Leverkusen/Fall "Calmund": Staatsanwaltschaft prüft Hinweise auf Spielmanipulation
zuletzt aktualisiert: 25.03.2006 - 10:20München/Bielefeld (rpo). Die Finanzaffäre um Bayer Leverkusens Ex-Manager Reiner Calmund schlägt weiter hohe Wellen. Inzwischen prüft die Kölner Staatsanwaltschaft Hinweise einer möglichen Spielmanipulation durch den Werksklub in der Saison 2002/2003. Es gebe in den Ermittlungsakten Hinweise "mit Substanz", sagt der Kölner Oberstaatsanwaltschaft Günther Feld.
"Wir haben bei unseren Ermittlungen keine Scheuklappen auf. Es wäre unsinnig, eine Möglichkeit wie Manipulation auszuschließen", betonte Feld gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Dennoch werde zum jetzigen Zeitpunkt nur wegen des Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Leverkusener Geschäftsführer Reiner Calmund ermittelt, machte der Oberstaatsanwalt deutlich.
Dabei geht es um den Verbleib von 580.000 Euro des Bundesligisten, die Calmund an den Spielerberater Volker Graul für so genannte Kaufoptionen auf ausländische Jungnationalspieler gezahlt haben soll.
Laut Feld laufen die Ermittlungen aber inzwischen "in alle denkbaren Richtungen". Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, stehen drei Partien der damals stark abstiegsbedrohten Leverkusener im Mai 2003 im Blickpunkt. Dabei soll es sich um die Heimspiele gegen Arminia Bielefeld (3:1), TSV 1860 München (3:0) sowie um das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (1:0) handeln.
Die Verwicklung des ehemaligen Bielefelder Spielers Ansgar Brinkmann in eine angebliche Manipulation, worüber bereits vor kurzem spekuliert wurde, schließen sowohl die Bielefelder Kriminalpolizei als auch die Kölner Staatsanwaltschaft dem Bericht zufolge zurzeit aus.
Vorwürfe "absolut haltlos"
Für Calmunds Kölner Anwalt Stefan Seitz sind derlei Vorwürfe gegen seinen Mandanten "absolut haltlos". Seitz mutmaßt gar, man wolle Calmund in Misskredit bringen, "nachdem abzusehen ist, dass die Untreuevorwürfe nicht aufrechterhalten werden können". Auch Calmund selbst bestreitet Spielmanipulationen vehement.
Laut Informationen des "Westfalen-Blatt" (Samstagausgabe) kommen auf Calmund aber weitere Vorwürfe der Untreue zu. So soll Calmund im Mai 2004 versucht haben, weitere 812 000 Euro an Spielerberater Graul zu zahlen. Die Überweisung soll gescheitert sein, da die zweite Unterschrift eines Bayer-Verantwortlichen gefehlt habe. Der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung würden Unterlagen des Vereins vorliegen, die ein entsprechendes Zahlungsversprechen beinhalten.
Dabei soll es sich um eine von Calmund unterzeichnete Bestätigung vom 25. Mai 2004 zur Vorlage bei der Dresdner Bank Dissen handeln, laut der Graul einen Anspruch auf eine Summe in dieser Höhe habe. Die Zahlung wurde demnach für den 10. Juni des Jahres angekündigt, kam aufgrund der fehlenden zweiten Unterschrift aber nie zustande. Voraussichtlich in der kommenden Woche wird Calmund von der Staatsanwaltschaft Köln zu dieser weiteren vorgesehenen Zahlung an Graul befragt.
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