Coup im DFB-Pokal: Als Hoffenheim erstmals aufdrehte
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 10:21Düsseldorf (RPO). Mit einem Sieg beim deutschen Meister Bayern München will 1899 Hoffenheim an diesem Freitag seinen Positivlauf fortsetzen. Es wäre der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte, die vor exakt fünf Jahren begann. Am 2. Dezember 2003 gelang der TSG Hoffenheim der erste große Coup der Vereinsgeschichte.
Damals hatte kaum jemand damit gerechnet, dass die Hoffenheimer zu einer Sensation fähig sind. Erst recht nicht das Star-Ensemble von Bayer Leverkusen, das im Achtelfinale des DFB-Pokals einen Pflichtsieg in Hoffenheim anpeilte. Die TSG war gerade dabei, sich in der Regionalliga zu etablieren. Hauptsponsor Dietmar Hopp war zwar schon aktiv, plante aber noch nicht den bedingungslosen Durchmarsch Richtung Bundesliga-Spitze.
Bayer Leverkusen hatte sich anderthalb Jahre zuvor als "Vizekusen" mit jeweils zweiten Plätzen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League einen Namen gemacht und wollte die Hürde Hoffenheim mit links nehmen. Die Nationalspieler Jens Nowotny und Bernd Schneider liefen an diesem Abend ebenso für die Werkself auf, wie Dimitar Berbatow, Diego Placente und Weltmeister Lucio.
6500 Zuschauer kamen ins ausverkaufte Dietmar-Hopp-Stadion, das Fernsehen hatte Schwierigkeiten, auf dem Dorf passende Stellplätze für die TV-Kameras zu finden. Am Ende reichte es aber, damit sich Spieler wie Thorsten Thee oder Heiko Throm ins Rampenlicht spielen konnten.
Thorsten wer? Die meisten Fußballer der damaligen Hoffenheimer Erfolgself, die Leverkusen schließlich mit 3:2 (2:0) bezwang, spielen heute keine große Rolle mehr. Thee beispielsweise spielte bis 2004 für Hoffenheim und verabschiedete sich dann in den unterklassigen Fußball. Einzig Christian Möckel war dem überregionalen Publikum zuvor durch wenige Bundesliga-Auftritte für den 1. FC Nürnberg bekannt.
Wenn man so will, machten anschließend nur Stefan Sieger, der heute für Fortuna Düsseldorf spielt, und Trainer Hans-Dieter Flick Karriere. Ex-Profi Flick ist heute immerhin Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.
Vor fünf Jahren hatte Flick die richtige Taktik gewählt. Leverkusen wurde von der starken Hoffenheimer Offensive zunächst geradezu überrollt. Sieger verwandelte gegen Jörg Butt, der heute auf der Bank des FC Bayern sitzt, bereits nach sieben Minuten einen Foulelfmeter zum 1:0, ehe Throm die gesamte Bayer-Defensive düpierte und auf 2:0 erhöhte (30. Minute).
Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler reagierte nach der Pause und brachte mit Oliver Neuville einen weiteren Nationalspieler, den er zunächst geschont hatte. Die Rechnung schien aufzugehen. Lucio (54.) gelang mit einem energischen Schuss der Anschlusstreffer, ehe Berbatow (67.) den Ausgleich erzielte.
In der Folge wollte Bayer ganz genüsslich auf Hoffenheimer Fehler warten, um schließlich den Siegtreffer zu erzielen. Doch der Plan ging nicht auf. In der 77. Minute passten Lucio und Co. nicht auf den eingewechselten Kai Herdling auf, der einen Sololauf zum 3:2-Siegtreffer abschloss und das erste Hoffenheimer "Wunder" perfekt machte. Herdling spielt heute in der Regionalliga-Süd für Waldhof Mannheim.
Im DFB-Pokal-Viertelfinale 2003/04 scheiterte Hoffenheim schließlich am Zweitligisten VfB Lübeck mit 0:1.
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