Karrierestart bei Borussia: Der wilde Andrej Voronin
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 28.06.2006 - 08:48Mönchengladbach (RP). Es war 1996. Vier Jugendliche aus der Ukraine kamen nach Mönchengladbach, um den Fußball-Westen zu erobern: aus Borussias A-Jugend in die Bundesliga. Geschafft hat es nur einer. Am 13. Dezember 1997 gab Andrej Voronin sein Debüt in Deutschlands-Elite-Klasse.
Und das im Münchner Olympiastadion. 0:3 lagen die Gladbacher gerade zurück, als ihr Trainer Norbert Meier in der 53. Minute den 18-jährigen Stürmer, der noch in der A-Jugend spielen durfte, für Kalle Pflipsen einwechselte. Zu einer wirklichen Wende hat Voronin nicht verholfen. Aber am Ende stand es nach Toren von Stefan Effenberg und Jörgen Pettersson immerhin nur 2:3.
Sechs weitere Bundesliga-Einsätze bekam Voronin in dieser Saison noch, ein Tor machte er. Dann setzte ihn ein Kreuzbandriss sehr lange außer Gefecht. Nach dem Abstieg durfte er in der Zweiten Liga noch zweimal ran. Dann vermittelte Borussias Ex-Manager Rolf Rüssmann, der ihn 96 mit den Landsleuten Grebenozhko, Levtshenko und Netchiporouk an den Bökelberg geholt hatte, Voronin nach Mainz.
Ablösefrei. Der Ukrainer, der schon mal mit kahl geschorenem Schädel im langen schwarzen Mantel und mit Bodyguard-ähnlicher Begleitung auftrat, hatte in Gladbach keine Lobby mehr, galt als wilder Typ. „Mit 18 kam er und hatte urplötzlich eine gut 20 Jahre ältere Frau geheiratet. Auf der Autobahn hat er den Mannschaftsbus auf dem Standstreifen überholt. An seinem Auto habe ich mal vier verschiedene Reifen, zum Teil abgefahren, gefunden“, erinnert sich Rüssmann.
Doch Andrej Voronin (Foto: ddp) hat sich durchgesetzt, nachdem er Gladbach verlassen hatte. Mainz, Köln und nun Leverkusen sind die Stationen. 87 Bundesligaspiele hat der heute 26-Jährige bisher erzielt, 27 Tore geschossen. Beim Sieg am Montag in Köln über die Schweiz bestritt er sein 33. Länderspiel für die Ukraine. Und vielleicht schießt er ja am Freitag im Achtelfinale gegen Italien sein erstes WM-Tor bei der ersten WM-Teilnahme seines Heimatlandes.
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