Schalke: Manager Müller vor Rauswurf
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 - 07:58Gelsenkirchen (RP). Christoph Daum war in bester Geberlaune. Weil es im Stadion niemand getan hatte, lobte der Trainer des 1. FC Köln seinen Gegner Schalke 04 aus Leibeskräften. "Schalke hat sehr stark begonnen", urteilte Daum, "und verdient mit 1:0 gewonnen. Ich hoffe, dass hier bald ein bisschen Ruhe reinkommt. Mein Kollege hat alles richtig gemacht, und die Leute, die heute gepfiffen haben, die jubeln, wenn die Mannschaft fünfmal hintereinander mit 1:0 gewinnt." Die Schalker, die alles andere als ein fußballerisches Erweckungserlebnis feiern durften, freuten sich verlegen.
An erster Stelle der gepriesene Coach Fred Rutten, den die eigenen Fans mit weniger schmeichelhaften Sprechchören ("Rutten raus") bedacht hatten. Weil schon der große Daum seine taktischen Winkelzüge gelobt hatte, erklärte der Holländer dem Publikum noch mal artig, warum er bei der knappen Führung seinen ermatteten Offensivspieler Vicente Sanchez gegen den Ballbehaupter Gerald Asamoah und den vergleichsweise angriffslustigen Mittelfeldspieler Ivan Rakitic gegen den urgewaltigen Verteidiger Marcelo Bordon ausgetauscht hatte. "Wir haben natürlich eine Analyse des Gegners gemacht, und wir wussten, was er macht", sagte Rutten, "deswegen mussten wir Spieler mit körperlicher Kraft bringen." Der Erfolg gab ihm Recht. Und allein darum ging es dem Trainer, der mit dem Sieg sich selbst und den höchst umstrittenen Manager Andreas Müller ein bisschen aus der Schusslinie gebracht hat. "Wir wollten die drei Punkte", betonte der Niederländer, "die haben wir. Deswegen bin ich zufrieden."
Seine Spieler stießen ins gleiche Horn. Jermaine Jones, die dauerlaufende Kampfmaschine des diesmal zum Glück auf zwei defensive Mittelfeldspieler reduzierten zentralen Blocks, zum Beispiel. Ebenso kämpferisch allerdings, wie er auf dem Platz aufzutreten pflegt, ging er auf den Anhang los. "Wir kämpfen, führen 1:0 und versuchen alles, und die Fans pfeifen uns aus", klagte er, "solange sie das machen, werden sie keinen Bezug zur Mannschaft bekommen." Co-Trainer Mike Büskens beschrieb die verstörende Entfremdung zwischen Team und Fans so: "Das war ein Auswärtsspiel für uns."
Allein Rutten wirkte seltsam vergnügt. "Bis jetzt habe ich sehr viel Spaß, auf Schalke zu arbeiten", versicherte der Holländer. Und er sah dabei nicht einmal so aus, als müsse er sich mächtig verstellen. Ein bisschen Spaß werden sie ihm wohl weiter gönnen. Ob das auch für den anderen Buhmann im Klub gilt, ist höchst fraglich. Manager Müller muss heute zum Rapport beim Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies antreten. Im Umfeld des Klubs heißt es, dass Müller spätestens am 17. März bei einer Sitzung des Aufsichtsrats abgelöst wird. Als Nachfolger wird der ehemalige Nationalspieler Olaf Thon gehandelt – ein enger Berater von Tönnies.
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