Eigentor zum Ausgleich: Keine Vorwürfe an Strasser
VON O.E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 17.10.2005 - 09:22Mönchengladbach (RP). Die Binde am Arm, das Zeichen „Hier ist der Kapitän“: Sie erfordert die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Bringt aber auch Ansehen und Geld. Die meisten tragen sie gerne. Auch Jeff Strasser, der sie vom verletzten Christian Ziege übernahm. Und der Luxemburger erfüllt diese Aufgabe gut.
Wie Frank Baumann bei Werder Bremen. Zwei, die sich stellen. Aber auch mehr als andere in den Blickpunkt rücken, wenn Fehler unterlaufen. Spielentscheidende Eigentore zum Beispiel. Wie Baumanns „Siegtreffer“ zu Borussias 2:1 gegen Werder. Und nun Jeff Strassers Patzer in Stuttgart, der in der 89. Minute den verdienten Sieg kostete.
Ein wunderschöner Heber, wie er ihn gewollt kaum hinbekommen hätte: Der Kapitän lupfte den Ball beim Rettungsversuch („Wenn ich nicht hingegangen wäre, hätte ein Stuttgarter ihn reingemacht“, meinte er) über seinen verdutzten Torhüter Kasey Keller unter die Latte ins Netz. „Das ist Pech. Aber so ist nun mal Fußball“, sagte Strasser später.
Da hatte er in der Kabine nur Trost und Zuspruch erhalten. „Kein Vorwurf an Jeff. Er war sehr unglücklich. Aber so etwas passiert“, nahm auch Trainer Horst Köppel den Kapitän in Schutz: „Es ist okay, wie er spielt.“
Dass Strasser überhaupt spielte, hatte eine schmerzstillende Spritze ins linke Knie ermöglicht. Dort steckt ein dicker Bluterguss, ist das hintere Kreuzband überdehnt. Deshalb hat er vorige Woche auf zwei Länderspiele mit Luxemburg verzichtet, sich lieber für Borussia geschont und dann in Stuttgart gespielt: „Es kann nichts kaputt gehen, sagt der Arzt.“
Weniger Schmerz bei Erfolg
Ohne Jeff Strasser oder andere herabzusetzen: Wenn der Erfolg da ist, spürt man den Schmerz weniger, will unbedingt spielen. Wie auch die angeschlagenen Oliver Neuville, Niels Oude Kamphuis und Marcell Jansen in Stuttgart. Oder man horcht weniger sorgenvoll als sonst in sich hinein, wie Thomas Broich, der wegen seines Knöchels wenig trainiert hatte - und in Stuttgart maßgeblich zur spielerischen Überlegenheit Borussias beitrug.
„Gladbach war sehr gut organisiert und hat sofort gekontert. Mit kühlem Kopf , abgebrühter, als wir es waren“, sagte VfB-Trainer Giovanni Trapattoni. „Zum Glück für uns hat es nur das 1:0 gemacht.“
Und zum Glück für Stuttgart ließen in der Schlussphase die Kräfte vor allem bei Borussias „Sorgenkindern“ nach. Der Spielfluss ging verloren, weil der Trainer auswechseln musste. Die Mannschaft zog sich zu sehr zurück, brachte den VfB wieder ins Spiel und zu Torchancen.
Zweimal rettete Kasey Keller, doch dann war auch er gegen Strassers Lupfer machtlos. Besonders ärgerlich, weil Vaclav Sverkos zuvor eine Riesenmöglichkeit verpasst hatte. Köppel hatte ihn für den (leicht verbesserten) Kahê eingewechselt, weil er sich mehr Kontergefährlichkeit von ihm erhoffte. Doch das ging überhaupt nicht auf.
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