Neue Bayernjäger?: Magath greift mit Wolfsburg an
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008 - 14:03Wolfsburg (RP). VW macht ernst. Der Autobauer will den VfL an der Spitze der Fußball-Bundesliga etablieren. Mit Macht und Millionen ausgestattet, soll der Trainer den Werksklub umkrempeln. Zwei Weltmeister sind Teil des Kalküls.
Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte schon vor Jahren warnend den Zeigefinger gehoben und mit Blick in Richtung Wolfsburg orakelt: „Wehe, wenn das VW-Werk einmal ernst macht.“
2008 scheinen Rummenigges Worte Realität zu werden. Hatten die Niedersachsen seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 immer mal wieder vergeblich zum Angriff auf die nationalen Top-Klubs geblasen, soll nun die finanzielle Brechstange den Erfolg nach Wolfsburg bringen.
Wie kein anderer Bundesligist hat der VfL in der Sommerpause auf dem Transfermarkt zugeschlagen und rund 25 Millionen Euro investiert. Selbst zwei italienische Weltmeister erklärten sich angesichts der Finanzkraft bereit, sizilianische Sonne gegen norddeutsche Tristesse einzutauschen.
Rechtsverteidiger Cristian Zaccardo (sieben Millionen Euro Ablöse) und Innenverteidiger Andrea Barzagli (knapp zwölf Millionen) lotste Magath von US Palermo nach Wolfsburg. Ein Dritter könnte noch folgen. Interesse besteht an den Offensivkräften Antonio Di Natale und Fabio Quagliarella (beide Udinese Calcio).
Hinter den Transfers steckt Kalkül: Knapp 8000 von 120.000 Wolfsburgern sind Italiener oder haben italienische Wurzeln. Diese sollen über die prominenten Landsleute nun den Weg ins Stadion finden und helfen, den Zuschauerschnitt von 24.407 aus der Vorsaison zu heben. Das Interesse der Fans steigt in jedem Fall: 13500 Dauerkarten wurden bisher verkauft, 1000 mehr als 2007 - und das mehr als einen Monat vor Saisonbeginn.
Es ist ein Duo, das den VfL im Jahr des 70. Geburtstages der Stadt zu höheren Weihen führen soll: Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender bei VW, und Felix Magath, Alleinverantwortlicher im sportlichen Bereich. Beide kennen sich aus Münchner Zeiten, als Winterkorn im Aufsichtsrat und Magath auf der Bayern-Bank saß.
Der VW-Manager war es auch, der dem Aschaffenburger im vergangenen Jahr den Job in der Provinz schmackhaft machte. Hier vereint Magath nun in seiner Person eine Machtfülle, die in Deutschlands Erster Liga ihresgleichen sucht. Er ist Trainer, Sportdirektor und seit 1. Juli de facto auch Geschäftsführer Sport. Vorgänger Klaus Fuchs wurde nach neun Jahren auf den neugeschaffenen Posten für Sport-Kommunikation „versetzt“.
Magath darf investieren. Zu Barzagli und Zaccardo kommt Zvjezdan Misimovic (1. FC Nürnberg), der vier Millionen Euro kostete, Regionalliga-Torschützenkönig Mahir Saglik (Wuppertaler SV) war mit 150.000 Euro dagegen eher ein Schnäppchen.
Zudem neu im Kader: die ablösefreien Rodrigo Alvim (Belenenses Lissabon), Daniel Adlung (Greuther Fürth) und Alexander Esswein (1. FC Kaiserslautern). Frühere teure Verpflichtungen wie Vlad Munteanu, Sergiu Radu oder Simon Jentzsch stehen dagegen zum Verkauf, um den 38 Mann starken Kader zu reduzieren.
Wolfsburg kleckert nicht, Wolfsburg klotzt: Als einziger Bundesligist fährt der Klub in der Vorbereitung gleich dreimal ins Trainingslager und absolviert 16 Testspiele. Ein Jugendinternat befindet sich im Bau, zudem darf Magath - als „Quälix bekannt“ - eigens einen „Berg der Leiden“ aufschütten lassen, mit einer steileren Steigung als der Tour-de-France-Gipfel von Alpe d’Huez. Sie wollen nach oben in Wolfsburg. Selbst im Training.
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