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Quo vadis Borussia Dortmund?: Der BVB am Scheideweg

VON CHRISTIAN HELLMANN - zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 11:38

Düsseldorf (RPO). Für gewöhnlich kennt man den Trainer Jürgen Klopp nur so: Nickelbrille, Drei-Tage-Bart und wahlweise dazu ein breites Lächeln samt geballter Faust oder diese kombiniert mit einer wutverzerrten Grimasse. In jedem Fall war stets eine ordentliche Ladung Emotionen im Programm, wenn der ehemalige Mainzer und jetzige Dortmunder Trainer an der Seitenlinie das Spiel seiner Mannschaft begleitete.

Sebastian Kehl und Nelson Valdez schieben Frust. Foto: ddp, ddp

Am gestrigen Sonntag beim Spiel Hoffenheim gegen Dortmund bot sich dem geneigten Betrachter dagegen ein erschreckendes Bild. Während es auf dem Spielfeld dank der furios aufspielenden Hoffenheimern recht munter zu ging, saß Klopp regungslos und mit versteinerter Miene auf der Bank. Es stand 4:1 für den Gastgeber. Die Nickelbrille und der Drei-Tage-Bart waren geblieben - alle Regungen aus dem Gesicht des BVB-Coaches verschwunden.

Gedankenverloren saß er da - der Spielverlauf gab ihm sichtlich zu denken. Doch nicht nur dem Trainer Jürgen Klopp werden sich in Mannheim zwangsläufig einige Fragen aufgedrängt haben. Jeder Beobachter fragt sich nun nach nach der 0:2-Heimniederlage im Uefa-Pokal und der gestrigen Klatsche in Hoffenheim, wo der Weg des BVB in dieser Spielzeit nach vielversprechendem Saisonauftakt wohl hinführen könnte.

Umstellungen auf sechs Positionen

Kann man das Zwischentief irgendwie überwinden und an die guten Leistungen zu Saisonbeginn anknüpfen? Oder steht jetzt vielleicht sogar eine ähnliche Krisensaison wie im vergangenen Jahr ins Haus? Alles scheint möglich für den BVB in dieser Saison.

Nicht wenigen Mannschaften hat ein frühes Aus im Uefa-Cup schon einen herben Knacks für den weiteren Saisonverlauf gegeben. Man erinnere sich nur an den Reviernachbarn aus Bochum gegen Standard Lüttich. Ähnliches könnte nun auch den Dortmundern drohen. Schon nach fünf Spieltagen steht die Borussia am Scheideweg.

Dabei hatte Klopp nicht gerade tatenlos auf die Europa-Pokal-Niederlage seiner Mannschaft reagiert. Immerhin stellte er seine Mannschaft auf nicht weniger als sechs Positionen um. Sogar sein Kapitän Sebastian Kehl musste nach einer wahren Fehlpass-Orgie gegen die Italiener zu Spielbeginn auf der Bank Platz nehmen.

Doch die Radikal-Rochade hatten keinerlei positiven Effekt. Spieler wie Nuri Sahin, Giovanni Federico oder Diego Klimowicz konnten die Chance, die sich ihnen bot, in keinster Weise nutzen. Die Abwehr - mit Schmelzer und Santana für Lee und den verletzten Hummels - bot Hoffenheim immer wieder Räume, die diese geschickt nutzen konnten. Eine schwache Dortmunder Zweikampfführung, die häufig in unnötigen Fouls mündete, bot den Gastgebern zudem immer wieder exzellente Freistoßmöglichkeiten.

Kommt Timo Hildbrand im Winter?

Eine dieser Standardsituationen nutzte der Spezialist Sejad Salihovic zum 2:0 für die Hoffenheimer - eine Situation, in der Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller nicht den besten Eindruck machte. Zwar hatte der Bosnier den Ball unglaublich scharf über die Mauer getreten, jedoch schlug er auch recht mittig im Dortmunder Gehäuse ein und war demnach an guten Tagen durchaus haltbar für einen Torhüter.

Schon gibt es Gerüchte um eine mögliche Verpflichtung des momentan sowohl bei Valencia als auch in der Nationalmannschaft ausgebooteten Timo Hildebrand für den zuletzt häufiger unsicher wirkenden Weidenfeller. Dieser rettete Dortmund jedoch auch immerhin mit sehenswerten Paraden gegen Demba Ba am Sonntag vor einem Debakel.

Viel Anlass zur Sorge dürfte Klopp auch die Harmlosigkeit seines Angriffs geboten haben. Nelson Valdez war wie so häufig glücklos und ineffizient, rackerte aber zumindest wie gewohnt bis zum Umfallen, was er seinem Sturmpartner Diego Klimowicz voraus hatte. Dieser bekam zwar kaum mal einen verwertbaren Ball, bemühte sich jedoch auch auffallend wenig - ein Totalausfall.

Petric-Deal könnte sich rächen

Es bleibt wohl die Erkenntnis, dass Dortmunds Spitzen bei Abstinenz des besten Stürmers Alexander Frei leider äußerst Stumpf bleiben. Mladen Petric, im letzten Jahr noch mit 13 Treffern für den BVB, wurde an den Hamburger SV im Tausch mit Mohamed Zidan abgegeben - ein Tausch, der sich im Nachhinein noch bitter rächen könnte.

Der Ägypter Zidan, der momentan auch zu allem Überfluss auch noch verletzt ausfällt, konnte bislang nicht überzeugen. Man hofft weiter auf die pädagogischen Qualitäten von Jürgen Klopp und dass Zidan unter seinem "Ziehvater" noch so aufblühen möge, wie er es unter seiner Leitung in Mainz getan hatte - ein banges Hoffen und Warten mit äußerst ungewissem Ausgang. Zu wankelmütig präsentierte sich Zidan meistens in der Bundesliga.

"Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht wissen, wie es für uns weitergeht. Nun ist Geduld gefragt, aber Geduld gepaart mit Ergebnissen", erklärte Klopp, der von seinen Schützlingen im Pokalspiel gegen den Ligarivalen Hertha BSC Berlin am Mittwoch eine Reaktion verlangt: "Wir werden uns in diesem Spiel über Zweikämpfe definieren. Wir müssen uns einfach wieder in eine gute Verfassung zurückbeißen."

Hertha Spiel entscheidend für Moral

Das anstehende Pokal-Spiel ist für den BVB ein klarer Richtungsweiser. Geht es verloren, steht der absoluten Talfahrt wenig im Weg. Der nächste Gegner in der Liga ist der aktuelle Tabellendritte VfB Stuttgart, dann geht es wieder gegen Udinese Calcio. Gelingt es jedoch den Abwärtstrend jetzt zu stoppen und die stark angeknackste Moral wieder aufzubauen, kann man genauso gut wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und das Zwischentief vergessen machen.

"Es gibt schwarze Tage", erklärte der Dortmunder Trainer nach dem Hoffenheim-Spiel und fügte hinzu: "Das war eine schwarze Woche." Nun hoffen die Dortmunder Fans und Verantwortlichen, dass sich die Situation nicht zu mehreren "schwarzen Wochen" verdüstert. Gegen Hertha BSC am Mittwoch könnten die Dortmunder Spieler wieder einmal für etwas Farbe sorgen. Vielleicht sehen sie ihren Coach dann wieder mit geballter Faust - und einem Lachen.


 
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