Fortuna Düsseldorf: Fortunas Baustellen vor dem Derby in Gladbach
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 07:47Düsseldorf (RP). Die 2:3-Pleite gegen den FC Augsburg legte Probleme beim Aufsteiger offen.
Auf den Straßen der Landeshauptstadt wurde am Sonntagnachmittag alles von der Warnung vor dem gefürchteten Eisregen beherrscht. Der größte anzunehmende Unfall ereignete sich in sportlicher Hinsicht jedoch nicht draußen, sondern unter dem Hallendach. Das der Esprit-Arena war wegen des drohenden Unwetters während der Bundesliga-Partie Fortuna Düsseldorfs gegen den FC Augsburg geschlossen geblieben – für sich genommen bereits ein Kuriosum, das die Profis des Aufsteigers mit ihren skurrilen Patzern bei der 2:3-Niederlage jedoch spielend überboten. Fünf Baustellen machten Trainer Norbert Meier beim missratenen Rückrunden-Auftakt die meisten Sorgen.
Baustelle eins – die Abwehr. "Wir haben nicht erst gegen Augsburg gesehen, dass uns die Sicherheit der Hinrunde noch fehlt", sagt Meier. Stimmt, denn schon in den Testspielen während des Trainingslagers in Marbella (0:3 gegen Mainz und 4:1 gegen Mons) sowie beim Wintercup-Turnier (0:1 gegen Dortmund und 2:2 gegen Lüttich nach je 45 Minuten) hatte die Düsseldorfer Defensive bedenkliche Schwächen offenbart. Grundsätzlich sind sie nachvollziehbar, fehlen doch in den Langzeitverletzten Bruno Soares und Jens Langeneke sowie dem nach langer Pause verunsicherten Stelios Malezas wichtige Säulen. Bemerkenswert nur, dass Fortuna diese Ausfälle zum Jahresende (ausgenommen die Pokalpleite in Offenbach) bestens kompensierte.
Baustelle zwei – die Spielweise. "Was uns in den vergangenen Monaten stark gemacht hat, war unsere Aggressivität", erklärt der Trainer. "Sie ist uns speziell in der ersten Hälfte abhanden gekommen." Deutlich wurde das am Gelbe-Karten-Verhältnis: eine (wegen Reklamierens) gegen Fortuna, vier gegen den FCA. Bis zum West-Derby in Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr) muss die Aggressivität zurück sein, sonst kann der Aufsteiger auch im Borussia-Park keinen Blumentopf gewinnen.
Baustelle drei – der Torhüter. Fabian Giefer war in der Hinrunde der alles überragende Spieler bei Fortuna. Der 22-Jährige wurde sogar ins U21-Nationalteam berufen, geriet ins Blickfeld des FC Schalke. Gegen Augsburg unterliefen Giefer zwei spektakuläre Fehler, die zu Gegentreffern führten – auch wenn beiden Aktionen Patzer von Mitspielern (Juanan, Oliver Fink, Tobias Levels) vorausgingen. "Wir wollen und werden Fabian jetzt nicht an die Wand nageln", versichert Meier. "Ich hoffe jedoch, dass er die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel zieht. Er muss im Kopf klar bleiben."
Baustelle vier – die fehlende Kommunikation. Eklatant war dieser Missstand beim 0:1, als Giefer Juanan nicht vor dem drohenden Unheil warnte. Aber auch in der Offensive hakte es – zum Beispiel, als Ken Ilsø bei einer Freistoßserie immer schwächer schoss, die Kollegen aber dennoch nicht ans Werk ließ. Das fuchste Meier: "Ken muss auch mal abgeben können."
Baustelle fünf – die Fans. Sie könnte unterm Strich zum schwierigsten Problem werden, weil Meier und die Spieler darauf den geringsten Einfluss haben. Der zumindest vorläufige Rückzug der "Ultras" aufgrund eines Machtkampfes in der Fankurve führte gegen Augsburg über weiter Strecken zu einer Atmosphäre wie in einem Konzertsaal. Fortuna ist jedoch darauf angewiesen, dass ihre Anhänger sie so frenetisch und nachhaltig unterstützen wie in der Vorrunde. Die Fans haben den Düsseldorfern etliche Punkte gewonnen, und das muss auch in den nächsten Monaten so sein.
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