Profi-Fußballer hält Druck nicht stand: Jan Simak bis auf weiteres krankgeschrieben
zuletzt aktualisiert: 30.09.2003 - 15:26Hannover (rpo). Jan Simak vom Bundesligisten Hannover 96 ist körperlich und nervlich nicht mehr in der Lage, dem Druck des Profi-Fußballs standzuhalten. Leverkusens Vereinsinternist schrieb den Tschechen bis auf weiteres krank.
Fußball-Profi Jan Simak vom Bundesligisten Hannover 96 ist wegen eines Erschöpfungssyndroms bis auf weiteres krankgeschrieben worden. Dies teilten Hannover und der Ligakonkurrent Bayer Leverkusen in einer Pressemitteilung mit. Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler fühle sich zurzeit nervlich und körperlich nicht in der Lage, dem Druck des Profi-Fußballs standzuhalten. Die Untersuchung nahm am Dienstag Bayers Vereinsinternist Dr. Karl-Heinz Dittmar vor. Simak hatte bei einem Treffen am Montag in Frankfurt/Main seine Probleme offen dargelegt. Der Spieler wird fachärztlich behandelt. Wahrscheinlich muss sich der psychisch angeschlagene und labile Simak einer Therapie wegen seiner Depressionen und Erschöpfungszustände unterziehen. Ob überhaupt oder wann er wieder für Hannover spielen kann, steht zurzeit nicht fest.
Wunsch nach Karriereende
An den Gerüchten, die aus Tschechien herüberdrangen, war etwas dran: Hannovers Profi Jan Simak ist wieder in Deutschland aufgetaucht und bekennt sich öffentlich zu seinem Wunsch nach dem Karriereende: "Ich halte den öffentlichen Druck nicht mehr aus", erklärt er in einem Zeitungs-Interview am Dienstag. Der 24 Jahre alte Tscheche begründete mit diesen Worten in der "Neuen Presse" (Dienstag-Ausgabe) in Hannover seinen Entschluss.
Diese Aussage rief die Sportliche Leitung auf den Plan. 96-Cheftrainer Ralf Rangnick und Sportdirektor Ricardo Moar verhandelten am Montagabend nach Angaben der Zeitung zusammen mit Jan Simak und Vertreter seiner Beraterfirma "Rogon" in einem Hotel in Frankfurt/Main um die Fortsetzung der Karriere des Tschechen. Mit am Tisch saß Manager Reiner Calmund, dessen Club Bayer Leverkusen Simak für ein Jahr an Hannover 96 ausgeliehen hat. "Wir wollen Jan deutlich machen, dass es um die Erfüllung seines Vertrags geht. Ich bestehe jedenfalls darauf", bestätigte 96-Clubchef Martin Kind die Gespräche am Main. Er fügte hinzu: "Die Spieler können nicht nur immer Forderungen stellen, sie haben auch Pflichten."
Leverkusen, das Simak vor Saisonbeginn an die Leine auf Leihbasis zurückkehren ließ, will dem Tschechen jede Unterstützung zukommen lassen. "Jan ist krank, er wird sicherlich so schnell nicht zurückkommen", sagte Calmund, "wir müssen ihm jetzt menschlich und persönlich helfen. Vertragsfragen stellen sich im Augenblick nicht."
Simak kann nicht mit Freigabe rechnen
Mit der Freigabe für einen anderen Verein kann Simak jedenfalls nicht rechnen. Der seit vergangenem Mittwoch verschwundene Spieler des Bundesligisten war nach Auskunft seines Beraters Christoph Leutrum am Montag nach Deutschland zurückgekehrt. "Es gibt Gespräche zwischen allen Beteiligten. Wahrscheinlich können wir am Dienstag eine Erklärung abgegeben", sagte Leutrum, dessen Agentur Rogon den Spieler vertritt. Der Berater hatte sich tags zuvor mit Simak in Prag getroffen. Über die Zukunft des Spielers konnten weder der Verein noch die Beraterfirma eine Auskunft geben.
"Wir kennen die Hintergründe nicht", meinte Kind. Simak hatte sich tagelang nicht bei seinem Arbeitgeber und bei seinem Berater gemeldet. Die Gerüchte über sein Abtauchen reichten von Depressionen über Liebeskummer bis zur Fußballmüdigkeit.
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