebte Kevin-Prince Boateng (21) den auffälligen Auftritt. Großflächige Tätowierungen am gut trainierten und gern zur Schau gestellten Körper unterstrichen ebenso das Selbstbewusstsein wie Berliner Ghetto-Sprache, funkelnde Ohrringe, ein ausgeprägter Sinn für bockigen Widerspruch und ein wenig ausgeprägter Sinn für dienstliche Hierarchien.
Das scheint sich geändert zu haben. Denn Boateng hat nach dem Wechsel zu Tottenham Hotspur vor eineinhalb Jahren gelernt, die kleineren Brötchen zu backen. "Ich habe viel nachgedacht und bin selbstkritischer als vorher", sagte er im Herbst. Und nun ist er nur noch glücklich darüber, dass ihm bei Borussia Dortmund eine Chance zum Neustart gegeben wird. "Ich trage alle Emotionen in mir, die mit Glück zu tun haben", erklärte der Mittelfeldspieler bei der Ankunft im Trainingslager in Marbella.
Beim Hang zum blumigen Sprachbild will er es allerdings nicht belassen. Die harte Lehrzeit bei Tottenham, das den 7,9-Millionen-Euro-Zukauf nach gerade mal 13 Premier-League-Einsätzen in die Reserve verbannte, lässt die großen Ziele nicht verblassen. "Wir wollen Europa angreifen. Nach oben ist für uns alles offen", sagte Boateng der "Welt".
Kesse Töne, die bei seinem neuen Arbeitgeber allerdings niemanden nachhaltig erschrecken. Der Klub setzt auf die pädagogischen Fähigkeiten von Trainer Jürgen Klopp (41). Manager Michael Zorc sagt ihm nach: "Er ist ein Trainer, der mit Typen umgehen kann, die nicht so einfach sind."
Derartige Talente hat Klopp vor allem in Mainz bei seiner ersten Station als Hüter einer Herde von Profifußballern unter Beweis gestellt. Er ist gleichzeitig Kumpel der Spieler und ihr Lehrer, er kann öffentlich Streicheleinheiten verteilen und Strafreden halten. Er kann den Berufs-Jugendlichen geben, Tänzchen am Spielfeldrand aufführen und als TV-Bundestrainer dozieren – sein Wort kommt an bei den Fußballern. Sie schätzen an ihm, dass er die Größe besitzt, eigene Fehler einzuräumen.
Und er selbst scheint gerade an den schwierigen Fällen ein großes Interesse zu haben. Da kann er sich und der Welt beweisen, dass die Bezeichnung Fußball-Lehrer alles andere als ein leeres Wort sein muss. Vorbildliche Konflikt-Bewältigung und ein klarer Blick für die Wirklichkeit gehören dabei durchaus zum Lehrstoff.
"In der Hitliste von Profis ist man als Trainer mal oben und mal unten", sagte er über sein Verhältnis zu Alexander Frei, als er den Kapitän der Schweizer Nationalelf (vorübergehend) zur Teilzeitkraft gemacht hatte. Der Stürmer registrierte seine Degradierung mit weit sichtbarem Groll. Klopp nahm's nicht weiter krumm.
Aber er überschätzt auch die Gunstbeweise nicht, die ihm sein Lieblingsschüler Mohamed Zidan nach den in Dortmund bislang spärlichen Erfolgserlebnissen erteilt. Wenn Zidan trifft, dann jagt er mit großer Zuverlässigkeit in die Arme seines väterlichen Förderers.
Ihm verdankt er die Rückkehr in bundesligataugliche Form während der gemeinsamen Arbeit in Mainz. Und auf ihn baut er seine Hoffnung, in Dortmund an beste Zeiten anzuschließen. Seit Boateng beim BVB angeheuert wurde, sind das nun schon zwei Spieler, die auf die Karte Klopp setzen. Und umgekehrt – natürlich.
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