Holzhäuser rückt an die Stelle des Bundesliga-Schwergewichts: Calmund scheidet bei Bayer Leverkusen aus
zuletzt aktualisiert: 08.06.2004 - 16:50Leverkusen (rpo). Reiner Calmund legt überraschend sein Amt als Geschäftsführer von Bayer Leverkusen zum Monatsende nieder. Die Aufgaben des langjährigen Machers des rheinischen Bundesligaklubs übernimmt ab Anfang Juli Bayers bisheriger Co-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.
Letzterer galt bislang als designierter Nachfolger von Wilfried Straub, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Ich bin nach 27 Jahren Arbeit an vorderster Front körperlich und mental nicht mehr in der Lage, die Anforderungen meines Jobs zu 100 Prozent zu erfüllen", wird Calmund in einer Pressemitteilung zitiert.
Er habe sich bereits vor einiger Zeit Gedanken über seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft gemacht, dies dann aber solange zurückgestellt, bis der Klub wieder erfolgreich war. Dies sei mit Platz drei in der gerade abgelaufenen Spielzeit und der damit verbundenen Rückkehr auf die internationale Bühne gelungen. In Calmund verliert Bayer Leverkusen seine langjährige Galionsfigur und die Fußball-Bundesliga eine schillernde Persönlichkeit. Die Arbeit für Bayer hatte er einst als sein "Lebenswerk" bezeichnet.
Kaenzig ging mangels Rückendeckung
Zuvor hatte Bayer bereits Manager Ilja Kaenzig, der zu Hannover 96 wechselte, als weitere Führungspersönlichkeit verloren. Eigentlich sollte Kaenzig sogar als Nachfolger Calmunds beim Uefa-Cup-Sieger von 1988 aufgebaut werden. Er sah allerdings zuletzt nicht mehr die entsprechende Perspektive beim Werksklub, nachdem Calmund offen über eine Rückkehr von DFB-Teamchef Rudi Völler nach der WM 2006 in Deutschland nachgedacht hatte. "Ich bedaure sehr, was passiert ist. Ich bin herbe enttäuscht und geschockt", sagte Kaenzig. Dass er Bayer verlassen habe, "steht aber in keinem Zusammenhang mit der Entwicklung".
"Wir waren gezwungen, für Kontinuität zu sorgen. Das ist uns gelungen. Herr Holzhäuser wird zum 1. Juli Sprecher der Geschäftsführung. Damit sind all seine Überlegungen, zur Liga zu wechseln, erledigt", sagte der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink. Zwischen Calmund und Holzhäuser hatte es intern mehrfach Konflikte gegeben. Nun muss der aus Frechen stammende Calmund die Macht an seinen langjährigen Weggefährten abtreten.
Calmund war mehr als zweieinhalb Jahrzehnte mit seinem rheinischen Humor und seiner offenen Art ein Unikat in der Bundesliga. Seit dem Bundesliga-Aufstieg 1979 war "Calli" unumschränkter Herrscher bei Bayer. Er war es in erster Linie, der Trainer-Koryphäen wie Dettmar Cramer, Rinus Michels, Christoph Daum und Berti Vogts verpflichtete. Außerdem sorgte "Calli" mit den Transfers von Stars wie Bernd Schuster, Rudi Völler, Jorginho, Lucio, Paulo Sergio, Emerson, Ulf Kirsten und Andreas Thom für Schlagzeilen.
Cleverer Transfer-Taktiker
Calmund galt als einer der gewieftesten Taktiker beim Abwickeln von Spieler-Transfers. Der langjährige Manager sorgte dafür, dass die Leverkusener bei Verpflichtungen von Brasilianern viele Jahrzehnte die Bundesliga-Konkurrenz, darunter auch den deutschen Rekordmeister Bayern München, ausstachen.
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