Fortuna Düsseldorf: Reisinger – der traurige Torjäger
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 12:04Düsseldorf (RPO). Stefan Reisinger traf gegen Augsburg zweimal, konnte sich aber wegen der 2:3-Niederlage nicht darüber freuen.
Es hätte ein ganz großer Tag in der Karriere des Stefan Reisinger werden können. Zwei Treffer hatte der 31-jährige Angreifer des Bundesligisten Fortuna bereits erzielt an diesem Sonntagabend, und tief in der Nachspielzeit eröffnete sich plötzlich die Chance zum dritten. Reisinger stürmte an seinem Augsburger Gegenspieler Jan-Ingwer Callsen-Bracker vorbei, spielte auch noch Torhüter Alexander Manninger aus und schob den Ball ins Netz. Doch obwohl die große Mehrzahl der 40.623 Zuschauer Jubelschreie ausstieß, war's nichts mit Reisingers Dreierpack: Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte ein Foul des Fortunen Dani Schahin gesehen und verweigerte dem Treffer die Anerkennung.
"Ich weiß nicht, was Herr Gräfe da gesehen hat", kommentierte "Reise" hinterher kopfschüttelnd. "Aus meiner Sicht war alles regulär, ich habe kein Foul bemerkt." Die Fernsehbilder gaben dem Stürmer Recht. Allenfalls konnten die Augsburger geltend machen, dass sie durch Gräfes unverständlichen Pfiff frühzeitig die Arbeit einstellten, worauf sich Callsen-Bracker in der Interviewzone auch wortreich zurückzog. Zweifel sind dabei allerdings angebracht, denn beim Betrachten der TV-Bilder wächst der Eindruck, dass der Augsburger Reisinger auch bei vollem Einsatz nicht mehr gestoppt hätte.
Reisinger kämpfte mit den Tränen
Dafür freilich kann sich der Fortune nichts kaufen. Statt des 3:3 mit drei Reisinger-Treffern wurde es ein 2:3, und so war es für den früheren Freiburger trotz seines Doppelpacks, der ihn in der internen Torschützenliste des Aufsteigers mit dem bis dato allein führenden Schahin (je fünf Treffer) gleichziehen ließ, ein trauriger Tag. Die Szenen nach Gräfes Abpfiff dokumentierten das deutlich: Der sonst so fröhliche Landshuter stand fassungslos auf dem Rasen, kämpfte sogar mit den Tränen.
"Heute sind wir am Boden zerstört", sagte Reisinger. "Mir ist unerklärlich, warum wir so lange so passiv aufgetreten sind." Das traf auch auch auf ihn selbst zu. Reisinger, der doch so sehr von seiner Dynamik und seinen mutigen Antritten lebt, wirkte über weite Passagen des Augsburg-Spiels seltsam teilnahmslos, kam überhaupt nicht in die Zweikämpfe, geschweige denn zu gefährlichen Szenen. Erst, als Robbie Kruse ihm mit einem sehenswerten Solo das 1:3 auflegte, platzte der Knoten – und das nachhaltig. Um ein Haar wäre Reisinger dank seiner besonderen Qualität, niemals aufzugeben, noch der Held des Tages geworden. Wie schon beim 2:0 gegen den HSV oder beim 1:1 in Dortmund, als er den Meister mit seinem Kopfball zum verdienten Ausgleich schockte.
"Seit diesen Spielen lief es in Düsseldorf so, wie ich mir das vorgestellt habe", erklärt der 31-Jährige lächelnd. "Ich gebe zu, dass mein Tor gegen Hamburg für mich persönlich ganz wichtig war. Vorher war ich wegen des unglücklichen Starts mit zwei Knieverletzungen und einer Grippe schon sehr frustriert. Als der Ball einschlug, fiel mir ein Stein vom Herzen."
"Ich stecke in dieser Schublade fest"
Schließlich war er mit großen Erwartungen nach Düsseldorf gekommen. Reisinger wollte endlich heraus aus der Schublade des Einwechselspielers, in die er beim SC Freiburg geraten war. "Ich steckte in dieser Schublade fest", erinnert er sich. "Und es haben mir auch einige andere Dinge dort nicht mehr gefallen. Dennoch fiel mir der Wechsel nicht leicht, denn Freiburg war schon eine Komfortzone. Auch, weil ich dort Publikumsliebling war."
Bei Fortuna traf er jedoch mindestens ebenso begeisterungsfähige Fans an, und deshalb gefiel es ihm auch trotz seiner Verletzungsprobleme gleich sehr gut. Reisingers Erwartungen sind jedoch noch höher gesteckt: "Je länger ich bei einem Verein bin, desto mehr kann ich mich einbringen, desto besser werde ich. Ich muss die Leute erst richtig kennenlernen." Dies gilt in Düsseldorf besonders, denn Fortuna ist seine erste Station nördlich des Weißwurst-Äquators. "Ich dachte mir", erklärt der gelernte Bankkaufmann und geprüfte Schiedsrichter, "das solltest du noch mal anpacken." Und folgt hinterher vielleicht eine Zukunft als Referee, um Pannen a la Gräfe zu vermeiden? "Sicher nicht", sagt Reisinger. "Dafür bin ich schon zu alt."













