2. Bundesliga 17/18 2. Bundesliga
| 20.50 Uhr

Stuttgarts Gentner verschluckt Zunge
"Wenn unser Doc nicht so schnell reagiert hätte..."

Fotos: Gentner wird nach Zusammenprall vom Platz getragen
Fotos: Gentner wird nach Zusammenprall vom Platz getragen FOTO: dpa, mut fdt
Stuttgart . Weil Kapitän Christian Gentner nach einem Zusammenprall k.o. geht, kann sich der VfB Stuttgart nicht über den Sieg gegen den VfL Wolfsburg freuen. "Wir hatten Riesenangst", sagt Trainer Hannes Wolf. Mittlerweile ist klar, wie schwer Gentner verletzt ist.

Als Christian Gentner mit blutüberströmtem Gesicht bewusstlos auf dem nassen Rasen lag, stand in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena für einen Augenblick die Zeit still. "Das waren dramatische Momente, wir hatten Riesenangst, dass was passiert ist, was bleibende Schäden hinterlassen könnte", berichtete der hinzugeeilte VfB-Trainer Hannes Wolf später, und Sportvorstand Michael Reschke sagte mit blassem Gesicht: "Wenn unser Doc nicht so schnell reagiert hätte..."

Arzt holte Gentner die Zunge aus dem Hals

Dr. Raymond Best aber handelte sofort, holte dem nach einem Zusammenprall mit Torhüter Koen Casteels vom VfL Wolfsburg ohnmächtigen Gentner die Zunge aus dem Hals - und verhinderte so wohl Schlimmeres.

Gentner wird dem VfB dennoch über Wochen fehlen. Gentner hat sich den unteren und seitlichen Augenhöhlenboden, das Nasenbein sowie den Oberkiefer gebrochen. Der 31-Jährige wird in den kommenden Tagen operiert und wird danach nach Angaben des VfB Stuttgart wieder vollkommen genesen können. 

"Es ist eine sehr bittere Nachricht sowohl für ihn und seine Familie als auch für uns", sagte Reschke. "Die wichtigste Nachricht ist aber, dass er wieder vollständig gesund wird. Christian bekommt alle Zeit von uns, um vollständig fit zu werden. Anschließend freuen wir uns darauf, wenn wir unseren Kapitän wieder an Bord haben werden."

Das konnten die 50.500 Zuschauer nur hoffen, als Casteels den heranstürmenden Gentner mit dem linken Knie und voller Wucht in der rechten Gesichtshälfte traf (85.). Gentner blieb minutenlang liegen, Fotos zeigen das Blut in seinem Gesicht, das zugeschwollene rechte Auge, die verschobene Nase. "Wir stehen noch alle unter Schock und können uns nicht so über den Sieg freuen", sagte Wolf nach dem 1:0 (1:0)-Erfolg, "wir sind noch alle bei unserem Captain."

Eine Anklage gegen Casteels erhob trotz der schlimmen Szene niemand. "Kein Vorwurf an ihn, das wollte er ganz, ganz sicher nicht", sagte Wolf. Reschke meinte zwar nach Ansicht der TV-Bilder, der Zusammenstoß habe "brutal" ausgesehen. Dass er ungeahndet blieb und der bereits verwarnte Casteels weiterspielen durfte, sei aber im Bangen um Gentner "völlig uninteressant, wurscht".

Diskussion um Videobeweis

TV-Experte Markus Merk meinte bei Sky, Casteels hätte "mindestens Gelb" sehen müssen. Der Belgier habe sein Knie "als Waffe benutzt". DFB-Schiedsrichterchef Hellmut Krug erklärte, Referee Guido Winkmann (Kerken) habe die Szene "als unglücklichen Zusammenprall gewertet" und Video-Assistent Deniz Aytekin diese Sichtweise auf Nachfrage bestätigt. "Regeltechnisch ist die Entscheidung zwar grenzwertig, aber vertretbar", sagte Krug.

Casteels bedauerte die schwere Verletzung Gentners, beurteilte die Szene allerdings ähnlich. "Wenn das Foul ist, muss man die ganze Jugendausbildung umstellen, ab fünf, sechs Jahren", sagte er. Schon da werde Torhütern beigebracht, "dass du das linke Knie mitnimmst, wenn du mit rechts hochgehst, 99 Prozent der Torhüter machen das so". Sein VfB-Kollege Ron-Robert Zieler unterstützte diese Argumentation.

Gentners Ausfall wiegt schwer für Stuttgart. "Er war in sehr, sehr guter Verfassung, er fehlt uns als Typ, mit seiner Ausstrahlung", sagte Reschke. Gegen schwache Wölfe gehörte der Ex-Wolfsburger zu den Besten, bildete mit Neuzugang Santiago Ascacibar ein dynamisches Duo. Gefeiert wurde zunächst aber Chadrac Akolo (42.) nach seinem zweiten Saisontreffer.

Während Aufsteiger Stuttgart nach dem zweiten Sieg im Soll ist, wird die Lage in Wolfsburg unruhig. Ohne den verletzten Kapitän Mario Gomez, der auf der Tribüne um Kumpel "Gente" bangte, zeigte der VfL "kein schönes Gesicht", wie Sportdirektor Olaf Rebbe sagte. Vor dem Spiel gegen Werder Bremen am Dienstag sei der Druck bereits groß.

(areh/sid)
 
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