Nach Kopfstoß: Duisburg trennt sich von Trainer Meier
zuletzt aktualisiert: 08.12.2005 - 16:41Duisburg (rpo). Das war abzusehen: Der MSV Duisburg hat die Konsequenz aus dem Kopfstoß-Skandal um Trainer Norbert Meier gezogen und den 47-jährigen Fußballlehrer zwei Tage später entlassen. Das gab der Verein bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag bekannt. Es sei eine einvernehmliche Trennung gewesen, erklärte Klubchef Walter Hellmich.
Der Klub sah sich am Donnerstag zum Handeln gezwungen, weil Meier einer möglicherweise mehrmonatigen Sperre durch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entgegensieht. "Durch die Vorfälle ist der Druck auf den Trainer sehr groß geworden. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", erklärte Hellmich. Bis auf weiteres und damit auch im Spiel am Samstag gegen Arminia Bielefeld wird Co-Trainer Heiko Scholz die Mannschaft als Interimscoach betreuen. Ein Nachfolger für Meier steht noch nicht fest.
"In absehbarer Zeit müssen wir eine Neuverpflichtung tätigen. Wir werden uns dabei aber nicht unter Druck setzen lassen", sagte Hellmich, der vor der Beurlaubung des früheren Nationalspielers die Mannschaft von der Entwicklung informiert hatte. Eine Rückkehr des kürzlich bei Hannover 96 entlassenen Ewald Lienen schloss Hellmich nicht aus, ein weiterer Kandidat ist der frühere Nationalverteidiger Jürgen Kohler. "Es hat bisher noch keine konkreten Verhandlungen gegeben, aber einige Kontakte", meinte der MSV-Chef, der schon einige Anrufe von Trainern erhalten hat.
Der MSV hatte sich am Mittwoch zunächst mit einer Abmahnung und einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro begnügt. Doch das DFB-Sportgericht gab wenig später einem Antrag von Chefankläger Horst Hilpert statt und erließ eine einstweilige Verfügung, die Meier umgehend jegliche Trainertätigkeit untersagte. Aus der Entwicklung zog der Aufsteiger die Konsequenzen.
Meier waren beim 1:1 gegen Köln kurz vor Schluss die Nerven durchgebrannt. Er geriet mit Albert Streit aneinander, versetzte dem Gästespieler an der Seitenlinie einen Kopfstoß und ging daraufhin selbst theatralisch zu Boden. Zunächst bestritt Meier eine eigene Schuld an dem Vorfall. Nach Ansicht der TV-Bilder aber sei er selbst über sich erschrocken gewesen, erklärte der Coach. Telefonisch entschuldigte er sich anschließend bei Streit für seine Kurzschlussreaktion.
Doch weder seine Entschuldigung, noch die Rückendeckung von Bayern Münchens Trainer Felix Magath bewahrte ihn vor der Entlassung. "Beide haben eine Schauspieleinlage abgeliefert. Ich weiß nicht, ob bei den Sanktionen die Verhältnismäßigkeit stimmt. Wir brauchen eine neue Waage. Norbert Meier ist ein netter Kerl, das hat er nicht verdient", sagte Magath.
Der ehemalige Nationalspieler Meier betreute die "Zebras" seit dem 4. Januar 2003 und führte sie in der vergangenen Saison in die Bundesliga zurück. Er muss als fünfter Trainer der laufenden Saison nach Klaus Augenthaler (Bayer Leverkusen), Wolfgang Wolf (1. FC Nürnberg), Ewald Lienen (Hannover 96) und Michael Henke (1. FC Kaiserslautern) vorzeitig seinen Stuhl räumen. Es war die 289. Trainerentlassung seit Gründung der Bundesliga 1963.
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