Bundesliga: Wer hat auf Schalke das Sagen?
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 07.04.2009 - 06:16Bielefeld (RP). Wer hat auf Schalke eigentlich derzeit etwas zu sagen? Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies nicht, der Vorsitzende Josef Schnusenberg nicht, Interimstrainer Mike Büskens nicht. Die Fans reden derweil nicht nur an den Stammtischen, sondern verfügen inzwischen über Richtliniekompetenz. "Vorstand & Tönnies – Maul halten", stand auf einem Transparent.
Clemens Tönnies nahm es zur Kenntnis. Der Aufsichtsratsvorsitzende, der sich in Szene zu setzen versteht und das Blitzlichtgewitter nicht scheut, was er beim pompös inszenierten Treffen mit Oliver Kahn eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, war beim 2:0-Sieg in Bielefeld für Antworten nicht zu haben.
Josef Schnusenberg versteckte sich optisch zwar nicht, wohl aber akustisch: "Ich halte mich an das Plakat. Das war so groß, das war ja nicht zu übersehen." So blieb auch die Frage unbeantwortet, ob er denn inhaltlich überhaupt etwas Neues zu den Manager- und Trainerfragen hätte beisteuern können.
Mike Büskens zeigte Flagge. "Ich hab' schon zu Hause relativ wenig zu sagen. Da glaube ich nicht, dass ich auf Schalke die Manager-Frage mitentscheiden kann. Das haben andere zu entscheiden." Der Blondschopf, der im Trainer-Trio mit Youri Mulder und Oliver Reck eindeutig die Rolle des Frontmanns übernommen hat, hat aber deutliche Unterschiede zum Vorjahr ausgemacht, wo er nach der Entlassung von Mirko Slomka als Interimscoach mit Mulder 16 von 18 Punkten holte und mit Schalke noch Dritter wurde: "Erstens hatte der Verein damals mit Andy Müller einen Manager. Zweitens war es diesmal noch viel unruhiger."
Seine Hoffnung, dass der Verein durch Erfolge etwas zur Ruhe kommt, ging nur halbwegs in Erfüllung. Der zur Selbstüberschätzung neigende Rakitic motzte, weil er nicht in der Startelf stand. Sanchez regte sich auf, als er kurz vor Schluss ausgewechselt wurde. All das nahm Büskens gelassen: "Wir haben eine Menge Top-Spieler, aber es können nur elf spielen. Ich denke nicht, dass Altintop ein schlechtes Spiel gemacht hat. Und soll ein Spieler klatschen, wenn er ausgewechselt wird?"
Offen ist auch die die Zukunft von Marcelo Bordon. "Ich habe wieder Spaß am Fußball. Wenn der Verein mit mir zufrieden ist, bleibe ich", sagte der Brasilianer, der Tage zuvor seinen Abschied in Aussicht gestellt hatte und gerne gebeten werden möchte. Dass der so um Anerkennung bettelnde Innenverteidiger einen Vertrag bis 2010 hat, kommt ihm dabei nicht in den Sinn.
Bleibt die Frage, ob Büskens über das Saisonende hinaus die Verantwortung als Trainer tragen will. "Wenn wir verloren hätten, würde mich das keiner fragen", sagte er und bewies großen Realitätssinn. Auch er will sich zu Personal- undZukunftsfragen verbal nicht äußern. Braucht er auch nicht. Er kann Erfolge sprechen lassen.
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