Nach Rutten-Beurlaubung und Kahn-Absage: Schalke muss bei Null anfangen
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.03.2009 - 09:40Gelsenkirchen/Düsseldorf (RP). Königsblau darf bei den Personalplanungen bei Null anfangen. Neben einem Manager sucht der Fußball-Bundesligist neue Spieler und gleich zwei Trainer, einen bis Saisonende und dessen Nachfolger.
Clemens Tönnies hatte so ein schönes Medienspektakel angerichtet. Unmittelbar vor seiner Haustür im idyllischen Rheda-Wiedenbrück führte Schalkes Aufsichtsrats-Chef vergangene Woche öffentliche Verhandlungen mit dem früheren Nationaltorwart Oliver Kahn über den Job des Managers.
Anschließend stand für Tönnies fest, dass Kahn der richtige Mann sei. "Wir sind total d'accord. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Manager wird, ist hoch", jubelte der Fleisch-Unternehmer. Zu früh. Denn gestern sagte Oliver Kahn, der schwer Umworbene, den Schalkern ab. "Das Angebot", erklärte er, "kam sechs Monate zu früh."
Fred Rutten 2008 bis 2009
Mike Büskens 2008
Mirko Slomka 2006 bis 2008
Ralf Rangnick 2004 bis Dezember 2006
Eddy Achterberg 2004
Jupp Heynckes 2003 bis 2004
Marc Wilmots 2003
Frank Neubarth 2002 bis 2003
Huub Stevens 1996 bis 2002
Tönnies, der offenkundig zu den besonders positiv denkenden Menschen gehört, stellte im Gespräch mit der "Bild" fest: "Nicht schlimm, das reißt uns nicht um." Vielleicht erfreut er sich daran, dass Schalke bei den Personalplanungen mal so richtig bei Null anfangen kann.
Der Rauswurf von Manager Andreas Müller vor gut zwei Wochen, die Trennung von Trainer Fred Rutten vorgestern Abend, die Ankündigung des Vorsitzenden Josef Schnusenberg, man müsse nun die viel zitierte "junge, hungrige Mannschaft" aufbauen. All das steht für einen durch Missmanagement, mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit, fehlenden fußballerischen Erfolg und damit wegbrechende Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben verursachten Absturz.
Nun forschen die verbliebenen Amtsträger nicht nur nach sportlich geeigneten und billigen Spielern, sondern auch nach einem großen Manager, der das schlingernde Schiff wieder in ruhige Gewässer steuert. Zu allem Überfluss aber tun sie sich noch die Suche nach einem Übergangstrainer für die letzten neun Saisonspiele an. Den beiden nun ehemaligen Rutten-Assistenten Mike Büskens und Youri Mulder trauen sie offenbar nicht zu viel zu. Dabei hatten die von den Fans verehrten früheren "Eurofighter" und Uefa-Cup-Sieger von 1997 in der Schlussphase der vergangenen Saison entsprechendes Talent eigentlich nachgewiesen.
Immerhin führten sie als Trainer-Duo nach der Ablösung von Mirko Slomka den Klub durch eine beachtliche Siegesserie noch in die Champions-League-Qualifikation. Nun soll ein "Mann von außen", wie Schnusenberg sich ausdrückte, ähnliche Kunststücke bewerkstelligen. Der richtige Trainer, der Mann, der die Schalker Aufbauarbeit ab dem Sommer in Gang bringen soll, werde vom neuen Manager ausgesucht, erklärte der Vorsitzende. Ob sich zahlreiche erstklassige Fußballlehrer unter solchen Voraussetzungen für einen Zweimonats-Job bewerben, ist eine offene Frage.
Natürlich nicht die einzige. Auch die nach einem Manager mit Profil und einem geeigneten Trainer für die langfristige Arbeit sind nicht abschließend zu beantworten. Coach Armin Veh, mit Stuttgart 2007 Deutscher Meister, ist auf dem Markt, wie es so schön heißt. Auch der bei Galatasaray Istanbul gescheiterte Michael Skibbe wird genannt.
Die gepriesenen Manager-Kandidaten Rudi Völler, Heribert Bruchhagen und Felix Magath haben mehr oder weniger dankend abgesagt. Der Anruf bei Arsenal Londons Team-Manager Arsène Wenger war ein Dokument der Selbstüberschätzung. Wenn schon Berufsanfänger Kahn nicht will, sind die Größen der Branche für Schalke nicht zu erreichen. Vorerst nicht.
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