2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 08.36 Uhr

Abstieg kaum noch zu verhindern
Stuttgart der großer Verlierer

Stuttgart-Fans stürmen Platz nach Pleite gegen Mainz
Stuttgart-Fans stürmen Platz nach Pleite gegen Mainz FOTO: dpa
Stuttgart. Dem VfB Stuttgart droht der Abstieg aus der Bundesliga. Fans stürmten den Platz. Tief bestürzt zeigte sich Kevin Großkreutz, der erst im Winter zu den Schwaben gekommen war. Von Martin Beils und Elmar Dreher

Es ist knapp ein Jahr her, als sich Robin Dutt in der Öffentlichkeit eine beispiellose Abrechnung mit Fredi Bobic erlaubte. Die Zeit des Bundesligisten VfB Stuttgart sei unter seinem Vorgänger als Manager von fehlender sportlicher Kompetenz gekennzeichnet gewesen, sagte er, von einer völlig missratenen Kaderplanung und einer Mannschaft ohne Struktur geprägt gewesen. Zudem sei die Nachwuchsarbeit sträflich vernachlässigt worden, den Scouts habe niemand zugehört, eine einheitliche Spielphilosophie von der Jugend bis zu den Profis habe gefehlt. Unter ihm werde alles anders, sagte Dutt.

Die Situation beim VfB ist eher schlimmer geworden. Vor einem Jahr gelang den Schwaben am letzten Spieltag in Paderborn der Klassenverbleib. Vor dem letzten Spiel dieser Saison, am kommenden Samstag beim VfL Wolfsburg, haben es die Stuttgarter nicht einmal mehr in der eigenen Hand, sich auf den Relegationsrang zu retten. Neun Jahre nach dem bislang letzten der fünf Meistertitel steckt der stolze Klub in einer tiefen Krise. Der Platzsturm der Fans nach der 1:3-Niederlage gegen den FSV Mainz und die Tränen des im Winter von Galatasaray Istanbul gekommenen Kevin Großkreutz waren Sinnbilder.

Am Tag nach dem Platzsturm herrschte beim VfB Stuttgart wieder triste Normalität. Knapp 50 Anhänger verfolgten bei strahlendem Sonnenschein das Auslaufen ihrer Mannschaft. Anstelle von wütenden Protesten gab es am Sonntag Wünsche nach Selfies und Autogrammen, niemand mochte sich anscheinend mehr über den sportlichen Absturz aufregen. Die Szene spiegelte das Bild eines Vereins, in dem wohl nur noch die größten Optimisten an den Klassenverbleib glauben.

"Das ist alles nicht spurlos an uns vorbeigegangen", beteuerte Sportvorstand Dutt mit Blick auf die Szenen nach dem 1:3 gegen den FSV Mainz 05. Hunderte wütende Anhänger hatten sich auf dem Rasen versammelt und den Dialog mit der Mannschaft gefordert.

Der für gewöhnlich redselige Manager sprach mit leiser Stimme und gesenktem Kopf. "Dass Wut und Enttäuschung der Fans groß sind, kann man verstehen", meinte der 51-Jährige. "Es geht jetzt nicht nur um die theoretische Chance, es geht auch um Anstand und Ehre." Dutt versicherte, dass der Club "auf den möglichen Worst Case sehr gut vorbereitet" sei.

Am Vortag hatten sich VfB-Urgestein Christian Gentner und der von den Anhängern verehrte Kevin Großkreutz den wütenden Fans gestellt. Der Kapitän und der im Winter verpflichtete Hoffnungsträger versuchten die auf den Platz gestürmten Anhänger zu beruhigen, die vor der Haupttribüne und dem Spielertunnel für Aufruhr und Chaos sorgten. Vereinspräsident Bernd Wahler sprach von einer "teilweise bedrohlichen Situation".

Trainer Jürgen Kramny sagte: "Die Leute sind enttäuscht." Der Frust habe dazu geführt, dass einige Anhänger "auf uns losgegangen sind. Das müssen wir erst mal zusammen verarbeiten." Dutt versicherte, dass Kramny auch im Saisonfinale auf der Bank sitzen wird: "Es ist wichtig, dass wir nach den Geschehnissen des Spieltags als Einheit gemeinsam mit Jürgen diesen Schritt gehen."

Quelle: RP
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