Fußball-Friedhof in Dortmund geplant: Letzte Ruhe nach dem Abpfiff
zuletzt aktualisiert: 24.12.2008 - 11:07Dortmund (RPO). Für Fußball-Fans, die auch nach ihrem Ableben ihrem Sport verbunden bleiben möchten, könnten sich demnächst ganz neue Möglichkeiten ergeben. In Dortmund ist ein Friedhof für Fußball-Verrückte in Planung. Das ehrgeizige Projekt soll schon bald Realität werden.
Das Spielfeld ist die Beisetzungsfläche, der Mittelkreis für Urnen reserviert. Umrandet wird das Ganze von vier "Flutlicht-Bäumen", einer Tribüne mit Banden und zu guter Letzt einer "Anzeigewand" mit den Gedenktafeln der Toten. Das Modell sieht aus wie ein Fußball-Stadion, doch es ist ein Friedhof. Nur eben einer für Fußball-Fans.
Entstehen soll er 2009 in Dortmund, auf einer brach liegenden Friedhofswiese im Waldgebiet. Vor 60 oder 70 Jahren wurde dort zuletzt jemand beerdigt, wenige Meter weiter wurde der langjährige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Willi Daume, beigesetzt.
Einen Fan-Friedhof gibt es zwar schon in Hamburg, doch dieser soll ein ganz besonderer werden. Ein "fußball-ökumenischer" Friedhof nämlich. Er soll nicht nur für Fans von Borussia Dortmund als letzte Ruhestätte dienen. "Bei uns ist jeder gern gesehen", erklärt Ulrich Heynen, Geschäftsleiter Technik der Dortmunder Friedhöfe.
Dass Fans des Erzrivalen Schalke 04 sich hier beerdigen lassen, ist für Heynen freilich "nur schwer vorstellbar. Und wahrscheinlich nur dann, wenn ihre Kollegen es nicht mitkriegen." Denn die Fans der beiden benachbarten Revierklubs sind in inniger Ablehnung verbunden. Den Namen der Stadt des Rivalen sprechen sie niemals aus und als größte Angst gilt es an den Theken der Fan-Kneipen "dort tot über dem Zaun zu hängen".
Schalke-Fans zahlen keinen Aufschlag
"Nach dem Abpfiff", so der Titel des Friedhof-Projekts und der Wunsch der Betreiber, sind aber alle gleich. Und wenn sich schon keine Schalker hier beerdigen lassen, dann vielleicht wenigstens Anhänger des VfL Bochum oder von Rot-Weiß Essen. Im Pott gibt es "ja nicht nur Dortmund und Schalke. Einen Aufschlag zahlt hier jedenfalls keiner", meint Heynen schmunzelnd: "Für alle gelten dieselben Preise."
Und die sollen nicht höher sein als auf anderen Friedhöfen. "Wir gehören zu 100 Prozent der Stadt Dortmund und sind eine gebührenrechnende Einrichtung", sagt Heynen: "Wir wollen versuchen, die Gräber nicht zu teuer zu machen. Wer sein Leben lang teure Dauerkarten kauft, hat vielleicht nicht noch genug Geld für hochpreisige Grabstätten."
Ob das bei der WM 2006 angedachte Projekt realisiert wird, entscheidet sich bis Ende Januar. Dass es überhaupt kurz vor der Umsetzung steht, ist einem Gärtner der Friedhöfe geschuldet.
"Wir hatten die Idee schon lange in der Tasche, hätten uns aber wohl nicht herangetraut, weil es ein sensibeles Thema ist", sagt Heynen. Zwei Jahre lang hing der Plan wenig beachtet im Besprechungsraum. Bis der Gärtner ihn vor vier Wochen entdeckte und einem befreundeten Journalisten davon erzählte.
"Diesen Anstoß", so Heynen, "haben wir dankend angenommen und sind von nun an sehr offensiv mit der Thematik umgegangen". Dass die Resonanz derart positiv war, hat ihn aber überrascht.
Nach einer TED-Umfrage in den Ruhr Nachrichten und weiteren Medienberichten ist der Trend ausgesprochen positiv. "Wir haben noch keine einzige negative Äußerung gehört", sagt Heynen. Eine gezielte Befragung der Bevölkerung soll letzte Zweifel zerstreuen, "denn schließlich wollen wir niemanden vor den Kopf stoßen".
200 Erdbeisetzungen und 80 Urnen sollen auf dem Fan-Friedhof möglich sein, "eine Felderweiterung", so Heynen, "ist aber jederzeit machbar". Denn vielleicht schließt auf dem Sterbebett ja doch noch so mancher eingefleischte Fan aus "Herne West" - so heißt unter BVB-Fans die "verbotene Stadt Gelsenkirchen" - seinen Frieden mit "Lüdenscheid Nord". Nach dem Abpfiff sind schließlich alle gleich.
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