Borussia Mönchengladbach: Moll rettete Borussia vor dem Kollaps
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 13.03.2013 - 07:35Fussball (RP). Vor dem Spiel gegen Hannover erinnert sich der frühere Vize-Präsident an ein verlorenes Pokalfinale und eine Notlage.
Hannover 96 kommt am Sonntag in den Borussia-Park. "Es ist ein Gegner auf Augenhöhe", sagt Gladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof. Vor allem ist das Team von Mirko Slomka ein direkter Konkurrent im Rennen um die europäischen Plätze. Der Sieger des Spiels hat die Europa-Tour für die nächste Saison zwar längst nicht fix gebucht, dafür ist die Saison noch zu lang. Doch kann er einen wichtigen Schritt nach vorn machen.
Auch 1992 ging es zwischen beiden Klubs um einen Platz im Europapokal. Damals standen sie sich im Finale des DFB-Pokals gegenüber. Borussia war Erstligist, Hannover Mittelmaß in der Zweiten Liga. Die Favoritenfrage war also eindeutig geklärt. Eine Brauerei ließ vorab Gläser produzieren mit der Aufschrift "Deutscher Pokalsieger 1992 – Borussia Mönchengladbach". Heute haben die Gläser höchsten Sammlerwert. Denn Hannover siegte im Elfmeterschießen.
Diese Blamage kostete die Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger, sie war der negative Höhepunkt einer Saison, in der Borussia am vorletzten Spieltag den Klassenverbleib festmachte und 13. wurde. Nebenbei gab es ein Kompetenzgerangel zwischen Trainer Jürgen Gelsdorf und Manager Rolf Rüssmann. Hans-Peter Moll, der damals Vize-Präsident war, erinnert sich vor allem an Krisensitzungen. "Eine Sitzung folgte der nächsten. Es war stressig. Einmal bin ich sogar in einer Sitzung zusammengeklappt", sagt er. Moll stieg 1990 ein, er war im Präsidium für das Profi-Team zuständig. Als Moll kam, war noch Gerd vom Bruch Trainer, in der Saison 1990/91 blieb Borussia elfmal am Stück unbesiegt, verdarb dem 1. FC Kaiserslautern die vorzeitige Meisterfeier und wurde Neunter. "Schwieriger wurde es nach dem Trainerwechsel von vom Bruch zu Gelsdorf", sagt Moll. Er ist der einzige Funktionär jener Tage, der noch lebt. Rolf Rüssmann starb 2009, Präsident Dr. Helmut Beyer 2011 und der damalige Schatzmeister Dieter Frantzen 2012. "Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man das Foto des Vorstandes von damals betrachtet", sagt Moll, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert.
1992 war aber nicht nur das verlorene Finale gegen Hannover ein Problem. "Viel schlimmer als die Niederlage war, dass uns ein Verfahren von der Uefa angedroht wurde, weil Borussia nicht in der Lage war, die zweite Ablöserate für die Spieler Dahlin und Nielsen zu bezahlen. Es ging um 700 000 Mark", erinnert sich Moll. Borussia stand vor dem Kollaps. "Es gab Überlegungen, schnellstmöglich einen Insolvenzantrag für Borussia zu stellen. Damit wollte ich mich aber nicht abfinden", sagt Moll.
Er hatte die rettende Idee. "Aus dem Transfer von Stefan Effenberg vom FC Bayern München zum AC Florenz stand uns noch etwas zu, das war vertraglich vereinbart", sagt Moll, der gute Kontakte zu Bayern-Star Paul Breitner hatte. Er fuhr nach München, sprach bei Bayern-Manager Uli Hoeneß vor – und bekam 900 000 Mark. Die Insolvenz war abgewendet. "Ich hatte Kenntnis von der Vereinbarung, obwohl das eigentlich nicht mein Bereich war. Ich kann nicht beurteilen, was passiert wäre, wenn das nicht geklappt hätte. Es ist auch müßig, darüber zu diskutieren", sagt Moll. Was bleibt: Damals vergab Borussia gegen Hannover die große Chance, schon 1992 nach Europa zurückzukehren. Am Sonntag will sie gegen 96 einen Schritt nach vorn machen mit einem Heimsieg. "Es ist toll, wie Borussia heute dasteht, sportlich und wirtschaftlich", sagt Hans-Peter Moll. Er hofft, dass der Klub am Ende der Saison wieder schafft, was er 1992 in dem traurigen Pokalfinale gegen Hannover verpasste.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.










dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.