Profi bleibt verschollen - Einmaliger Fall: Simak schlabberte Psycho-Sitzungen
zuletzt aktualisiert: 28.09.2003 - 12:49Hannover (rpo). Nach wie vor gibt es von Jan Simak kein Lebenszeichen. Der kapriziöse Mittelfeld-Künstler von Hannover 96 bleibt verschollen. Einem "Focus"-Bericht zufolge soll er sich bereits im Juli mit einer Psycho-Therapie einverstanden erklärt haben - aber nie zu den Sitzungen erschienen sein.
Dies meldet das Münchner Nachrichten-Magazin Focus in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Christoph Graf Leutrum, Berater des Tschechen, hatte im Verlauf der Nachforschungen zu Simaks aktuellem Aufenthaltsort bestätigt, dass der Spielmacher des Bundesliga-Siebten phasenweise unter Depressionen leide. Gegenüber dem Focus stellte 96-Präsident Martin Kind dem 24-Jährigen ein Ultimatum: "Wenn Jan wieder da ist, muss er endlich professionelle Hilfe annehmen."
Am Sonntag sagte Kind: "Wir haben weder einen Brief, eine Nachricht noch sonst etwas Konkretes vorliegen. Christoph Leutrum ist ebenso ratlos: "Wir sind in der Sache bisher nicht voran gekommen. Es besteht kein persönlicher Kontakt zum Spieler, um den wir uns aber ständig bemühen." Seit Mittwoch wird der Spieler, der bisher zwei Saisontore für die Niedersachsen erzielt hat, vermisst.
Solange fehlte noch kein Profi
Der "Fall Simak" ist in der Fußball-Bundesliga einmalig. "Solange hat sich noch kein Profi unentschuldigt von seinem Arbeitsplatz entfernt", sagte Sportdirektor Ricardo Moar. Er glaubt nicht an Probleme wie Liebeskummer, Depressionen oder Fußball-Müdigkeit, die Jan Simak nach seinem Abtauchen nachgesagt wurden. Allerdings bestätigte Leutrum: "Jan unterliegt oft Stimmungsschwankungen. Sie sind aber so extrem wie in diesem Fall bisher nicht aufgetreten."
Kind bestätigte: "Es gab für dieses Verhalten keine Signale. Seine Entscheidung hat uns alle überrascht." Der Vorstandsvorsitzende selbst hatte kaum Kontakt zu dem 24 Jahre alten Tschechen: "Außer einem Small-Talk gab es allein wegen der sprachlichen Schwierigkeiten keine Verbindungen." Innerhalb der Mannschaft gilt Simak als "Einzelgänger", der aber wegen seiner sportlichen Leistungen anerkannt ist. "Wir brauchen ihn, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen", meinte Torwart Marc Ziegler.
Trainer Ralf Rangnick möchte auf das Thema "Wo ist Simak?" am liebsten nicht angesprochen werden. Nach dem 0:1 in Kaiserslautern reagierte der Fußball-Lehrer gereizt: "Wenn er wieder da ist, wird über Konsequenzen geredet." Simak hat durch sein Fernbleiben die Mannschaft zweifellos geschwächt. Sollte er tatsächlich - wie ein Freund angekündigt hat - nicht zurückkehren, dann entsteht bei Hannover 96 auch ein sportliches Problem. Der Mittelfeldspieler zählt zu den Leistungsträgern im Team und ist kaum zu ersetzen. Der Verein kann erst wieder in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv werden.
Auch über einen Anspruch auf Schadensersatz wurde beim Bundesliga- Siebten Hannover 96, der Simak für ein Jahr von Bayer Leverkusen ausgeliehen hat, bereits nachgedacht. "Es muss aber erst einmal klar sein, ob man überhaupt etwas bekommt", sagte dazu Kind. Er hofft noch immer auf ein persönliches Gespräch mit dem Tschechen und das Ausräumen der Simak-Probleme.
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