2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 12.31 Uhr

Abstieg kaum noch zu verhindern
VfB-Boss fürchtet weiteren Fan-Aufruhr in der Trainingswoche

Stuttgart-Fans stürmen Platz nach Pleite gegen Mainz
Stuttgart-Fans stürmen Platz nach Pleite gegen Mainz FOTO: dpa
Stuttgart. Das war's dann wohl. Dem VfB Stuttgart droht der erste Abstieg seit 41 Jahren. Bei den Fans löste die fünfte Niederlage in Folge Frust aus. Christian Gentner und Kevin Großkreutz verhinderten möglicherweise eine Eskalation.

VfB-Urgestein Christian Gentner und das von den Anhängern verehrte Mentalitäts-Monster Kevin Großkreutz stellten sich mutig den wütenden Fans. Der Kapitän und der erst im Winter verpflichtete Hoffnungsträger versuchten die auf den Platz gestürmten Fans zu beruhigen. Der VfB Stuttgart steht kurz vor dem Abstieg in die zweite Liga - und einige hundert frustrierte, wütende und teils hasserfüllte Ultras sorgten mit Schmähgesängen, Drohgebärden und einer längeren Blockade vor der Haupttribüne und dem Spielertunnel für Aufruhr und Chaos. Vereinspräsident Bernd Wahler sprach mit belegter Stimme von einer "teilweise bedrohlichen Situation".

Leicht hätte die Lage nach der 1:3 (1:1)-Pleite gegen den FSV Mainz 05 sogar noch stärker eskalieren können. Aber Großkreutz und Gentner trugen mit ihren couragierten Auftritten mitten unter den brodelnden Anhängern des schwäbischen Bundesligisten entscheidend zur Beruhigung bei. Wie sehr der hautnahe Kontakt den beiden Profis an die Nieren ging, zeigten auch Großkreutz' Tränen. "Ich kann die Fans verstehen", sagte der Verteidiger. "Wir sind dafür verantwortlich."

Trainer Jürgen Kramny äußerte sichtlich betroffen ein gewisses Verständnis für Trauer und Enttäuschung: "Die Leute sind enttäuscht." Der Frust habe dazu geführt, dass einige Anhänger "auf uns losgegangen sind. Das müssen wir erst mal zusammen verarbeiten." Torhüter Mitch Langerak konnte das Ausflippen der Fans ebenfalls nachvollziehen: "Sie haben das Recht, enttäuscht zu sein."

Maßnahmen, um "in größtmöglicher Sicherheit trainieren zu können"

Wahler befürchtet in der Woche vor dem wahrscheinlich letzten Erstligaspiel des Tabellenvorletzten weitere Aktionen der Hardcorefans. "Wir wollen sicherstellen, dass wir die Sicherheit der Spieler garantieren können", kündigte er Vorsichtsmaßnahmen an. "Dass sie in größtmöglicher Sicherheit trainieren und sich auf das Wolfsburgspiel vorbereiten können."

In die Partie beim VfL Wolfsburg am kommenden Samstag setzen Trainer, Mannschaft und Vereinsspitze ihre ganzen Hoffnungen, den ersten Absturz in die Zweitklassigkeit nach 41 Jahren doch noch verhindern zu können. "Aufgeben gibt es nicht", beteuerte der geknickte Kramny nach dieser "brutalen Geschichte" tapfer. "So lange rechnerisch noch was möglich ist, muss man es versuchen." Aber selbst Kramny gab zu, dass der VfB "ein Wunder" benötige.

Der als einziger Stuttgarter überzeugende Langerak erklärte: "Es wird unglaublich schwer, aber es ist möglich." Der Australier verhinderte bei seiner Bundesliga-Premiere für den VfB in fünf Eins-gegen-Eins-Situationen mit glänzenden Reaktionen ein Debakel. So blieb es bei den Mainzer Treffern durch Yunus Malli (37. Minute), Jhon Cordoba (53.) und Karim Onisiwo (77.). Der FSV steht damit als Europa-League-Teilnehmer fest. Gentner hatte mit der frühen Führung (6.) zunächst große Hoffnungen beim VfB geschürt.

Angesichts der auch gegen Mainz keinesfalls Bundesliga-tauglichen Darbietungen scheint der Abstieg dieses Mal nicht mehr abwendbar. Anders als in den beiden Vorjahren fehlen dem VfB alle entscheidenden Tugenden und Qualitäten für ein erneutes Wunder. Dabei schien nach einer beeindruckenden Erfolgsserie unter Kramny und einem Riesenvorsprung auf den Relegationsrang vor zweieinhalb Monaten das Thema Abstiegskampf frühzeitig erledigt.

Aber nach der fünften Niederlage in Folge gerät der 16. Platz mit den beiden Entscheidungsspielen gegen den Zweitliga-Dritten außer Reichweite. Allerdings: Bei einem Sieg in Wolfsburg und einer Heimniederlage von Bremen gegen Frankfurt schafft es der VfB auf Platz 16 - oder wenn er sechs Tore auf die Frankfurter gutmacht.

 

(dpa)
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