BVB-Stürmer im Aufwärtstrend: Valdez schaut wieder nach oben
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008 - 08:28Düsseldorf (RP). Es klang wie eine freundliche Drohung an alle notorischen Zweifler. „Ihr werdet euch noch wundern“, sagte Jürgen Klopp, „Nelson Valdez ist nicht der, der immer nur rennt und das Tor nicht trifft.“ Dafür erntete Borussia Dortmunds neuer Trainer mitleidiges Lächeln.
Zu sehr hatte sich nämlich genau dieser Eindruck bei den Fans des Klubs verfestigt. Der Dauerläufer aus Paraguay, so lautete ihr Urteil, tritt in der falschen Sportart an. Doch er scheint seine Kritiker im dritten Jahr beim BVB zu widerlegen.
Die Vorbereitung verlief viel versprechend, in den beiden ersten Pflichtspielen, beim Pokal in Essen und zum Meisterschafts-Auftakt in Leverkusen, traf der Stürmer tatsächlich ins Tor. Ein Ausrufezeichen, nachdem er in 54 zurückliegenden Bundesliga-Spielen für Dortmund gerade mal mickrige vier Trefferchen zustande gebracht hatte.
Und Anlass für eine selbstbewusste Feststellung. „Das wird mein Jahr“, erklärte Valdez. Das wiederum wäre für Klopp ein Grund für breites Lächeln. Vielleicht darf er es schon heute Nachmittag wieder aufsetzen. Denn sein Team hat die Gelegenheit, vor 80000 Zuschauern in Deutschlands größter Fußball-Arena den FC Bayern München mal wieder zu ärgern.
Nelson Valdez
Geboren 28. November 1983 in Caaguazú (Paraguay)
Voller Name Nelson Antonio Haedo Valdez
Vereine Atletico Tembetary, Werder Bremen, Borussia Dortmund
Länderspiele 24 (7 Tore) für Paraguay
Größte Erfolge Deutscher Meister mit Werder Bremen 2004, DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen 2004, WM-Teilnehmer mit
Paraguay 2006 in Deutschland (ohne Torerfolg)
Bei einem zum Telekom-Supercup hochgefahrenen Testspiel vor einem Monat ist das gelungen. Mit 2:1 bezwang der BVB den Meister, der allerdings durch den Trainingsrückstand seiner Nationalspieler in matter Verfassung auf den Rasen gehumpelt war. Damals spielten andere als Valdez die Hauptrollen.
Tamas Hajnal zum Beispiel, der feingliedrige Regisseur des Dortmunder Angriffswesens. Er bewies, dass er zu einer großen Verstärkung werden kann, gab dem Spiel Struktur und erzielte ein herrliches Freistoßtor.
Oder der von Mainz zum BVB gewechselte Innenverteidiger Neven Subotic (19), der mit verblüffender Selbstverständlichkeit die Weltstars im Münchner Angriff zur weitgehenden Wirkungslosigkeit verurteilte.
"Ich weiß, was der Junge kann"
Für Klopp kam das nicht überraschend. „Ich weiß, was der Junge kann“, sagte sein Entdecker, „ich bring doch keinen Blinden mit.“ Den Verteidiger hat er in Mainz gefördert. Und Klopp will auch in Dortmund unterstreichen, dass er junge Spieler weiter entwickeln und schwierigen Charakteren wieder auf die erfolgreiche gerade Bahn verhelfen kann.
Dieser Ruf geht ihm voraus. Im Fall Valdez scheint er ihn bereits zu bestätigen. Klopps Strategie: Lob statt Zeigefinger. So sagte er über Valdez nach ein paar Tagen gemeinsamer Übungen: „Er hat eine unglaubliche Einstellung und einen irren Willen. Wie er sich reinhaut, das ist schon imponierend.“
Das Ergebnis: Valdez haut sich noch mehr rein und wird vermutlich für den Trainer widerspruchslos vom Trainingsgelände bis in die Innenstadt rennen, wenn der das für notwendig erachten sollte. Mit diesem pädagogischen Geschick baute Klopp zu Mainzer Zeiten den sensiblen ägyptischen Stürmer Mohamed Zidan zu einer Spitzenkraft auf.
Unvergessen, wie die beiden sich nach einem Treffer des Ägypters innig in den Armen lagen und wie sich Zidan mit Tränen in den Augen dafür bedankte, nach fetten Patzern nicht ausgetauscht worden zu sein. Der Nordafrikaner spielte in Mainz so stark, dass er nicht mehr zu halten war.
In Hamburg aber geriet er von der Rolle. Ihm fehlte die Nestwärme, die Klopp zu geben vermag. Und er zögerte nicht, als Dortmund ein Tauschgeschäft anbot. Mladen Petric zog zum HSV, Zidan kam zum BVB. Dafür gab’s noch mal fünf Millionen Euro obendrauf.
Und gute Hoffnungen dazu. „Klopp wird den Wechsel nicht bereuen“, erklärte Zidan, „bei ihm habe ich Lust, Fußball zu spielen.“ Der Trainer glaubt, „Zidan wird uns ein Riesenpotenzial eröffnen“. Ausgerechnet gegen die Bayern darf er es andeuten. „Ein Kindheitstraum“, versicherte der Stürmer. Das gehört sich so.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







