Sportgerichtshof: Ringen um Diego und Rafinha
zuletzt aktualisiert: 22.07.2008 - 14:26Bremen/Stegersbach (RPO). Im Ringen um die Teilnahme der beiden brasilianischen Bundesliga-Profis Diego und Rafinha am olympischen Fußball-Turnier in Peking wird dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) offenbar die entscheidende Rolle zukommen. Diego ist bereits zum Olympia-Treffpunkt gereist.
Nachdem Diegos Arbeitgeber Werder Bremen seinen Spielmacher am Dienstag auch in einem 90-minütigen Gespräch nicht von dessen Olympia-Plänen abbringen konnte, rufen die Hanseaten die höchste sportjuristische Instanz nun zur Klärung der Problematik an. Auch Schalke 04 erwägt, den CAS im Falle von Rafinha einzuschalten.
"Das ist für alle Seiten die beste Lösung, um Klarheit zu schaffen. So ein Eiertanz darf nicht wieder vorkommen", sagte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Diego reiste derweil am Dienstagnachmittag ohne Erlaubnis des Vereins zum Olympia-Treffpunkt der Selecao nach Paris. Dort traf er auch auf Rafinha, der bereits am Montag eigenmächtig auf die Anreise ins Schalker Trainingslager im österreichischen Stegersbach verzichtet hatte und nun mit Konsequenzen von Seiten seines Vereins rechnen muss.
"Er hat mit Schalke 04 einen Vertragsbruch begangen, und es widerspricht der olympischen Charta, dass solch ein Spieler bei den Spielen antreten darf", sagte Schalke-Manager Andreas Müller. Man habe den brasilianischen Fußball-Verband CBF und das Internationale Olympische Komitee (IOC) schriftlich aufgefordert, Rafinha bei den Sommerspielen in Peking nicht auflaufen zu lassen.
"Falls der CBF unserem Wunsch nicht entsprechen wird, werden wir vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Klage einreichen", erklärte Müller, der sich mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Person von Präsident Dr. Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach abgestimmt hat, um "rechtlich auf der sicheren Seite zu sein".
Der DFB leitete am Dienstagnachmittag den Schalker Protest an den Weltverband Fifa weiter. "Der DFB unterstützt den Protest und teilt die Rechtsauffassung des Klubs, dass keine Abstellungspflicht besteht, da das olympische Fußballturnier weder im internationalen Spielkalender der Fifa aufgeführt ist, noch ein entsprechender Beschluss des Exekutivkomitees der Fifa vorliegt, der Spieler einer bestimmten Alterskategorie zur Teilnahme verpflichtet", heißt es in einer DFB-Erklärung.
Der Weltverband hat sich bisher nicht eindeutig zu der Problematik geäußert, scheint sich aber in Abstellungssituationen von Spielern unter 23 Jahren auf eine Art Gewohnheitsrecht zu berufen. Hier dürfte der CAS für Klarheit sorgen. "Normalerweise benötigen wir für einen Fall meherere Monate. Im Eilverfahren können wir so etwas aber auch in wenigen Tagen bewältigen", sagte eine CAS-Sprecherin.
Allerdings verwies der Gerichtshof darauf, dass bis zum Dienstagnachmittag noch kein Antrag eines deutschen Vereins eingegangen sei. Im Fall von Diego und Werder Bremen haben beide Seiten unterdessen aber bereits erklärt, dass sie sich dem möglicherweise rasch gesprochenen Gerichtsurteil unterwerfen werden.
Rafinha wurde von Schalke derweil mit den möglichen Folgen seines Verhaltens konfrontiert. In einem Schreiben klärte ihn der Verein über die Strafe bei Vertragsbruch auf. Spekulationen zufolge soll sie bei 25.000 Euro pro Tag liegen. "Wir hoffen, dass bei Rafinha nun ein Sinneswandel einkehrt", meinte Müller, ließ dem Profi aber ein Hintertürchen zur Versöhung offen: "Falls er am Mittwoch oder Donnerstag im Trainingslager auftaucht, wird es keine weiteren Konsequenzen geben."
Unterstützung erhalten die Klubs derweil auch vom renommierten Sportrechtler Christoph Schickhardt. "Ein Spieler muss an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Wenn nicht, kann er fristlos gekündigt werden. Vielleicht wird er zuvor noch eine Abmahnung erhalten, damit ihm auch der Ernst der Lage deutlich wird", meinte der Jurist.
Weitaus geräuschloser als Diego und Rafinha geht unterdessen Vincent Kompany vom Hamburger SV mit der Problematik um. Auch der Belgier hofft trotz verweigerter Freigabe seines Arbeitgebers weiter auf eine Olympia-Teilnahme. Am Dienstag trainierte er jedoch in herkömmlicher Form mit der Mannschaft. "Ich gehe dahin, wo ich keine Strafe bekomme", meinte der Abwehrspieler.
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