Meier: Anleihe für neue Investitionen: BVB dementiert "Finanzcrash"
zuletzt aktualisiert: 22.12.2003 - 15:55Frankfurt/Dortmund (rpo). BVB-Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier haben sich gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, den Bundesligaverein in eine wirtschaftliche Schieflage geführt zu haben. Dennoch bleibt angesichts der nackten Zahlen der Eindruck, dass der Verein mit dem Rücken zur Wand steht.
Borussia Dortmund hat mit Vehemenz die Verhandlungen über eine mögliche 100-Millionen-Euro-Anleihe verteidigt und eine finanzielle Schieflage des einzigen börsennotierten Bundesliga-Klubs dementiert. "Das ist keine Anleihe, um Löcher zu stopfen oder Einnahmeverluste auszugleichen, sondern eine Anleihe für neue Investionen", sagte Manager Michael Meier am Montagnachmittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.
Er reagierte damit auf Veröffentlichungen der Süddeutschen Zeitung und des kicker am Montag, wonach der westfälische Traditionsklub in der laufenden Saison mit Mindereinnahmen in Höhe von 50 Millionen Euro rechnen müsse und deshalb einen Teil der Zuschauer-Einnahmen in den kommenden zwölf Jahren an die englisch-amerikanische Investmentbank "Schechter & Co. Ltd" für 100 Millionen Euro verpfänden wolle. Die ins Gespräch gebrachte Höhe der Anleihung wurde allerdings nicht bestätigt.
Kritik von der DFL
Die Pläne des Bundesliga-Zuschauer-Krösus (77.500 Fans im Schnitt) hat unterdessen zu Kritik von Seiten der Deutschen Fußball Liga (DFL) geführt. "Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins quasi verpfändet wird, weil dann die Ertragskraft dieses Vereins durch die hohen Rückzahlungsverpflichtungen natürlich belastet wird", sagte Wilfried Straub, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, auf sid-Anfrage.
Klub-Präsident Gerd Niebaum wehrte sich auf der Pressekonferenz vor allem gegen die ihm vorgeworfenen Alleingänge im wirtschaftlichen Bereich: "Dass ich das Amt mit einer mit zugedachten Gutsherrenart ausübe, ist absurd und eine bösartige Übertreibung, die mich betroffen macht. Ich habe in den letzten Wochen das uneingeschränkte Vertrauen der Mitgliederversammlung und der Aktionärsversammlung erhalten. Deswegen ist diese Berichterstattung unverständlich."
Meier: Nicht zwingend auf Anleihe angewiesen
Meier unterstrich unterdessen, dass die Borussia nicht zwingend auf die Anleihe angewiesen sei: "Das Geschäftsleben läuft weiter, auch wenn die Anleihe nicht zu Stande kommt." Über die zu erwartenden Verluste im laufenden Geschäftsjahr wollte er keine Angaben machen: "Als börsennotierter Klub müssen wir mit Prognosen vorsichtig sein. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine Aussagen machen." Die Borussia habe sich aber keine Vorwürfe zu machen. "Wir haben offen und ehrlich gesagt, was weggebrochen ist", sagte Meier und wies auf die fehlenden Champions-League- und Uefa-Cup-Einnahmen in dieser Spielzeit hin. Daraufhin waren die BVB-Profis zu einer 20-prozentigen Gehaltskürzung aufgefordert worden.
Manager Meier wehrt sich jedoch gegen den Verdacht, die Bilanzen geschönt zu haben: "Es ist nicht fair, in eine Ecke von Bilanzfälschern gestellt zu werden. Bei uns stehen alle Beträge auf dem Prüfstand. Durch die geschickte Arbeit des Managements haben wir den Verein in die schwarzen Zahlen geführt. Das können wir nachweisen."
Alle Gremien informiert
Die Verhandlungen mit dem Investment-Unternehmer Stephen Schechter bestätigte Meier, allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen. Das erste Angebot habe es vor einem dreiviertel Jahr gegeben. Dies sei damals von der Borussia abgelehnt worden. "Vor vier Monaten hat es eine neue Offerte zu verbesserten Konditionen gegeben. Dies befindet sich in der Prüfung. Alle Gremien sind informiert", erklärte Meier. Im April diesen Jahres hatte Schechter mit Dortmunds Revierrivalen Schalke 04 eine 75-Millionen-Euro-Anleihe vereinbart, wobei Teile der Zuschauer-Einnahmen der "Königsblauen" für die kommenden 23 Jahre verpfändet wurden.
Trotz der Versuche, die Meldungen über die finanziellen Probleme der Schwarz-Gelben zu relativieren, scheint die wirtschaftliche Situation der Borussen angespannt zu sein. Immerhin gab die Borussia 67,684 Millionen Euro (2002/2003) allein bei den Gehältern aus. Außerdem fehlen den Dortmundern die lukrativen Champions-League-Einnahmen, die in der vergangenen Saison immerhin 33,7 Millionen Euro ausgemacht hatten.
Geheimvertrag mit Evanilson?
Bis zum Jahr 2017 müssen außerdem jährlich zwischen 14,6 und 17,5 Millionen Euro für Miete, Darlehen oder Fondsrenditen aufgebracht werden. Die Zahlen der Bilanz-Rekordsaison 2002/2003 (162,3 Millionen Euro) sind zudem diesmal nicht zu erreichen.
Verschlechert haben soll sich die wirtschaftliche Lage des BVB zusätzlich durch einen 2001 geschlossenen Kontrakt mit dem AC Parma. Darin verpflichteten sich die Dortmunder, die im Zuge der Verpflichtung von Marcio Amoroso abgetretenen Transferrechte am Spieler Evanilson im Sommer dieses Jahres zurückzukaufen. 14 Millionen Euro musste die Borussia deshalb in diesem Jahr an den italienischen Klub zahlen.
Meier nahm auf der Pressekonferenz auch dazu Stellung. "Bei uns gibt es keine Scheingeschäfte. Es wurde klar kommuniziert, wie Transfers abgelaufen sind. Wir sind nicht verpflichtet, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass 14 Millionen Euro geflossen sind", verteidigte sich Meier.
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