Bochum unter Druck: Neururer lässt sich keine Krise einreden
zuletzt aktualisiert: 21.10.2004 - 11:26Bochum (rpo). Der schlechteste Saisonstart seit sieben Jahren, das frühe Ausscheiden sowohl im DFB-Pokal als auch im Uefa-Cup sind Tatsachen, die auch die Verantwortlichen des VfL Bochum nicht schönreden können. Dennoch befindet sich das Überraschungsteam des Vorjahres nach eigener Ansicht keineswegs in einer Krise.
"Wenn ich merken würde, dass hier irgendetwas nicht stimmt, würde mich das nachdenklich machen. Das ist nicht der Fall. Die Truppe ist fit und in sich stimmig. Es gibt nichts, was zu verändern wäre", meinte Trainer Peter Neururer. Bei seinen Lösungsansätzen kommt der VfL-Coach immer wieder zum selben Ergebnis. "Wir müssen weiter konzentriert arbeiten, dann wird sich der Erfolg einstellen - ganz sicher."
Der 49-Jährige besitzt nach wie vor volle Rückendeckung aus der Klubspitze. "Es ist ja nicht so, dass die Mannschaft vor sich hin dümpelt. Wir haben jede Menge Fakten an der Hand, die es uns erlauben, optimistisch in die Zukunft zu blicken", erklärte Vorstandsmitglied Dieter Meinhold. Wie Neururer ("Wir haben die Seuche") hadert auch der VfL-Manager lieber mit höheren Mächten. Fehlentscheidungen der Schiedsrichter hätten dem Team jeweils zwei Punkte in den Spielen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund (je 2:2) gekostet, die Niederlage im DFB-Pokal beim SC Freiburg (2:3 nach Verlängerung) sei beinahe ebenso unglücklich zustande gekommen wie das bittere Uefa-Cup-Aus gegen Standard Lüttich (0:0, 1:1).
"Wir haben zu wenig Punkte. Das ist alles. Völlig klar, dass dann die Lockerheit fehlt", meinte Neururer, der immerhin zugibt, dass diese Situation "völlig neu" für ihn sei und einige Gefahren birgt. "Richtungweisend" nennt er die kommenden Partien beim VfL Wolfsburg, gegen Borussia Mönchengladbach und bei Hannover 96: "Wenn wir von diesen drei Spielen keins gewinnen, hängen wir unten drin."
Hashemians große Fußstapfen
Dass der 49-Jährige mit dieser Aussage ebenso Recht hat wie mit seiner These, der aktuelle Kader sei qualitativ besser als der aus der Vorsaison, bezweifeln dagegen immer mehr Fans. Neuzugang Vratislav Lokvenc, der bislang den zu Bayern München abgewanderten Vahid Hashemian nicht ansatzweise ersetzen konnte, wurde sogar während des Spiels gegen Rostock (0:1) von einem Teil der eigenen Anhänger ausgepfiffen.
Doch nicht nur Lokvenc hat Probleme. Tommy Bechmann und Christoph Preuß konnten den Tschechen im Sturmzentrum bislang selten entlasten oder mit verwertbaren Flanken bedienen. Peter Madsen ist nach sechswöchiger Verletzungspause noch nicht wieder der Alte. Der Ex-Hamburger Marcel Maltritz erobert im defensiven Mittelfeld jede Menge Bälle, mit einer konstruktiven Spieleröffnung tut er sich allerdings schwer. Dass auf dieser Position das Fehlen von Sunday Oliseh, der in der Vorsaison nach seinem Kopfstoß gegen Hashemian den Verein verlassen musste, sportlich besonders schmerzt, gibt beim VfL niemand gerne zu.
Maltritz' Nebenmann Thomas Zdebel - seit kurzem Vater von besonders nachtaktiven Zwilligen - wirkt müde und organisiert das Mittelfeld nicht so gut wie in der Vorsaison. In der Viererkette harmonierte Abwehrchef Raymond Kalla zuletzt weder mit Aleksander Knavs noch mit Martin Meichelbeck so sehr wie zuvor mit Jung-Nationalspieler Frank Fahrenhorst, der mittlerweile bei Double-Gewinner Werder Bremen unter Vertag steht. Bislang neun Gegentore allein im Ruhrstadion sprechen Bände - in der kompletten letzten Saison kassierte der VfL in der heimischen Arena nur sechs Treffer.
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