1. Bundesliga 16/17
| 11.37 Uhr

Nationalspieler vergibt die größte Chance der Saison
Mario Gomez – der "Chancentod" ist zurück

Gomez scheitert aus kürzester Distanz
Gomez scheitert aus kürzester Distanz FOTO: Screenshot Sky
Düsseldorf. Mario Gomez polarisiert. Das war schon immer so und wird vermutlich auch immer so bleiben. Trifft er, ist Gomez in der breiten Öffentlichkeit der gefeierte "Torero", enttäuscht er, wird er härter kritisiert als die meisten seiner Kollegen. Gegen Dortmund zeigte sich wieder der "Chancentod". Von Denis Canalp

Wolfsburg blieb beim 1:5 am Dienstagabend gegen den BVB keineswegs chancenlos, doch während die Schwarz-Gelben eiskalt die sich bietenden Chancen nutzten, ging Gomez erneut leer aus. Schon beim torlosen Remis in Hoffenheim hatte Gomez für die Wolfsburger zahlreiche gute Möglichkeiten vergeben. In der ersten Halbzeit scheiterte er freistehend an BVB-Torhüter Roman Bürki, schoss den Schweizer an.

Doch in der 50. Minute holte Gomez die Vergangenheit ein. Acht Jahre nach seinem spektakulären Fehlschuss bei der EM in Österreich gegen den Gastgeber war der "Chancentod" aktueller denn je. Aus kürzester Entfernung gelang es Gomez nicht, den Ball über die Linie zu stochern. Eine Szene, die in keinem Saison-Rückblick fehlen wird.

"Ich kann es selbst nicht glauben. Es ist symptomatisch. Ich habe mir bei der Chance beinahe das Bein gebrochen. Wenn es bei mir mal nicht läuft, dann läuft's einfach nicht. Ich alleine habe in der ersten Halbzeit fünf oder sechs Hochkaräter. Ich bin hier, um Tore zu machen. Das weiß ich auch. Ich habe die Chancen und es tut mir leid für die Mannschaft, dass ich sie wieder nicht gemacht habe. Dann kannst du keine Spiele gewinnen", sagte Gomez nach dem Schlusspfiff und wusste, dass er nach drei torlosen Auftritten in der Bundesliga künftig noch genauer beobachtet wird. Doch Gomez hat gelernt, mit Kritik umzugehen. Es blieb ihm gar keine andere Wahl.

Unvergessen bleibt vor allem Mehmet Scholls Kritik an Gomez bei der EM 2012. Der TV-Experte hatte damals nach dem Auftaktspiel gegen Portugal Angst, dass der Stürmer "sich wundliegen würde". Weniger im Gedächtnis geblieben ist die Tatsache, dass Deutschland das Spiel damals 1:0 gewann und Gomez in der 72. Minute das Siegtor erzielte. Gomez steckt halt in der Schublade.

"Es haben sich viele Leute bestätigt gesehen, die mich 'Chancentod' nennen. Das ist mein Stempel. Bei vielen kam dieses Image in Erinnerung, was es für manche seit der EM 2008 von mir gibt. Nach dem Motto: Der macht genauso weiter wie davor. Was totaler Quatsch ist. Für mich ist das enttäuschend und nicht nachvollziehbar. Bis zur EM 2012 konnte ich die Pfiffe gegen mich ein Stück weit sogar verstehen, ich hatte bei einem Turnier eben nie getroffen. Dass nach meiner vergebenen Chance 2008 viele ihre Meinung über mich so schnell nicht ändern werden, war mir klar", sagte Gomez der Tageszeitung "Die Welt" vor genau einem Jahr.

In den vergangenen zwölf Monaten arbeitete Gomez erfolgreich an seinem Ruf. Für Besiktas Istanbul erzielte der gefühlt letzte deutsche Vertreter der aussterbenden Zunft der Mittelstürmer in 33 Spielen der türkischen Süper Lig eindrucksvolle 26 Treffer – und schoss sich so auch zum Comeback in der Nationalmannschaft, in der Bundestrainer Joachim Löw nach knapp zwei Jahren der konsequenten Missachtung, den athletischen Angreifer für die EM 2012 nominierte, obwohl er eigentlich ohne echten Mittelstürmer plante. Am Ende mutierte ausgerechnet Gomez sogar zum großen nationalen Hoffnungsträger, traf zweimal und nicht wenige Beobachter waren der Meinung, dass Deutschland ohne seine Verletzung im Viertelfinale gegen Italien große Chancen auf den EM-Titel gehabt hätte.

Jetzt ist Gomez wieder nur der "Chancentod". Nur Tore können ihm helfen, diesen unrühmlichen Spitznamen schnell wieder abzulegen.

(can)
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