Kasey Keller: Weihnachten mal ohne Fußball
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.12.2005 - 10:39 Mönchengladbach (RP). 15 Jahre war Borussias Torwart Kasey Keller an Weihnachten nicht mehr daheim in den USA. Denn in England wurde über die Feiertage gespielt und in Spanien war die Pause zu kurz für eine Reise nach Übersee.
Kasey Keller hat sich für die Weihnachtsfeiertage etwas vorgenommen. „Ich werde meine Kumpels in England anrufen. Sie spielen am 26., 28. und 31. Dezember. Ich erzähle ihnen vor jedem Spiel, dass ich Urlaub habe“, sagt Borussias Torwart und grinst sein breites amerikanisches Grinsen. So ganz passt die geplante Gehässigkeit nicht zum Weihnachtsgedanken. Und ganz billig wird sie auch nicht werden. Schließlich muss Keller seine früheren Kollegen aus Übersee anrufen. Denn erstmals seit 15 Jahren verbringt der 36-Jährige die Feiertage daheim in den USA.
Seine Zwillinge Chloe und Cameron, acht Jahre alt, werden zum ersten Mal in ihrer Heimat Geschenke unter dem Weihnachtsbaum auspacken. In den USA ist Bescherung erst am Morgen des ersten Weihnachtstags. „Bei euch Deutschen ist Santa Claus ja etwas schneller“, weiß Keller.
In den letzten Jahren hat er „Santa“ meist verpasst. Denn bevor der US-Nationaltorhüter im letzten Januar nach Gladbach kam, spielte er in England. Und dort macht der Fußball keine Pause. „Wir waren über Weihnachten fast immer unterwegs“, berichtet Keller. „Die Premier League“, stöhnt er, „ist ein Monster.“ Schon am zweiten Weihnachtstag sind wieder Ligaspiele angesetzt. „In Millwall hatten wir mal am zweiten Weihnachtstag nachmittags ein Heimspiel und am nächsten Tag ein Auswärtsspiel in Sunderland - die Busfahrt dauerte sieben Stunden“, erzählt der Torwart. So kann sich Keller an viele wenig heimelige Weihnachtsabende in den Mannschaftshotels erinnern. „Einmal saßen wir in Liverpool und außer uns war niemand da. Aber wen wundert das, es war ja Weihnachten“, sagt Keller. Also „Jingle Bells“ mit dem Mannschaftskameraden? „Nein. Wir sind immer möglichst spät losgefahren und dann ganz schnell ins Bett gegangen“, sagt Keller.
In Spanien, wo Keller zwei Jahre bei Rayo Vallecano spielte, gab es immerhin fünf bis sechs Tage frei über Weihnachten. „Aber es blieb nicht genug Zeit, in die USA zu fahren.“ Die Bundesliga ist die einzige unter den großen europäischen Ligen mit einer längeren Winterpause: Seit dem 18. Dezember haben Keller und Kollegen frei. Gleich nach dem letzten Spiel gegen Frankfurt flogen er, die Kinder und Ehefrau Kristin in die USA. In Olympia, eine Stunde entfernt von Seattle, werden die Kellers Weihnachten feiern - endlich mal ohne Fußball.
Allerdings nicht ohne Stress: „Unser Terminkalender ist voll. Unsere Eltern, Verwandte, Freunde, alle wollen uns treffen, haben uns verplant. Schließlich waren wir ja 15 Jahre nicht mehr zu Weihnachten da“, sagt Keller. Nur eines wird der Mann, der nach Siegen die gesamte Nordkurve des Borussia-Parks dirigiert, keinesfalls tun: „Ich singe nicht unterm Weihnachtsbaum.“ Statt dessen wird er seinen Kumpels in England, die in einsamen Spielerhotels sitzen, einen ganz besonderen Weihnachtsgruß zukommen lassen.
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