Nach Niebaum-Rücktritt: BVB: Fan-Demo gegen Meier
zuletzt aktualisiert: 10.02.2005 - 21:19Neuss/Dortmund (rpo). Nach dem Niebaum-Rücktritt ist beim BVB noch lange keine Ruhe eingekehrt. Manager Michael Meier wird nun zwar von allen Seiten gestärkt, aber die Fans sind noch lange nicht alle besänftigt. Sie wollen am Samstag demonstrieren.
Beim mit 98 Millionen Euro verschuldeten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund war am Tag nach dem Rücktritt von Ex-Präsident Gerd Niebaum als Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) nur kurzfristig die Ruhe nach dem Sturm eingekehrt. Am Nachmittag bestätigte dann die Fan-Organisation Unity, dass die für Samstag geplante und fast schon abgesagte Demonstration jetzt doch stattfinden soll.
"Die Demo findet definitiv statt", sagte Jens Volke von Unity dem Sport-Informations-Dienst (sid) und erklärte die Gründe dafür, warum sich die Organisation gegen die Empfehlung der neu gegründeten Fanabteilung des BVB entschieden hat, auf die Kundgebung zu verzichten. "Michael Meier hat es abgelehnt, zumindest als Vereinsvorstand zurückzutreten. Wir erwarten ein Symbol."
Für Ernüchterung hatte am Tag eins nach Niebaum auch schon die die Aktie gesorgt, die an der Frankfurter Börse nach einem vorherigen Anstieg um bis zu fünf Prozent bis Donnerstagmittag 11,3 Prozent verlor. Grund hierfür war offenbar die ablehnende Haltung der WestLB auf den von den Borussen erhofften Kredit.
Neue Hoffnung durch Stephen Schechter
Für neue Hoffnung sorgt aber der Londoner Fußballanleihen-Spezialist Stephen Schechter. Dieser ist offenbar nach der Niebaum-Demission wieder bereit, mit dem Verein über eine Anleihe zu reden, die den Rückkauf des Westfalenstadions ermöglichen könnte. Schechter sagte dem Handelsblatt: "Wir wären erfreut, mit Vereinspräsident Reinhard Rauball zusammenzuarbeiten. Meine einzige Bedingung ist, das wir vollen Zugang zu allen Dokumenten und ehrliche Aussagen bekommen."
In der vergangenen Woche hatte Schechter die Kooperation mit dem westfälischen Traditionsklub beendet. Angeblich soll es zu Unstimmigkeiten zwischen Schechter und Ex-Präsident Niebaum gekommen sein.
Die Schwarz-Gelben versuchen derweil, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Doch während Niebaums Rücktritt nach insgesamt 20 Jahren in führenden Positionen von allen Seiten begrüßt wurde, konnte sein Nachfolger als Präsident, Reinhard Rauball, in einem Gespräch mit Fan-Vertretern am Mittwochabend die Lage teilweise beruhigen. "Dr. Rauball hat uns geschildert, wieso Meier bleibt. Das war absolut nachvollziehbar, und wir wissen nun, dass es momentan noch wichtig ist, dass er im Amt bleibt", erklärte Reinhard Beck, Sprecher der neu gegründeten Fanabteilung des BVB, dem sid.
Die Vertreter der Anhänger hätten dem Klub-Chef eine Empfehlung zur Zukunft von Meier ausgesprochen, "über die wir allerdings Stillschweigen vereinbart haben, und zu der sich Rauball noch äußern wird". Zuvor hatte die Fanabteilung wissen lassen, "keine Ruhe zu geben, bis nicht auch Meier entlassen ist". Die Empfehlung an Unity, die für Samstag vor dem Revier-Derby gegen den VfL Bochum geplante Fan-Demonstration mit über 10.000 Teilnehmern vom Friedensplatz zum Westfalenstadion abzusagen, hatte dann aber keinen Erfolg.
BVB-Großaktionär stärkt Meier den Rücken
Unterdessen hat auch BVB-Großaktionär Florian Homm Meier den Rücken gestärkt. "Er ist keine Übergangslösung, sondern eine langfristige. Er macht einen Superjob und treibt das Konsolidierungsprogramm voran", sagte Homm im ARD-Morgenmagazin. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung sei ein Rücktritt des verbliebenen Geschäftsführers ohnehin nie ein Thema gewesen, sein Angebot habe lediglich zur Besänftigung der Öffentlichkeit gedient. Rauball hatte abgelehnt, da "eine Kontinuität innerhalb des operativen Geschäfts zwingend erforderlich ist".
Niebaum, der erst am 14. November 2004 seinen Präsidentenstuhl geräumt hatte, kam nach Angaben der SZ mit seinem Rücktritt dagegen nur seinem geplanten Rauswurf durch den Präsidialausschuss am kommenden Montag zuvor. "Das war eine richtige Entscheidung. Herr Niebaum hatte in den 90er Jahren große sportliche Erfolge, doch dann ist er ein wenig überheblich geworden", betonte Homm in der Bild-Zeitung, und sogar BVB-Trainer Bert van Marwijk erklärte: "Es ist für alle das Beste. Nun kann endliche Ruhe einkehren."
Für Stefan ten Dornkaat war der Rücktritt "überfällig, aber die zeitliche Verzögerung hat doch auch nur wieder Geld gekostet", erklärte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger in der Westfälischen Rundschau. Die BVB-Aktie hatte nach der Meldung von Niebaums Ausstieg um bis zu fünf Prozent zugelegt. Einen Nachfolger will die Borussia nun "zügig" präsentieren. Erste Gespräche hat es bereits gegeben, als aussichtsreichster Kandidat gilt der derzeitige Schatzmeister Hans-Joachim Watzke.
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