2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 11.05 Uhr

Druck auf Zorniger wächst
Eigene Fans verspotten den VfB Stuttgart

Zahlen und Daten: Fakten zum 13. Bundesliga-Spieltag 15/16
Zahlen und Daten: Fakten zum 13. Bundesliga-Spieltag 15/16
Stuttgart. Der FC Augsburg hat mit dem 4:0 in Stuttgart den erhofften Befreiungsschlag gelandet und beim VfB wieder für unruhige Zeiten gesorgt. Die Fans des VfB machten ihrer Wut mit höhnischen Gesängen Luft.

Um Alexander Zorniger wird es immer einsamer. Die Mannschaft des VfB Stuttgart bildete nach dem indiskutablen 0:4 (0:3) im schwäbischen Kellerduell gegen den FC Augsburg ohne ihren umstrittenen Trainer einen Kreis, die Fans hatten sich da schon längst entsetzt abgewendet. Die Lage beim VfB stellt sich nach der Lehrstunde gegen den bisherigen Tabellenletzten zum wiederholten Mal in dieser Saison äußerst prekär dar.

Zwar machte Sportvorstand Robin Dutt nach der sechsten Pleite in Serie gegen den FCA klar, dass der Verein den Weg mit Zorniger weiter gehen will. Doch der 48 Jahre alte Coach steht mit seiner oberlehrerhaften Art sowie wegen ausbleibender Erfolge weiter massiv in der Kritik und vor dem Auswärtsspiel in Dortmund verstärkt unter Druck. Dutt kündigte eine "knallharte Analyse" an. Man können sich "nicht mehr auf Alibis zurückziehen". Auch Zorniger sei "natürlich Teil der Analyse, er ist ja unser Cheftrainer".

Fotos: VfB Stuttgart - FC Augsburg FOTO: dpa, mut jai

Wie lange noch, wird sich zeigen. Zorniger selbst wirkte nach dem heftigen Rückschlag erstmals richtig angeschlagen. "Die Körpersprache hat nicht gepasst. Es muss irgendwas gegeben haben, was ich übersehen habe, deshalb ziehe ich mir den Hauptschuh an", sagte der völlig konsternierte VfB-Coach ungewohnt kleinlaut.

Dass die eigenen Fans Zorniger und sein Team gar mit "Oh wie ist das schön"-Gesängen und La Ola verspottet hatten, würde "definitiv nicht dazu beitragen, den Glauben an das, was wir machen, zu verfestigen", räumte Zorniger ein. Die miserable Vorstellung seiner Truppe habe "alles andere als zur Verbesserung der Lage beigetragen, mit Blick auf die Tabelle, aber auch außerhalb des Platzes".

Alexander Esswein (11. und 17.), Jan-Ingwer Callsen-Bracker (36.) und Ja-Cheol Koo (54.) deckten mit ihren Treffern die zum wiederholten Mal aufgetretenen Unzulänglichkeiten der Stuttgarter gnadenlos auf. "Wir haben alle Grundtugenden vermissen lassen. So kann man nicht erfolgreich sein", monierte Dutt. Man habe sich vom frühen 0:1 "nicht mehr erholt. Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren und waren nicht in der Lage, zuzulegen", fügte Zorniger an. Man werde "sicher ein paar Tage benötigen, um das aufzuarbeiten".

Fotos: Bundesliga trauert um Terror-Opfer von Paris FOTO: dpa, mb jai

Die Mannschaft unternahm bereits unmittelbar nach dem Spiel im Kreis einen ersten Versuch der Aufarbeitung. Zorniger war da bereits frustriert und "maßlos enttäuscht" in der Kabine. Er hätte ohnehin nur "die falschen Worte getroffen", sagte Zorniger lapidar dazu. Und er bevorzuge ohnehin nur einen Kreis, wenn er auch das Gefühl habe, "dass wir geschlossen auf dem Platz auftreten". Dieses Gefühl hatte Zorniger diesmal nicht.

Im Gegensatz zum angeschlagenen Stuttgarter Trainer konnte sich Augsburgs Markus Weinzierl nach dem höchsten Auswärtssieg der FCA-Bundesliga-Geschichte endlich einmal wieder entspannt zurücklehnen. "Der Sieg tut uns sehr gut. Wir haben gezeigt, dass uns keiner abschreiben braucht", betonte Weinzierl nach dem Erfolg gegen seinen Lieblingsgegner.

Auf einen Punkt rückten die bayerischen Schwaben, die am Donnerstag in der Europa League Athletic Bilbao empfangen, an Stuttgart heran. Aber dies sei, so Weinzierl, "nur der erste Schritt. Wenn man auf die Tabelle schaut, sind wir immer noch nicht zufrieden. Wir müssen bis Weihnachten in der Liga noch möglichst viele Punkte holen, um unsere Ausgangsposition zu verbessern".

Aber so leicht wie Stuttgart werden es die kommenden Gegner dem FCA wohl nicht mehr machen. "Wir mussten nicht das Spiel machen, das ist uns entgegengekommen", meinte Weinzierl, "so konnten wir an die alten Vorstellungen der letzten Jahre anknüpfen."

(areh/sid)
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