Neue Karriere: Ex-BVB-Star Reinhardt wird Lehrer
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008 - 10:49Düsseldorf (RP). Anfangs wurde Knut Reinhardt (40) noch belächelt. Dass sich ein Champions-League-Sieger und Deutscher Fußballmeister plötzlich darum bemüht, Kindern das ABC und das kleine Einmaleins zu vermitteln, mochten die meisten seiner Bekannten und früheren Kollegen nicht nachvollziehen.
„Du tickst doch nicht richtig“, wurde ihm mehrfach verdeutlicht, als der ehemalige Nationalspieler vor sechs Jahren seine Karriere beendete und an der Universität Dortmund auf Lehramt studierte.
„Ich wollte das aber durchziehen und bin bis heute mit dieser Entscheidung glücklich“, sagt Reinhardt. Das kann der frühere Profi, der mit Borussia Dortmund die größten Titel holte und zuvor mit Bayer Leverkusen den Uefa-Cup gewann, auch sein.
Denn Anfang Dezember hat er sein Examen als Grundschullehrer mit den Schwerpunkten Mathematik, Englisch und Sport bestanden und wird am 1.Februar 2009 ganz offiziell in den Schuldienst starten. Während die meisten prominenten Profis nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn Trainer, Manager oder Fanbeauftragte werden, hat sich Reinhardt nach einer Knieverletzung und sieben Operationen für einen völlig anderen Weg entschieden.
„Wenn man berücksichtigt, welche Ansprüche und Qualitäten der Lehrerberuf hat, fühle ich mich mit dem bestandenen Examen so, als hätte ich die Champions League und alle anderen Titel noch mal gewonnen“, sagt Reinhardt.
Wirklich hart ging es im Sport zur Sache. „Alles, wo der Ball ins Spiel kam, war unproblematisch. Aber ich musste auch Prüfungen im Judo, Inlineskating und Schwimmen absolvieren und sogar das Tanzen lernen“, erzählt Reinhardt, der früher in 297 Bundesligaspielen eher als robuster Abwehrrecke aufgefallen war.
Um seine Scheine zu machen, schwamm er morgens um 6 Uhr im Dortmunder Nordbad mit Rentnergruppen um die Wette. „Zudem bist du abhängig von Fachleitern, der Stress war für mich eine absolut grenzwertige Belastung“, erläutert Reinhardt, auf den daheim täglich die Familie mit vier Kindern wartetet.
Mit dem Umstand, plötzlich nicht mehr auf der Fußballbühne von 80000 Fans gefeiert zu werden, habe er keine Probleme gehabt. „Es ist doch schöner, mal mit Kommilitonen auf dem Campus eine Dose Bier zu trinken, als ständig in der Cocktailbar zu sitzen.“
Durch seine Auftritte in der BVB-Traditionself habe er Kontakte zu einigen Ex-Profis. „Manche sind echte Sozialfälle geworden.“ Obwohl er wesentlich älter als seine Mitkommilitonen war, wurde er an der Uni ebenso gut aufgenommen wie zuletzt an der Grundschule „Kleine Kielstraße“, an der er das Referendariat absolvierte.
„Eine Brennpunktschule im Dortmunder Norden mit 83 Prozent Ausländerquote“, erzählt er. Es sei schön, seinen Anteil daran zu haben, dass die Kinder lesen und schreiben lernen und „dann nicht mehr auf der Straße veräppelt werden“. Seine eigenen vier schulpflichtigen Sprösslinge haben ihm geholfen, sich auf die Sprache der Kinder einzustellen. Zudem bediente sich Reinhardt aus dem Fundus seiner Profizeit.
Keiner seiner Schüler hat ihn im Stadion spielen sehen, wenn er sich aber im Sportunterricht das einst getauschte Trikot von Galatasaray Istanbul mit dem Champions-League-Sticker überstreift, schauen alle ehrfurchtsvoll. „Die türkischen Kinder sind dann Feuer und Flamme“, sagt er schmunzelnd.
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