Neuanfang bei Borussia Dortmund: Letzte Chance für Supertalent Boateng
zuletzt aktualisiert: 28.01.2009 - 11:58Dortmund (RPO). Es geht wohl um seine letzte Chance, seine Karriere und den Beweis seines großen Talents: Kevin-Prince Boateng steht bei Borussia Dortmund am sportlichen Scheideweg. Für sechs Monate haben die Westfalen den 21-Jährigen zur Bewährung von Tottenham Hotspur ausgeliehen, um am Saisonende mittels einer Kaufoption über seine Zukunft in Dortmund und eventuell sogar im Profi-Fußball zu entscheiden.
Am Mittwoch im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Werder Bremen soll der gebürtige Berliner sein Pflichtspiel-Debüt beim BVB bestreiten. Wir berichten ab 19 Uhr im Live-Ticker.
Noch immer haftet Boateng das Etikett eines Enfant terrible an. Bei Hertha BSC Berlin und auch in London, wo er in der Premier League nur einmal für 15 Minuten zum Einsatz kam (30. November beim 0:1 gegen FC Everton), scheiterte er weniger an seiner von BVB-Trainer Jürgen Klopp gelobten fußballerischen Fährigkeiten, sondern mehr an seiner Einstellung zum Beruf.
"Ich denke, dass Dortmund meine letzte Chance ist", sagt Boateng, der sich ohne Probleme in den Borussen-Kader einfügte und sich mit guten Vorstellungen in der Vorbereitung empfahl.
Klopp, dem der Ruf des "Streetworkers" vorauseilt, der auch schwierige Charaktere zu bändigen versteht, hat offenbar bei Boateng auf Anhieb den richtigen Ton getroffen. "Er ist ein Superjunge, der weiß, dass er Fehler gemacht hat", erklärt der Dortmunder Coach. Man müsse berücksichtigen, dass solche Jungs aus Gegenden kommen, "in denen wir nicht groß geworden sind". Und dass sie sich auch im Umgang mit Menschen anders geben, sei auch normal.
"Wenn du mit 15 oder 16 Jahren andauernd gesagt bekommst, dass du eines der größten, wenn nicht das größte Talent im deutschen Fußball bist, ist es nicht leicht, damit umzugehen. Doch jetzt kann er es einordnen", ergänzt Klopp.
U21-Nationalspieler Boateng kommt gereift von der Insel. "Es kam dort eine Phase, in der ich viel nachgedacht und mit meinem Berater gesprochen habe. Ich habe mich letztendlich gefragt: Wo willst du hin, was ist dein Ziel? Dortmund ist jetzt eine Superchance für mich", verriet Boateng in einem Interview im kicker.
Seine riesigen Tattoos auf seinen muskulösen Armen dokumentieren seine Vergangenheit. "Jedes Tattoo erzählt eine Geschichte", erklärte einst Boateng bei seiner Vorstellung bei Tottenham. "Das hier ist Afrika, da stamme ich her, und das ist Berlin, meine Heimatstadt."
In der Hauptstadt spielte er ab seinem siebten Lebensjahr - abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei den Reinickendorfer Füchsen - bei Hertha BSC und dort ab Juli 2004 im Regionalligateam, bevor er schließlich zur Saison 2005/2006 in den Profikader aufrückte. Boateng wurde mehrmals in die deutsche U16- und U19-Auswahl berufen. Sein Tor, das er am 20. Juli 2005 beim Spiel der deutschen U19-Auswahl gegen Griechenland zum 3:0 erzielte, wurde sogar zum Tor des Monats gewählt.
Dortmund hofft, mit Boateng ebenfalls einen Volltreffer gelandet zu haben. Klopp stellt klar: "Kevin kann uns helfen, dass wir eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen. Wenn sich ein Spieler an die Regeln hält, ist es mir grundsätzlich egal, woher und aus welchem Hause er kommt. Wenn er das nicht tut, bekommt er ein Riesenproblem mit mir." Boateng hat's offensichtlich verstanden.
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