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Panorama Grafite Tanz mit den Wölfen ap 2009 vfl wolfsburg
  Foto: AP, AP
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Bayern gedemütigt: Grafite - der mit den Wölfen tanzt

VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 04.04.2009 - 21:27

Wolfsburg (RPO). Geschlagen, entzaubert, gedemütigt: Nach der höchsten Niederlage seit mehr als sieben Jahren verzogen sich die Spieler des FC Bayern wie geprügelte Hunde durch den Hinterausgang der Arena. Die "Wölfe" dagegen tanzten, allen voran Doppeltorschütze Grafite.

Der Torjäger des VfL Wolfsburg hatte zuvor dem Kantersieg des neuen Tabellenführers mit seinem Treffer zum 5:1 die Krone aufgesetzt, als er die gesamte Bayern-Abwehr austanzte und diese mit einem frechen Hackentor fast der Lächerlichkeit preisgab. Der Ball kullerte im Schneckentempo über die Linie, fünf Bayern-Spieler inklusive Torhüter Michael Rensing sahen fassungslos zu.

Grund genug also, dass der Brasilianer anschließend seine Teamkameraden in die Fankurve führte und den Tanzschritt vorgab. Grafite - der mit den den Wölfen tanzt. Die Anspielung auf den berühmten Western mit Kevin Costner ("Der mit dem Wolf tanzt") hat ihre Berechtigung. Nicht unbedingt der Tanz, aber zumindest sein Treffer war filmreif.

Das 1:5 (1:1)-Debakel hatte derweil nicht nur die Titelambitionen der Bayern schwer erschüttert, sondern auch das Selbstwertgefühl der Münchner getroffen - und das ausgerechnet vor dem Viertelfinale der Champions League am Mittwoch beim FC Barcelona.

"Diese Niederlage schmerzt - auch mit Blick auf das Spiel in Barcelona", erklärte Trainer Jürgen Klinsmann und brachte die Befindlichkeiten des Titelverteidigers auf den Punkt: "Mit einem solchen Ergebnis nach München zurückzufliegen, ist alles andere als angenehm."

Und bis zur Weiterreise nach Spanien am Dienstag dürfte die Bayern-Spieler noch einiges mehr an Ungemach erwarten: "Mit dem einen oder anderen werden wir diese Niederlage hart aufarbeiten", kündigte Klinsmann an.

Mit einer der schlechtesten Saisonleistungen hatten die Münchner dem Sturmlauf der "Wölfe" an die Bundesligaspitze gerade einmal 45 Minuten Stand gehalten, um dann im zweiten Durchgang fast ohne Gegenwehr einzubrechen. "Die erste Halbzeit war gut, aber was sich danach abgespielt hat, rechtfertigt viel Kritik", meinte der Bayern-Coach.

Als Tabellenvierter ist der Abonnementmeister zwar noch nicht aus dem Titelrennen, aber angesichts von drei Punkten Rückstand zumindest nicht mehr erster Favorit auf die Schale. "Der VfL steht dort, wo wir eigentlich stehen wollten. Aber das müssen wir schlucken. Wir müssen uns jetzt wieder aufrichten. Noch ist alles drin", erklärte Klinsmann.

Ganz so forsch wollte man beim neuen Spitzenreiter die günstige Tabellensituation nicht bewerten. "Wir sollten den Sieg realistisch einordnen. Dieses Bild ist acht Spieltage vor Saisonende nicht aussagekräftig", meinte VfL-Coach Felix Magath und stapelte gewohnt tief. Statt vom Titel zu träumen, bleibe das Ziel der fünfte Platz und damit die Qualifikation für den Uefa-Cup.

Auch von den Doppel- und Dreifachbelastungen der Kontrahenten Bayern und Hamburger SV dürfe man sich nicht täuschen lassen, meinte Magath weiter: "Die Meisterschaft wird nicht im konditionellen, sondern im mentalen Bereich entschieden."

Doch auch da zeigten sich die Wolfsburger ihrem Gegner klar überlegen, wie auch der VfL-Trainer einräumen musste: "Es war sehr stark, wie die Mannschaft das 1:1 kurz vor der Pause weggesteckt hat", lobte Magath sein Team. Luca Toni (45.) hatte kurz nach dem Wolfsburger Führungstor (44.) getroffen und den Gästen vor 30.000 Zuschauern damit eigentlich ein psychologisches Plus für die zweite Spielhälfte verschafft.

Doch statt nachzulegen brachen die Bayern unter dem ständig wachsenden Druck der Platzherren förmlich zusammen. Je ein Doppelpack der Wolfsburger Torjäger Edin Dzeko (63./65.) und Grafite (74./77.) machten den achten Sieg in Folge für die "Wölfe" perfekt. Selbst der zurückhaltende Magath zeigte sich von der Vorstellung seines Teams entzückt: "Das waren fantastische Offensivaktionen und tolle Tore. Die Mannschaft hat wie im Rausch gespielt."

mit Material von sid


Statistik

Wolfsburg: Benaglio (89. Lenz) - Pekarik (85. Dejagah), Simunek, Barzagli, Schäfer - Josue - Riether, Gentner - Misimovic - Grafite (85. Okubo), Dzeko. - Trainer: Magath

München: Rensing - Lell, Lucio (66. Ottl), Breno, Lahm (80. Borowski) - Schweinsteiger (70. Sosa), van Bommel, Ze Roberto, Ribery - Toni, Podolski. - Trainer: Klinsmann

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Tore: 1:0 Gentner (44.), 1:1 Toni (45.), 2:1 Dzeko (63.), 3:1 Dzeko (65.), 4:1 Grafite (74.), 5:1 Grafite (77.)

Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Misimovic, Grafite, Dzeko - Lahm, Ze Roberto

Gelbe Karten: van Bommel (5/2), Lucio (3), Toni (3)


 
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