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  Foto: afp, PATRIK STOLLARZ
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Borussia Mönchengladbach: Xhaka: "Es tut gut, mal auf die Fresse zu fliegen"

zuletzt aktualisiert: 28.11.2012 - 07:54

Mönchengladbach (RP). Borussias Schweizer Granit Xhaka spricht mit unserer Redaktion über seine Situation in Gladbach und einen wichtigen Tipp, den ihm sein Bruder gegeben hat.

Herr Xhaka, haben Sie sich am Niederrhein eingelebt?

Xhaka Ja, es gefällt mir sehr gut hier. Ich wohne etwas ländlicher, da habe ich mehr Ruhe, um mich auf den Fußball zu konzentrieren. Meine Mutter ist im Moment bei mir. Sie kocht albanische Gerichte für mich, das ist gut. Mir ist es wichtig, meine Familie um mich herum zu haben, wir stehen alle sehr eng zusammen.

Muss Ihre Mutter auch als Seelentrösterin einspringen? Im Moment sind Sie nur Ersatzspieler, das haben Sie sich sicher anders vorgestellt.

Xhaka Natürlich tut es gut, wenn ich mit meiner Mutter sprechen kann. Aber ich brauche keinen Trost. Ich weiß, dass ich einige Dinge falsch gemacht habe. Ich habe in den vergangenen Wochen eine Erfahrung gemacht, die ich bislang nicht kannte. Zwei Jahre lang schien bei mir immer die Sonne, es ging nur bergauf. Aber es tut mir gut, auch mal auf die Fresse zu fliegen. Diese Erfahrung wird mich mental und als Fußballer stärker machen.

Was haben Sie falsch gemacht?

Xhaka Ich habe einige Dinge gesagt, die so nicht gemeint waren und falsch rübergekommen sind. Das war nicht gut, das weiß ich jetzt.

Auf dem Platz wirkten Sie übermotiviert.

Xhaka Als ich kam, war die Erwartungshaltung sehr groß, sicherlich auch meine eigene. Aber die Bundesliga ist ganz anders, als die Schweizer Liga, man hat viel weniger Zeit am Ball, es wird viel mehr gekämpft. Ich muss in der Ballannahme und Ballverarbeitung schneller werden. So wie es der Trainer sagt.

Haben die neun Millionen Euro Ablösesumme, die Borussia an den FC Basel gezahlt hat, Druck erzeugt?

Xhaka Nein. Es ist nun mal so, dass solche Preise im Fußball bezahlt werden. Ich bin Schweizer Nationalspieler, war mit Basel in der Champions League. Ich empfinde es eher als Ehre, dass Borussia so viel Geld für mich bezahlt hat. Ich will es dem Verein zurückgeben mit guter Leistung. Ich habe bis 2017 unterschrieben und will mich hier durchsetzen.

Also gab es keine Wechsel-Gedanken an einen Wechsel?

Xhaka Nein, natürlich nicht. Ich habe meinen Vertrag und bin froh darüber. Ich werde im Training hart arbeiten und versuchen, mich über Kurzeinsätze zu empfehlen. Ich denke gerade zuletzt haben wir alle, die wir von der Bank reinkamen, etwas bewegt. Igor de Camargo hat gegen Limassol zwei Tore gemacht, Peniel Mlapa und ich waren auch auf dem Platz, als die Tore fielen. Irgendwann werden wir für unsere Arbeit belohnt werden und in der Startelf stehen.

Seit neun Spielen waren Sie nicht mehr in der Startelf...

Xhaka ... und das hat mich in den ersten Wochen genervt. Aber dann gab es ein langes Gespräch mit meiner Familie. Mein Bruder Taulant, der in Zürich die Situation kennt, hat gesagt: Granit, hör auf so negativ zu denken. Danach hat es Klick in meinem Kopf gemacht. Ich habe mir gesagt: Denk positiv, zeig in jedem Training, was du kannst. Ich will zeigen, dass ich bereit bin: für 90 Minuten, für 30, für zehn. Darum mache ich die Sonderschichten gerne mit. Ich bin ein junger Spieler und weiß, dass ich noch viel lernen muss.

Haben Sie sich den Sprung in die Bundesliga einfacher vorgestellt?

Xhaka Was heißt einfacher? Ich wusste, dass die Bundesliga eine der besten Ligen der Welt ist und dass man da nicht einfach kommt und sagt: Hier bin ich. Trotzdem habe ich mir selbst vielleicht zu viel Druck gemacht. Das habe ich vorher in Basel nie getan, da war ich immer locker.

Peniel Mlapa hat eine ähnliche Erfahrung in Hoffenheim gemacht – und muss sich auch jetzt herankämpfen. Helfen sie sich gegenseitig?

Xhaka Natürlich. Peniel ist ein Riesentyp, mein Kumpel. Wir unterstützen uns gegenseitig, arbeiten hart – und werden sicher dafür auch irgendwann belohnt.

Schon gegen Wolfsburg?

Xhaka Der Trainer weiß, dass wir bereit sind. Aber er muss entscheiden, wer spielt. Ich werde mein Bestes geben, wenn ich auf dem Platz stehe. Ich freue mich über jede Minute, die ich spielen kann.

Lieber als Sechser oder als Zehner?

Xhaka Als Sechser, da habe ich das Spiel vor mir. In der Schweizer Nati bin ich weiter vorn, aber wir dort spielen wir anders: 4-2-3-1. Da bin ich die klassische Zehn. In Gladbach ist man eher hängende Spitze – und ich bin halt kein Stürmer.

Es gibt Leute, die sagen: Roman Neustädter, der jetzt beim FC Schalke spielt, wäre besser noch da.

Xhaka Ich habe großen Respekt vor dem, was er hier geleistet hat. Er ist ein hervorragender Spieler, der sehr viel für das Spiel macht. Aber ich bin nicht Roman Neustädter, sondern Granit Xhaka. Borussia hat eine perfekte Saison gespielt, das ist nicht so leicht zu wiederholen. Aber wir sind als Team dabei, uns zu entwickeln. Es ist nicht nur für mich persönlich, sondern für uns alle eine interessante und spannende Erfahrung.

Karsten Kellermann führte das Gespräch.

Quelle: RP/can/rm


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