Turbulentes Jahr in der Fußball-Bundesliga: Schalke – ein großer Verlierer der Saison
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 15.05.2009 - 09:21Düsseldorf (RP). Die Fußballsaison des FC Schalke – seit Mittwochabend ist sie völlig verkorkst. Mit der 1:2-Heimniederlage gegen Stuttgart, der dritten Schlappe hintereinander in der Bundesliga, hat der Klub die letzte theoretische Chance auf den Einzug ins internationale Geschäft verspielt. Nichts mehr ist geblieben von der aufsehenerregenden Serie des bis zum Triumph in München (1:0) so erfolgreichen Interimstrainers Mike Büskens.
In der Liga sind die Gelsenkirchener tief abgerutscht. In der Champions-League-Qualifikation scheiterten sie kläglich an Atletico Madrid (0:4 in Spaniens Hauptstadt), im Uefa-Cup überstanden sie als Tabellenletzter nicht die Gruppenphase, und im DFB-Pokal mussten sie im Viertelfinale dem Zweitligisten Mainz 05 zum Weiterkommen gratulieren. Es ist eine Saison zum Vergessen für Schalke, seine teure Mannschaft und seine Fans. Wie sagte unlängst Aufsichtsratschef Clemens Tönnies: "Wir sind Champions League in dem Bereich, was Emotionen angeht." Auf allen anderen Gebieten dagegen herrscht pures Mittelmaß. Die Konsequenzen müssen tiefgreifend sein, personell und strukturell.
In Felix Magath hat der siebenmalige Deutsche Meister als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied für diesen Kraftakt einen Mann geholt, dessen Name für harte Arbeit und Kompromisslosigkeit steht. "Krawattenträger ist nicht so mein Ding", kommentierte dieser Tage ein Fan die Verpflichtung des 55-Jährigen. Auch das ist Volkes Stimme im Revier. Schon äußerlich, fein gekleidet, hebt sich der neue starke Mann ab vom Trainingsanzug tragenden Kollegen Büskens als Anführer des noch bis Saisonende tätigen Übungsleiter-Trios. Magath wird nicht unumstritten sein, wenn er die schwere Aufgabe auf Schalke in Angriff nimmt. Auf jeden Fall wagt der Klub mit der Entscheidung, ihm seine Zukunft anzuvertrauen, zum zweiten Mal einen tiefen Einschnitt zur Moderne. Wie vor Jahren mit dem Bau der Arena, mit der sich Schalke von der Tradition der alten Glückaufkampfbahn und des zugigen Parkstadions löste.
Die Mannschaft muss einem fast radikalen Umbruch unterzogen werden. Spieler wie Marcelo Bordon, Mladen Krstajic, Levan Kobiashvili und Gerald Asamoah haben den Zenit ihrer Karriere mehr oder weniger deutlich hinter sich. Bei Orlando Engelaar, Vicente Sanchez, Halil Altintop und Ivan Rakitic sind die Zweifel erheblich, dass sie Magaths Ansprüchen genügen. Ob Christian Pander als Profi wirklich noch eine große Zukunft hat, ist aufgrund seiner hohen Verletzungsanfälligkeit äußerst ungewiss. Rafinha wird sich womöglich schon bald verändern, um sich sportlich zu verbessern. Das Gerüst von "Schalke 2010" bilden Jermaine Jones (27) als erster Anwärter auf die Kapitänsbinde, Torhüter Manuel Neuer (23) sowie die Abwehrspieler Heiko Westermann (25) und Benedikt Höwedes (21). Vielleicht auch, trotz aller Rückschläge in seiner wechselvollen Karriere, Kevin Kuranyi (27), der mit Magath schon beim VfB Stuttgart erfolgreich zusammenarbeitete, und das vielversprechende Aachener Stürmertalent Lewis Holtby (18).
Schalke braucht dringend neue Klasse. Nur dann kann der Verein auch wieder alte Emotionen entfachen: Richtung Champions League.
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