Wird er jetzt Manager?: Kahn ist heiß auf Schalke
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.03.2009 - 07:12Düsseldorf/Rheda (RP). Der ehemalige Nationaltorwart Oliver Kahn könnte auf Schalke Nachfolger von Manager Andreas Müller werden. Am Donnerstag verhandelte er mit dem Gelsenkirchener Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in dessen Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück.
1626 ist Wiedenbrück im 30-jährigen Krieg mal von den Dänen besetzt gewesen. Das war bis gestern das herausragende historische Datum der beiden in der Kommunalreform von 1970 zur Einheit verschmolzenen Städte Reda und Wiedenbrück.
Seit Donnerstag muss die Geschichte der Doppelstadt in weiten Teilen neu geschrieben werden. Denn Unerhörtes geschah in ihren Mauern. Der FC Schalke 04, vertreten vom Aufsichtsratschef und Rheda-Wiedenbrücker Tönnies, verhandelte mit Kahn, dem ehemaligen Titanen im deutschen Fußballtor, über eine Beschäftigung als Manager des Gelsenkirchener Bundesligisten. Das ebenso unerhörte Zwischenergebnis: Der 39 Jahre alte Kahn könnte tatsächlich Nachfolger des vergangene Woche entlassenen Andreas Müller werden.
Das darf zumindest aus der begeisterten Zusammenfassung geschlossen werden, die Tönnies im Pulk der wartenden Journalisten nach einem dreistündigen Gespräch gab. "Kahn", sagte der Mann, der als großer Fleischhändler sein Geld verdient, "ist ein geiler Typ, und wir sind total d'accord. Wir haben ein Konzept besprochen, und das passt alles gut." Zum Abschluss kam es (noch) nicht, weil der Aufsichtsrats-Vorsitzende mit weiteren Kandidaten sprechen will. Schließlich sei Schalke "ein geiler Verein, da wollen viele hin".
Kahn scheint mindestens ebenso heiß auf den Job zu sein wie der frühere Schalker Trainer Huub Stevens, der sich über die Medien ins Gespräch gebracht hat. Anders als Tönnies aber sparte sich Kahn weitreichende Ausflüge in jugendliche Begeisterungsfloskeln. Er gab sich staatsmännisch und sprach lediglich von einem "Informationsaustausch", dem mehrere Gespräche vorausgegangen seien.
Definitives sei nicht zu vermelden. "Spiegel online" hatte er aber verraten, "dass es mich reizt, mit einer Mannschaft zu arbeiten. Das halte ich für sehr interessant. Ob man so etwas macht, hängt von vielen Faktoren ab. Es geht darum, was man als Voraussetzung dort vorfindet und wie man sich dort dann verwirklichen kann".
Das sagte er auch, um die Tür für Verhandlungen mit seinem langjährigen Klub Bayern München nicht vorzeitig zuzuschlagen. Da gilt er als möglicher Erbe für Uli Hoeneß, der Ende des Jahres auf den Posten des Aufsichtsrats-Vorsitzenden wechseln will.
Auf Schalke würde er gewiss nicht von jedem Vereinsmitglied mit derart offenen Armen begrüßt, wie es Tönnies bei den Gesprächen in Rheda-Wiedenbrück tat. Denn Kahn galt in 14 Bayern-Jahren als Lieblingsfeind der Fans in der Nordkurve. Nirgendwo in der Republik ging vor dem Anpfiff ein größerer Bananenregen auf das Münchner Tor nieder.
Und natürlich regte sich bereits lautstarker Widerstand in verschiedenen Internetforen. "Wenn der wirklich kommt, ist der Verein für mich gestorben", schrieb ein Fan der Königsblauen durchaus stellvertretend. Es gab allerdings auch andere Stimmen. "Schalke braucht Typen wie Kahn", ist eine. Andere hatten wahrscheinlich bei der US-Wahl gut zugehört. Sie stellten den schönen Satz "Yes, we Kahn" ins Netz.
Ob Schalke für den Welttorwart des Jahres 2002 die richtige Wahl ist, bezweifelt freilich Deutschlands führender Fußball-Vorsprecher. Franz Beckenbauer "würde ihm davon abraten. Er ist noch in der Findungsphase. Ich glaube nicht, dass er bereit wäre". Tönnies sieht das ganz anders.
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