Schalke in der Krise: Slomka kämpft um seinen Job
zuletzt aktualisiert: 28.02.2008 - 12:56Gelsenkirchen (RPO). Die Situation ist nicht neu für Mirko Slomka: Wieder droht dem Trainer von Schalke 04 das Aus, wieder ist die Stimmung explosiv, und wieder heißt der Gegner Bayern München. Vor 15 Monaten rettete der Fußball-Lehrer seinen Job, als er Jungprofi Manuel Neuer gegen den Rekordmeister ins Tor stellte und nach dem 2:2 gegen die Bayern eine Siegesserie startete.
Jetzt hilft dem 40-Jährigen am Samstag (15.30 Uhr/LIVE!-Ticker) wohl nur ein Dreier gegen den Bundesliga-Tabellenführer.
Nach "Slomka raus"-Rufen der Fans, klaren Worten von Präsident Josef Schnusenberg ("Wir haben Handlungsbedarf") und einer Krisensitzung mit Manager Andreas Müller hängt vom Bundesliga-Schlager sowie vom Achtelfinal-Rückspiel vier Tage später beim FC Porto ab, ob der Trainer auf Schalke noch eine Zukunft hat.
"Es gibt kein Ultimatum", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zwar, doch der starke Mann bei den Königsblauen stellte auch klar: "Es geht einzig und allein darum, die Ziele zu erreichen."
Und das wichtigste Ziel des Vizemeisters ist es, sich erneut für die Champions League zu qualifizieren. Nach der 0:1-Niederlage beim direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen liegen die Schalker, die in dieser Saison schon 28 Millionen Euro in der Königsklasse einnahmen, drei Punkte hinter Rang drei zurück.
"Wenn wir die nächsten Spiele erfolgreich bestreiten, dann geht's weiter", sagte Tönnies, ließ aber offen, was passiert, wenn Slomka keinen Erfolg hat.
Nach der öffentlichen Kritik der Führungsetage und klaren internen Worten hat der Coach mittlerweile Fehler eingeräumt. "Die jüngsten Niederlagen kreide ich mir persönlich an", sagte der Coach im Interview mit dem Fachblatt kicker: "Ich habe nicht die richtigen Maßnahmen getroffen, um der Mannschaft zu helfen."
Vorgehalten wird Slomka vor allem, dass er die drei Neuzugänge Albert Streit, Ze Roberto und Vicente Sanchez nur sehr selten einsetzte. Das Trio war in der Winterpause für rund sechs Millionen Euro verpflichtet worden.
Mindestens einer der drei werde gegen Bayern in der Startelf stehen, kündigte der Trainer an, wobei er Ze Roberto wegen fehlender Fitness noch ausschloss. Dass Slomka zuletzt eher die formschwachen Peter Lövenkrands und Halil Altintop statt der Neuen einsetzte, brachte vor allem Vereinschef Schnusenberg auf die Palme.
Der Präsident, der schon im Oktober öffentlich den Trainer kritisiert hatte, legte nach und dachte laut über "einen Chefcoach, der internationales Standing hat," nach.
Slomka wiederum kritisierte den Kritiker. "Wir sollten diese Dinge intern besprechen", sagte er, "was jetzt passiert ist, stärkt ja nicht gerade meine Position." Die wurde auch nicht gerade dadurch gestärkt, dass Führungsspieler wie Kapitän Marcelo Bordon öffentlich ein härteres Durchgreifen des Trainers forderten.
Slomka, seit seiner Beförderung vom Assistenten zum Chef im Januar 2006 von vielen als der "nette Mirko" wahrgenommen, kündigte selbst nach der 1:2-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg vor zwei Wochen eine "harte Hand" an. Auf die Frage, was sich danach im Umgang geändert habe, antwortete Stürmer Kevin Kuranyi vielsagend: "Nichts."
Vor anderthalb Jahren rettete sich Slomka durch einen völlig überraschenden Schachzug: Für Routinier Frank Rost schickte er den damals 20-jährigen Neuer ausgerechnet gegen die Bayern ins Tor. Was wie eine Verzweiflungstat aussah, brachte Erfolg. Mit dem Nachwuchskeeper zwischen den Pfosten gewannen die Königsblauen zehn der nächsten elf Spiele und stürmten an die Tabellenspitze - um am Ende die Meisterschaft aber doch noch zu verspielen.
Diesmal ist die Situation ungleich prekärer: Während damals der Rückstand auf Spitzenreiter Werder Bremen nur drei Punkte betrug und lediglich die Tordifferenz die Schalker von Rang drei trennte, ist Tabellenführer FC Bayern jetzt schon neun Zähler enteilt. Und im Rennen um die Champions-League-Plätze haben Bremen, der Hamburger SV und Leverkusen bessere Karten.
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