Schalker Plan gescheitert: Warum musste Rutten gehen?
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 27.03.2009 - 10:31Gelsenkirchen (RP). Das Chaos beim Revierklub geht weiter. Schalke hat seinen holländischen Fußballlehrer am Donnerstagabend beurlaubt. Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck sollen zunächst das Training bei den Königsblauen leiten.
Am Donnerstagmorgen stand Fred Rutten als oberster Übungsleiter von Schalke 04 auf dem Trainingsplatz. Ein Schwätzchen mit den Fans, ein kleiner Scherz mit den Spielern – der Holländer schien von den Turbulenzen im Klub unbelastet. Wahrscheinlich wusste er, dass es sein letzter Arbeitstag auf Schalke war.
Am Donnerstagabend hat ihn der Klub schließlich mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Im Anschluss ans Training hatte Rutten bereits verraten: "Geschäftsführer Peter Peters hat mir gesagt, dass es in der nächsten Saison keine Zukunft für Fred Rutten auf Schalke gibt." Zunächst sollen Youri Mulders, Mike Büskens und Oliver Reck das Training leiten.
Die meisten Wegbegleiter des Klubs hatten das längst geahnt. Ihre Vermutung: Schalke feuerte Rutten nicht zugleich mit Manager Andreas Müller vor zwei Wochen, weil der Klub auf eine preiswerte Lösung hoffte. Auch bis Gelsenkirchen hatte sich herumgesprochen, dass Rutten bei PSV Eindhoven als erster Kandidat für den Cheftrainer-Posten gehandelt wird.
Die Rechnung der königsblauen Unternehmensführung: Sollte Schalke den Holländer in dessen Heimat weiterreichen können, würde es sich eine Abfindung sparen, auf die der Coach durch seinen erst 2010 endenden Vertrag ein Recht hätte. Deshalb wollten sich die Gelsenkirchener bis zum Sommer mit Rutten durch eine verkorkste Saison mogeln.
Derartige Pläne hat der Trainer gestern durchkreuzt, indem er die Botschaft der Geschäftsführung ausplauderte. Damit machte er sich selbst zur "lahmen Ente", wie in der Politik Führungsfiguren genannt werden, deren Amtsende abzusehen ist. Ein angezählter Trainer wäre in der Mannschaft ohne Einfluss. Schalke musste darauf reagieren. Zähneknirschend. Denn der Abschied vom Niederländer, der mit großen Vorschusslorbeeren angetreten war und den Klub eher zurückentwickelte, kostet viel Geld.
Das passt gerade gar nicht, weil der einstweilen ehemalige Verfolger von Bayern München in dieser Saison in allen Wettbewerben gescheitert ist, was Josef Schnusenberg einräumte. Folgerichtig rief der Vorsitzende den Jugendstil aus. Schalke müsse wegen der verpassten Einnahmen auf junge Leute setzen. Den Themen Meisterschaft und Champions League erteilte Schnusenberg mittelfristig eine Absage. Aber er hoffe, "dass der neue Manager dieses Konzept mitträgt".
Das ist nicht heraus. Denn Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies hat bei der Suche nach einem Nachfolger für Müller alles auf die Karte Oliver Kahn ("ein geiler Typ") gesetzt. Ob der erfolgsbesessene und in 14 Münchner Jahren erfolgsverwöhnte Kahn sich derartige Basisarbeit im größten Sparklub des Reviers antun will, ist eher fraglich.
Es ist nicht mal sicher, dass Kahn das Schalker Angebot annimmt. Bislang gibt der frühere Titan den Staatsmann und begegnet der Einschätzung von Tönnies, "wir sind total d'accord", mit der kühlen Bemerkung: "Es war ein interessantes Informationsgespräch." Vielleicht muss Tönnies nach einer neuen Trumpfkarte suchen.
Die Gründe für Ruttens Rauswurf:
- Zu keinem Zeitpunkt war eine spielerische Weiterentwicklung oder Ruttens Handschrift zu erkennen
- sportliche Ziele weit verfehlt (0-4 in Madrid (CL-Quali), Aus in der Uefa-Cup-Gruppenphase, peinliche Niederlage in Mainz (Viertelfinale DFB-Pokal), Rückstand auf die Europacup-Plätze beträgt sieben Punkte)
- mangelnde Außendarstellung
- das sture Festhalten am der 4-3-3-Taktik
- Schwierigkeiten mit Abwehrchef Marcelo Bordon - bis hin zur Niederlegung des Kapitän-Amtes
- Orlando Engelaar: Ruttens Wunschspieler war ein Fehleinkauf
- Kritik der Führungsspieler in der Winterpause
- Rauswurf von Müller (Zitat Müller: "Rutten und Müller gibt es nur im Doppelpack")
- das letzte Spiel gegen den HSV, emotionsloser geht es kaum
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