Tod beim Pokalspiel: Wie kann so etwas passieren?
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009 - 07:15Dortmund/Düsseldorf (RP). Eine Handvoll Teelichter steht vor dem Aufgang zu Block 13 im Dortmunder Fußball-Stadion. Dort, wo es hinauf geht zur mit 24.454 Plätzen größten Stehplatztribüne Europas. In Gedenken an den 21-jährigen Fan aus Olfen im Münsterland, der vor dem Pokalspiel zwischen dem BVB und Werder Bremen dort in den Tod gestürzt war, brennen die Kerzen.
Polizeiangaben zufolge war er über ein Geländer geklettert und rund sieben Meter in die Tiefe auf Betonboden gestürzt. Der Unfall hatte nichts mit der steilen Neigung der Südtribüne zu tun. Bei der Dortmunder Polizei hieß es, dass der junge Mann stark angetrunken war.
"Die gesamte BVB-Familie betrauert den Tod des langjährigen Fans und fühlt mit der Familie und den Freunden des Toten", schrieb der Verein. Die BVB-Elf trägt morgen im Spiel gegen Leverkusen einen Trauerflor.
Wie gelangt ein alkoholisierter Fan in die Arena? Die Stadionordnung berechtigt das Ordnungspersonal, "Personen, die aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum ein Sicherheitsrisiko darstellen", zu kontrollieren und ihnen gegebenenfalls den Zutritt zu verweigern.
Wachleute sind überfordert
Doch Scharen von zumindest angetrunkenen Fans strömen Wochenende für Wochenende zur Bundesliga. Mit gewissenhaften Kontrollen sind die Wachleute überfordert. In Köln etwa gab es jahrelang einen Treffpunkt gegenüber dem Stadion: eine Tankstelle, an der samstags, kurz vor 15.30 Uhr, mehr Menschen als Autos abgefüllt wurden.
Geschäftstüchtige Zeitgenossen haben sich dank der Pfandpflicht im Umfeld der Arenen eine Einnahmequelle erschlossen: Sie sammeln vor den Eingängen hunderte von leeren Bierflaschen und -büchsen in Einkaufswagen und versilbern sie umgehend an den nächsten Leergut-Automaten.
Der Unfall in Dortmund stellt auch die Praxis des Alkoholausschanks in den Stadien in Frage. Die "Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesligaspielen" des Deutschen Fußball-Bundes "untersagen grundsätzlich" den Ausschank von alkoholischen Getränken vor und während des Spiels im Stadion.
In Absprache mit der Polizei kann "ausnahmsweise" Light-Bier oder auch normales Bier verkauft werden. Aus der Ausnahme ist der Regelfall geworden. Außer bei Spielen, die wegen Fanrivalität besondere Risiken bergen.
Fußball und Bier stehen in enger Bindung. Brauereien sind im Sponsorenstrauß fast jedes Bundesligisten vertreten. Veltins etwa hält das Namensrecht an Schalkes Arena für zehn Jahre, rund fünf Millionen Euro pro Jahr lassen sich die Sauerländer dem Vernehmen nach ihr Engagement bei den Königsblauen kosten.
Bayer Leverkusen importiert bei seinem Gastspiel in Düsseldorf sogar Gaffel-Kölsch ins Altbier-Land um es seinen Fans, aber auch den Geldgebern recht zu machen. Die Nationalelf wirbt für Bitburger (wer nimmt den Zusatz "Alkoholfrei" dabei zur Kenntnis?).
Und gestern stellte die Deutsche Fußball-Liga den Brauer Krombacher als "offiziellen Partner der Bundesliga" vor.
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