2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 15.59 Uhr

Experte für gefallene Traditionsklubs
"General" Luhukay soll Stuttgart wiederbeleben

Fotos: Jos Luhukay – Zweitliga-Spezialist und dreimaliger Aufstiegstrainer
Fotos: Jos Luhukay – Zweitliga-Spezialist und dreimaliger Aufstiegstrainer FOTO: dpa, Patrick Seeger
Stuttgart. Jos Luhukay soll beim VfB Stuttgart tun, was er am besten kann: aufsteigen.

In Berlin nannten sie Jos Luhukay den "kleinen General", besonders böswillige Zeitgenossen sahen in dem Trainer von Hertha BSC sogar einen Diktator. "Diktator ist Blödsinn!", wehrte sich der Niederländer, doch ein großer Freund antiautoritärer Erziehung scheint dieser Jos Luhukay nicht zu sein. Seine Wutausbrüche sind legendär.

Aus Sicht der Anhänger des abgestürzten VfB Stuttgart passt er damit bestens nach Schwaben. Der eine oder andere Spieler, der den ersten Bundesliga-Abstieg mitzuverantworten hat, brauche jetzt einen ordentlichen Tritt in den Allerwertesten, meinen viele. Luhukay, der "General" und Aufstiegsexperte, soll ihn Kapitän Christian Gentner und Co. verpassen.

Die Hoffnung auf den direkten Wiederaufstieg

Luhukay gilt als Experte für gefallene Traditionsklubs. Er kehrte als Co-Trainer mit dem 1. FC Köln (2003) in die Bundesliga zurück und saß bei den Aufstiegen von Borussia Mönchengladbach (2008), dem FC Augsburg (2011) und Hertha BSC (2013) als Hauptverantwortlicher auf der Bank. Im persönlichen Gespräch wirkte der Mann mit dem markanten Oberlippenbärtchen meist ruhig und nachdenklich, aber wehe, wenn er explodierte!

Er wolle "mitreißen", sagte Luhukay einmal, "manchmal ist die Art hart, aber immer ehrlich". Seine Emotionen setze er nach "Bauchgefühl" ein. "Ich will den Spielern etwas beibringen. Und es sollen alle auf dem Feld hören." Persönlich gemeint sei das aber nie. Auch habe er immer ein offenes Ohr für seine Spieler, betonte Luhukay in seiner Berliner Zeit, "wenn ich aber meine Philosophie habe, muss derjenige schon sehr gute Argumente haben, um mich zu überzeugen".

Seine Fußballidee beschrieb er in seiner Augsburger Phase so: "Ich predige offensiven und attraktiven Fußball, der Erfolg bringen soll." Das Motto des 52 Jahre alten Fußballlehrers lautet "Fördern und fordern". Bei der Hertha hat er es mit dem Fordern zuletzt übertrieben. Luhukay kritisierte seine Profis, auch die jungen, nach Fehlern öffentlich. Bei seinem Abschied im Februar 2015 wirkten viele ausgebrannt. Sein Nachfolger Pal Dardai führte Berlin von Platz 17 bis in den Europapokal.

Eifer und Disziplin

Mangelnden Arbeitseifer hat ihm bei der Hertha aber niemand vorgeworfen. "Ich glaube, von mir selber behaupten zu können, dass ich sehr akribisch bin", sagte Luhukay über seinen fast protestantischen Arbeitsethos, "wenn ich nicht gut vorbereitet bin, ist es die Mannschaft auch nicht." Eifer und Disziplin - mit diesen vermeintlich deutschen Tugenden hat sich der Sohn eines molukkischen Einwanderers in den Niederlanden behauptet.

Dort hat er auch gelernt, sich abzugrenzen. In Berlin ließ er sich täglich den Pressespiegel mailen, um über die Umtriebe der Gegenseite auf dem Laufenden zu bleiben. Von seinen Assistenten forderte er "Unterstützung und Loyalität".

Sein oft bescheidenes Auftreten in der Öffentlichkeit sah er nicht als Widerspruch. "Ich muss nicht so viel haben, um mich wohl zu fühlen", sagte er angesprochen auf seine monatelange Verweildauer in einem Hotel fernab von seiner Ehefrau, "meine ganze Energie geht ohnehin für den Fußball drauf."

Das soll in Stuttgart nicht anders sein.

(sid)
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