1. Bundesliga 16/17
| 09.37 Uhr

Wolfsburgs neuer Fanliebling
Bruno Henrique – vom Sekretär zum Senkrechtstarter

Bruno Henrique – vom Sekretär zum Senkrechtstarter beim VfL Wolfsburg
Bruno Henrique bei seinem Gala-Auftritt gegen Real Madrid im Hinspiel. FOTO: ap, SO FO
Wolfsburg. Bis vor wenigen Tagen kannten selbst die meisten Experten Bruno Henrique höchstens beim Namen. Nach seiner Gala im Champions-League-Hinspiel gegen Real Madrid ist der Brasilianer in aller Munde.

Bruno Henrique ist ein Spätstarter im Geschäft Profifußball. Erst mit 21 Jahren konzentrierte sich der Brasilianer voll und ganz auf seine Sportkarriere, zuvor verdiente er sein Geld als Sekretär in einer Anwaltskanzlei.

Gala gegen Real in der Champions League

Auch in den Jahren danach spielte der Stürmer meist außerhalb des Radars der europäischen Scouts – bis der VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam wurde. Seit seiner Gala im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid kennt ihn fast die ganze Fußball-Welt.

"Jetzt wisst ihr, wer Bruno Henrique ist", sagte der 25-Jährige mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Reals Außenverteidiger Marcelo wird den Namen Bruno Henrique so schnell jedenfalls nicht vergessen. Immer wieder wurde er im Hinspiel in Wolfsburg von seinem unbekannten Landsmann im VfL-Trikot genarrt und überlaufen. "Bruno Henrique war eine Waffe", sagte VfL-Trainer Hecking, "die Real so vielleicht nicht kannte."

Bruno Henrique bereitet Tor gegen Mainz vor 

Drei Tage nach dem Triumph über die Königlichen stand der Angreifer auch in der Bundesliga erstmals in der Startelf, nachdem er zuvor als Einwechselspieler mehr oder weniger kaum aufgefallen war. Beim enttäuschenden 1:1 gegen den FSV Mainz 05 bereitete Bruno Henrique das Führungstor von André Schürrle mustergültig vor. Ansonsten zeigte er in Ansätzen auch seine anderen Stärken: die Schnelligkeit, die Dynamik, die Technik.

Für die Wolfsburger Verantwortlichen kommt der Durchbruch des Winterneuzugangs nicht überraschend. Schließlich waren sie bereit, vier Millionen Euro für den Zweitligaspieler an Goiás EC zu überweisen. Eine stolze Summer für jemanden, der selbst in Brasilien noch nicht groß in Erscheinung getreten war. Eigentlich wollte Wolfsburg im Winter den Schweizer Breel Embolo (18) verpflichten, doch der FC Basel wurde selbst bei einem 27-Millionen-Euro-Angebot nicht schwach.

Irgendwas habe bei Bruno Klick gemacht

Also holte Wolfsburg Bruno Henrique. "Als er zu uns kam, hat er erst einmal alles mit großen Augen angeschaut und war sehr zurückhaltend", sagte VfL-Manager Klaus Allofs. Diese Zurückhaltung legte er leider auch auf dem Trainingsplatz nicht ab, wie Trainer Hecking verrät: "Wenn jemand aus Südamerika kommt, der noch nie unter so professionellen Bedingungen gearbeitet hat, ist es nicht so einfach." Es folgten deshalb Einzelgespräche und auch Aussprachen mit dem Berater. Vor etwa zwei Wochen habe "irgendwas bei Bruno Klick gemacht", stellt Hecking fest.

Mit der Verständigung tut sich Bruno Henrique aber immer noch schwer. Als er nach dem Hinspiel gegen Real bei der Presse ein gefragter Mann war, musste Landsmann Naldo als Übersetzer helfen. Die Teamkollegen tun sich deshalb schwer, Bruno Henrique als Typen zu beschreiben. "Ich weiß es nicht", sagte Julian Draxler ehrlich: "Er spricht weder ein Wort Deutsch, noch ein Wort Englisch."

Bruno Henrique scheint jedoch ein Spieler zu sein, der vor großen Aufgaben und großen Namen nicht zurückschreckt. Sein glänzendes Startelf-Debüt gegen die Königlichen ist dafür der beste Beweis. Bei seiner Auswechslung stimmten die Fans laute "Bruno, Bruno"-Rufe an. Die Herzen der VfL-Fans hat der Spätstarter im Eiltempo erobert.

(spol/sid)
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