Hertha BSC Berlin: Woronin hüllt sich in Schweigen
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 20.02.2009 - 08:30Berlin (RPO). Nein, Andrej Woronin will immer noch nichts sagen. Wortlos stapft er nach dem Donnerstagstraining als Erster in die Kabine. Nach seinem Doppelpack am Samstag beim 2:1-Sieg von Hertha BSC gegen den FC Bayern hatte der 29-jährige Ukrainer sein grundsätzliches Interesse an einem längerfristigen Engagement an der Spree bekundet, seitdem hüllt er sich in Schweigen.
Sein Berater Andrej Golowasch war in den vergangenen Tagen zu ersten Verhandlungen in der Hauptstadt, aber eine Entscheidung ist noch längst nicht gefallen. Bis 2011 steht Voronin noch beim englischen Premier-League-Klub FC Liverpool unter Vertrag, er läuft in dieser Saison nur als Leiharbeiter für die Hertha auf. Für einen Kauf müssten die Berliner vier bis fünf Millionen Euro hinlegen, dazu würde das Gehalt in ähnlicher Höhe pro Jahr kommen.
Für Hertha ist das eine Menge Geld, und so feilt Manager Dieter Hoeneß an einer "kreativen Lösung". Das könnte bedeuten: Woronin, der in der laufenden Spielzeit bislang sechs Mal getroffen hat, wird erneut ausgeliehen. "An unserer wirtschaftlichen Situation hat sich nichts geändert: Wir müssen jeden Euro umdrehen", erklärt Hoeneß in diesen Tagen immer wieder.
Abhilfe schaffen würde die Qualifikation für die Champions League, die mindestens 15 Millionen Euro in die Vereinskasse spülen würde. Ob das wirklich gelingt, steht aber eben erst im Mai fest. Und so lange will Woronin nicht warten. Der "Bild" sagte er: "Ich habe eine große Familie. Deshalb will ich früh wissen, wo es hingeht. Auch wegen der Kindergartenplätze."
Was wird aus Pantelic?
Aus finanzieller Sicht wäre es ohnehin viel einfacher, sich für den anderen Top-Stürmer in den eigenen Reihen zu entscheiden: Marko Pantelic. Auch der Vertrag des 31-Jährigen, der gegen Wolfsburg verletzungsbedingt fehlen wird, läuft am Saisonende aus, der Klub müsste nur das Gehalt des Spielers erhöhen. Pantelic hat in dieser Saison bislang ebenfalls sechs Tore erzielt und ist der Liebling der Fans: Beim Sieg gegen die Bayern saß er verletzt auf der Tribüne und wurde mit Sprechchören von den Anhängern gefeiert.
Während das Umfeld den Serben liebt, ist Trainer Lucien Favre gegen eine Weiterbeschäftigung. Der exzentrische, launige Torjäger und der disziplinfanatische, etwas unterkühlte Schweizer – das passte von Anfang an nicht so richtig zusammen. Weil Pantelic vor einigen Wochen außerdem ein Angebot des Klubs ausgeschlagen und selbst horrende Forderungen gestellt hat, werden sich die Wege im Juni aller Voraussicht nach trennen.
"Wir warten erst einmal ab", sagt Hoeneß vor dem Auswärtsspiel in Wolfsburg, wo die Hertha die gerade erst errungene Tabellenführung mit einem Sieg unbedingt verteidigen will. "Wir können gut mit der Situation umgehen. Wir haben keinen Druck", erzählte Arne Friedrich nach dem Donnerstagstraining den knapp 20 Journalisten, die neben dem Trainingsplatz auf den Kapitän gewartet hatten. Sie waren beinahe die einzigen Zaungäste: Ganze vier Fans wollten ihre Helden bei Schneefall und eisigen Temperaturen hautnah erleben. Der große Fußball-Hype ist in der Hauptstadt trotz Herthas Wintermärchen noch nicht ausgebrochen.
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