Schwere Zeiten auf Schalke: Mit Leidenschaft in die Krise
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2008 - 10:30Enschede (RP). Es war viel von Leidenschaft und harter Arbeit die Rede. Und es klang sehr wie eine Beschwörung. „Die Jungs“, sagte Trainer Fred Rutten, „haben richtig mit Leidenschaft gekämpft.“ „Die Mannschaft hat große Leidenschaft gezeigt“, sagte Manager Andreas Müller.
„Wir können uns aus der Abwärtsspirale befreien“, erklärte Rutten, „das kann man nur durch harte Arbeit.“ „Da hilft nur harte Arbeit“, betonte Müller, „wir müssen zueinander stehen wie eine Wand.“ Die sportliche Führung von Schalke 04 hatte nach dem 1:2 im Uefa-Pokal bei Twente Enschede die gleiche Sprachschule besucht.
Die Krise des Bundesligisten aus Gelsenkirchen, das immerhin steht nach dem letzten Schalker Gruppenspiel fest, wird nicht mehr geleugnet. Ans Weiterkommen im Uefa-Cup glauben selbst die größten Optimisten nicht mehr.
„Wir können alle die Tabelle lesen“, räumte Müller ein. Auch er rechnet nicht damit, dass beide Konkurrenten um den heilsbringenden Platz drei, Racing Santander und Paris St. Germain, sieglos aus ihren letzten Spielen hervorgehen werden. Und das müsste schon sein, damit Schalke noch in die K.o.-Runde kommt.
Vielleicht wäre der Misserfolg in Europa zu verschmerzen, wenn in der Bundesliga königsblaue Zuversicht herrschen würde. Aber auch national sind die Gelsenkirchener meilenweit vom eigenen Anspruch entfernt.
Die Honorar-Struktur für den aufgeblähten, teuren Spielerkader und die sportlichen Bilanzen der zurückliegenden Jahre verpflichten zu einem Platz zwischen eins und drei.
Triste Wirklichkeit
Die Wirklichkeit aber sieht so aus: Rang neun mit sieben Punkten Rückstand auf den dritten, den Champions-League-Qualifikationsplatz, schematischer Fußball ohne Überraschungsmomente, erste Aufstände der ehemals in treuer Liebe verbundenen Fans, und die Aussicht auf schwierige Spiele in nächster Zukunft.
Morgen kommt Hertha BSC, eine der positiven Überraschungen dieser Saison und darüber hinaus nicht gerade ein Lieblings-Gegner der Mannschaft von Fred Rutten. Weil die Berliner ihr Spiel vergleichsweise kontrolliert nach vorn tragen, werden die Schalker bestimmt nicht mit großen Freiräumen beglückt.
Dann geht’s nach Hoffenheim, das daheim erst einmal unentschieden spielte. Schlechte Voraussetzungen für ein Team, das bislang lediglich defensiv einigermaßen überzeugte.
Müller glaubt trotzig, dass der Schlüssel zum Weg aus der Krise in Kampfgeist und professioneller Einstellung besteht. „Ich habe bei der Mannschaft gesehen, dass sie sich nicht ergibt“, sagte er in Enschede. Wer schon aus derart elementaren Dingen Hoffnung bezieht, der hat sonst nicht viel zu lachen.
Dass Schalkes Talfahrt tiefere Gründe als einen nicht mal nachweisbaren Mangel an Einstellung hat, weiß Müller. Er will es vielleicht nicht wahrhaben. Ständige Beobachter des Teams rätseln derweil, wie Ruttens Mannschaft mit drei defensiven Mittelfeldspielern, die sich gegenseitig die Räume zudecken, drei Stürmern, von denen immer zumindest einer gar keiner ist, und einer millionenschweren, aber offenkundig untauglichen Bevölkerung der Ersatzbank in die Spur kommen will.
Nicht alle sehen die Lösung so nah wie Nationalspieler Heiko Westermann. „Wir werden hart arbeiten müssen“, hat er gesagt. Irgendwo schon mal gehört.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







