Krise beim BVB: Dolls Durchhalteparolen
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 26.11.2007 - 15:37Nürnberg (RPO). Borussia Dortmund steht nach der Pleite in Nürnberg am Abgrund. Nur drei Punkte sind es noch bis zu den Abstiegsplätzen und Besserung ist nicht in Sicht. Für Trainer Thomas Doll ist das ein Déjà-vu-Erlebnis.
Mit hängenden Köpfen schlichen die Dortmunder Kicker gestern Abend in die Katakomben des Nürnberger Stadions, wortlos verschwanden sie im Mannschaftsbus. Fast konnten sie einem schon leid tun, so niedergeschlagen sahen sie aus.
Aber die 0:2-Schlappe des BVB beim "Club" (Tore durch Galasek und Charisteas) hatte kein Mitleid verdient. Eine leidenschaftslose Vorstellung hatte die Elf von Thomas Doll gezeigt, zwei herausgearbeitete Torchanchen standen nach 90 Minuten zu Buche - und das gegen eine Mannschaft, die von ihrem Leistungszenit mindestens genau so weit entfernt ist wie der FC Bayern von der zweiten Liga.
"Der letzte Biss und der unbedingte Wille haben gefehlt", konstatierte Trainer Doll, der sich nach fünf sieglosen Spielen in Serie mit nur noch drei Punkten Vorsprung auf Rang 16 im Abstiegskampf wiederfindet. Und da lassen sich Parallelen zu Dolls Amtszeit beim Hamburger SV ziehen, die die BVB-Anhänger in eine schwierige Zukunft blicken lassen.
Rückblick: Nach zwei Jahren als Amateur-Trainer hatte Doll im Oktober 2004 Klaus Toppmöller als Chefcoach der Profis abgelöst, im ersten Jahr führte er die Hanseaten zum souveränen Klassenerhalt, im Jahr darauf gelang gar der Sprung auf den dritten Tabellenplatz. Champions-League-Teilnahme, Millionen-Einnahmen, Euphorie - und dann der tiefe Sturz.
Der HSV krebste vom Saisonbeginn an im Tabellenkeller herum, verkaufte Leistungsträger wie Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten wurden schmerzlich vermisst. Wochenlang verschloss Doll die Augen vor der Realität, sagte, seine Mannschaft sei doch eigentlich zu gut für den Abstiegskampf. Der Publikumsliebling fasste seine Schützlinge mit Samthandschuhen an, als eine harte Gangart gefragt war; die Entlassung war nach 15 Punkten aus 19 Spielen schließlich unumgänglich.
Jetzt steht Doll in Dortmund vor einer vergleichbaren Situation. Als er im März diesen Jahren für den erfolglosen Jürgen Röber einsprang, ging es mit den Borussen aufwärts. Zumindest bis zum Saisonende. Dann wurden ausgediente Kicker wie Robert Kovac und Diego Klimowicz verpflichtet, das Prinzip mit der Förderung von jungen Talenten wie David Odonkor scheint aufgegeben zu sein.
Und so steht der BVB - wie vor nicht einmal einem Jahr der HSV - am Abgrund. Richtig erkannt haben das die Spieler offenbar noch nicht. "Sicherlich nicht unangebracht" sei es, von einer "Krise" zu sprechen, sagte der nach monatelanger Verletzungspause wiedergenesehne Sebastian Kehl und fügte hinzu: "Auch diese Tage werden vorübergehen." Wie, dafür hat auch er kein Rezept parat, aber der Verein sei doch "gut aufgestellt".
Bei soviel Naivität werden auch die Fans unruhig. "Die Stimmung ist sehr angespannt", sagte Olaf Suplicky, der Vorsitzende der im Verein angesiedelten Anhängerschaft, der "Welt". Den Frust können sich die Fans heute Abend von der Seele reden, dann findet die Jahreshauptversammlung des BVB statt.
Trainer Doll will sich hier genauso zurückhalten wie morgen Abend bei der Hauptversammlung der Aktionäre, die ob des am Freitag erreichten Kurs-Rekordtiefstandes (1,57 Euro) alles andere als gut gelaunt sind. "Wenn ich mich öffentlich nicht zurücknehmen würde, könnte es sein, dass ich eine Rede ähnlich wie die von Uli Hoeneß auf der Hauptversammlung des FC Bayern halten", sagte Doll, und beinahe hört sich das an wie eine Drohung.
Bis zum Spiel beim VfB Stuttgart am Samstag will er endlich wieder ein Erfolgspaket schnüren, "wir müssen uns ganz anders präsentieren." Seine Konsequenzen aus dem blamablen Auftritt in Nürnberg: "Wir werden knallhart analysieren." Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
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